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EU-Parlament besiegelt Verbrenner-Aus für 2035 © APA / dpa-Zentralbild / Hendrik Schmidt
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Redaktion 17.06.2022

EU-Parlament besiegelt Verbrenner-Aus für 2035

CO2-freies Europa: Schon bald sollen keine Neuwagen mit Verbrennerantrieb mehr zugelassen werden dürfen.

WIEN / STRASSBURG. Ein Ende des Verbrennungsmotors für Privat-Pkws in Europa ist wahrscheinlicher geworden. Das EU-Parlament stimmte bekanntlich vor wenigen Tagen in Straßburg dafür, ab 2035 nur noch Privat-Pkws und leichte Nutzfahrzeuge ohne Diesel- oder Benzinantrieb neu zuzulassen. Bevor eine solche Regelung in Kraft treten kann, muss das Parlament zwar noch mit den EU-Staaten verhandeln – der Aufschrei der Branche ist aber auch jetzt schon laut.

Kurzsichtige Entscheidung?

Kritik an der geplanten Neuregelung kommt beispielsweise von den heimischen Transporteuren. „Wir stehen zu den Klimazielen, aber sie sind realistischerweise nur dann zu erreichen, wenn es wettbewerbsfähige Alternativen gibt”, so Spartenobmann Alexander Klacska. Im Lkw-Bereich hießen diese Alternativen Wasserstoff und eFuels, gegen die sich das EU-Parlament jedoch ausgesprochen habe. Für Klacska ist dies „nicht nur schade, sondern auch kurzsichtig”. Denn auch im Pkw-Bereich könnten eFuels eine „rasch und ohne Umrüstungsaufwand” einsetzbare, sinnvolle Alternative sein.

Güterversorgung gefährdet

Kritik am EU-Parlament kommt auch von der Interessenvereinigung eFuel Alliance Österreich. Sie spricht von einem „Zwang zum Elektroauto im Pkw-Sektor ab 2035”. Und Präsident Alexander Friesz vom Zentralverband Spedition & Logistik sieht Warenverkehr und Güterversorgung „in ihren Grundzügen gefährdet”, wenn die Politik weder den Einsatz von eFuels noch von Wasserstoff noch von energie-effizienten Lkw ermögliche.

Mit Blick auf den Beschluss des EU-Parlaments wachsen auch in Italien die Bedenken – dort fürchtet man vor allem um die Zukunft seiner Automobilindustrie, wie Industrieminister Giancarlo Giorgetti erklärte.


Bangen um 70.000 Jobs

„Die Zukunft der Autos darf nicht nur elektrisch sein, es sei denn, man will China ein Geschenk machen, das in dieser Hinsicht allen voraus ist”, so der Politiker. Er beklagte „eine ideologische Entscheidung” des EU-Parlaments, die der italienischen Autoindustrie schweren Schaden zufügen wird; 70.000 Jobs seien gefährdet.

„Der ökologische Wandel muss auch die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen auf alle Lieferketten berücksichtigen, sonst bedeutet die grüne Zukunft den Tod unserer Industrie”, so Giorgetti weiter. „Wir müssen den Stimmen der Unternehmer und Arbeitnehmer und ihren berechtigten Anliegen Gehör schenken und dürfen uns nicht taub stellen.”

Mercedes ist der Zeit voraus

Zustimmung zum EU-Parlamentsbeschluss kommt vom deutschen Autohersteller Mercedes-Benz. „Bis 2030 sind wir bereit, überall dort vollelektrisch zu werden, wo es die Marktbedingungen zulassen”, sagte der Leiter des Bereichs Außenbeziehungen des Konzerns, Eckart von Klaeden. „Der Beschluss nimmt die Politik in die Pflicht, für die erforderliche Infrastruktur zu sorgen. Entscheidend für den Erfolg des Klimaschutzes im Verkehr sind die Akzeptanz der neuen und nicht das Verbot traditioneller Technologien.” Der Hersteller biete sieben vollelektrische Modelle an, weitere sollten folgen.

Österreich will schneller sein

Auch Österreichs Klimaschutzministerin Leonore Gewessler sieht in der Entscheidung des EU-Parlaments einen wichtigen Schritt, der beim Umstieg auf emissionsfreie Autos „ Planungssicherheit” gebe. „Die Zukunft des Autos steht unter Strom”, so Gewessler in einer ersten Reaktion. Österreich stehe bei der Neuzulassung von E-Autos gut da. „Deshalb haben wir uns vorgenommen, dass in Österreich schon 2030 alle neu zugelassenen Autos emissionsfrei unterwegs sind.” (red)

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