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Europa: Absatz-Party geht langsam zu Ende © Panthermedia.net/Ccaetano
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Jürgen Zacharias 23.03.2018

Europa: Absatz-Party geht langsam zu Ende

Eine aktuelle EY-Studie prognostiziert Europas Automarkt ein gebremsteres Wachstum als zuletzt.

••• Von Jürgen Zacharias

Der Februar sorgte bei Europas Autohändlern einmal mehr für Hochstimmung. Die internationalen Statistiker vermeldeten ein neuerliches Plus von gut vier Prozent; damit kletterte der Absatz auf den höchsten Februar-Stand seit zehn Jahren – zuletzt waren im Februar 2008 mehr Neuwagen verkauft worden.

Wachstumstreiber waren dabei vor allem Deutschland, Spanien, Polen, die Niederlande und Deutschland. Auch der deutlich kleinere österreichische Absatzmarkt entwickelte sich mit einem Plus von 4,7 Prozent überdurchschnittlich gut.

Briten im Rückwärtsgang

Allerdings, und das ist nun die schlechte Nachricht: Im Vergleich zum Jänner hat sich das Wachstum im Februar deutlich abgeschwächt. Vermeldeten für den ersten Monat des Jahres noch 23 der 28 EU-Länder positive Wachstumszahlen, waren es im Februar nur noch 16 – darunter Sorgenkind Großbritannien und auch Italien.

„In Italien scheint der Aufwärtstrend gestoppt zu sein, und Großbritannien hat längst den Rückwärtsgang eingelegt”, analysiert Gerhard Schwartz, Partner und Sector Leader Industrial Products bei Unternehmensberater Ernst & Young (EY) in Österreich; Schwartz weiter: „Die Zeiten des flächendeckenden Wachstums auf den großen EU-Märkten sind vorbei. Immer mehr Märkte haben ihren Zenit erreicht oder sogar schon überschritten.”

2018 bringt Absatzwachstum

Konsequenz davon: Das Wachstum bremst sich ein, wenngleich die Aussichten für den europäischen Absatzmarkt laut EY weiterhin gut sind. Schwartz: „Die Konjunkturerholung ist zumindest auf dem Kontinent intakt, die Beschäftigung steigt, und in einigen Ländern besteht nach wie vor ein hoher Nachholbedarf, der weiteres Wachstumspotenzial birgt. Für das Jahr 2018 rechnen wir daher mit einem Absatzwachstum von etwa zwei Prozent in der EU.”

Selbstzünder in der Krise

Nicht aufgehen wird diese Prognose für Diesel-Fahrzeuge, deren Absatz weiter stark rückläufig ist. In den fünf größten Absatzmärkten – Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien – sind die Neuzulassungen von Selbstzündern im Februar wie schon im Jänner um zwölf Prozent gesunken. In Deutschland lag dabei das Minus bei 19%, in Großbritannien bei 24% und in Österreich bei 16%.

„Die Diesel-Technologie steht aktuell massiv unter Beschuss”, erklärt Gerhard Schwartz von EY. „Die Diskussionen um Fahrverbote, die inzwischen in vielen europäischen Ländern geführt werden, haben zu einer massiven Verunsicherung aufseiten der Käufer geführt. Die gehen zunehmend auf Nummer sicher und kaufen Benzin-Modelle – mit entsprechend negativen Folgen für den CO2-Ausstoß der Neuwagenflotten.” Schwartz weiter: „Viele Hersteller werden dadurch erhebliche Probleme haben, die ab dem Jahr 2021 geltenden CO2-Grenzwerte einzuhalten.” Nach diesen darf die Neuwagenflotte eines Herstellers im Schnitt nur noch maximal 95 g CO2 pro Kilometer ausstoßen.
„Die Krise beim Dieselabsatz macht also hohe Strafzahlungen für die Hersteller wahrscheinlicher, wenn der E-Anteil nicht deutlich zunimmt”, so Schwartz.

E-Auto-Boom steht bevor

Und davon kann aktuell nur bedingt die Rede sein. Zwar legten die Zulassungen von alternativen Antrieben im Jänner um 42% zu und im Februar um 31%. Trotzdem bleiben alternative Antriebe vorerst ein Nischenprodukt: In den Top-Fünf-Märkten lag der Marktanteil von Elektro- und Hybrid-Pkw im Februar bei 4,7 Prozent, wobei 3,8 Prozent auf Hybride entfielen und gerade einmal 0,9 Prozent auf reine Elektroautos.

„Das wird sich allerdings ändern, wenn in den kommenden Monaten und Jahren attraktive neue Elektro-Modelle mit höherer Reichweite auf den Markt kommen und die Ladeinfrastruktur ausgebaut wird”, prophezeit Schwartz.
„Wir sehen derzeit massive Investitionen, die dieser Technologie in den kommenden Jahren zum Durchbruch verhelfen werden. Aktuell aber ist es in erster Linie der Benzin-Motor, der von der Dieselkrise profitiert.”

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