AUTOMOTIVE BUSINESS
Europas Autoindustrie vor einer Zeitenwende © EPA/Jörg Carstensen
© EPA/Jörg Carstensen

Jürgen Zacharias 26.06.2015

Europas Autoindustrie vor einer Zeitenwende

Studie Laut der Boston Consulting Group blickt die europäische Automobilindustrie in eine schwierige Zukunft. Die Branche müsse sich mit Ökologisierung und Elektrifizierung beschäftigen, aber auch mit Autonomisierung und Asiatisierung.

Wien. Mercedes und BMW sind laut einer aktuellen Interbrand-Studie die wertvollsten Marken Deutschlands. VW gilt als zweitgrößter Automobilhersteller der Welt und Fiat als einer der größten italienischen Industriebetriebe. Auch die französische und slowakische Wirtschaft wird durch Renault und den PSA-Konzern sowie Skoda von Automobilkonzernen dominiert, Großbritannien versucht seine Fahrzeugbranche nachhaltig zu stärken, und selbst hierzulande werden im Jahr Tausende Autos gefertigt. Trotzdem ist es laut einer aktuellen Studie der Boston Consulting Group (BCG) schlecht um die europäische Automobilindustrie bestellt. „Die Verschiebung von Absatz, Produktion und zunehmend auch Entwicklung nach Asien einerseits und die Einführung von selbstfahrenden Autos andererseits erfordern erhebliche Anpassungen in der gesamten Wertschöpfungskette”, heißt es in einer aktuellen Aussendung.

Branche im Wandel

Antonella Mei-Pochtler, Automobilexpertin und Senior Partnerin bei der Boston Consulting Group (BCG), präzisiert: „Kaum eine Branche wird so auf Trab gehalten wie die Automobilindustrie: Neben Ökologisierung und Elektrifizierung stehen Autonomisierung und Asiatisierung auf dem Plan.”
Letzteres sei den Wachstumsmärkten geschuldet, die eben nicht mehr in Europa liegen, vor allem aber der rasanten Entwicklung neuer Automobilzulieferer aus den Schwellenländern. Derzeit dominieren laut der Studie die bestehenden Weltmarktführer noch mit 95 Prozent Marktanteil die Branche. Aber die Unternehmen aus den Emerging Markets konnten in den vergangenen fünf Jahren ein atemberaubendes Wachstum von rund 25 Prozent pro Jahr verzeichnen. Unternehmen wie Nemak, Motherson Sumi und Bharat Forge hätten sich längst globalisiert, andere wie Weichai Group und Huayu Automotive Systems stünden kurz davor. Als Folge dieser Entwicklung erwartet die BCG, dass im Jahr 2020 bereits 55 Prozent der weltweiten Autoproduktion in den BRIC-Staaten stattfinden werden.

Global Challengers holen auf

„Heute sind die meisten chinesischen, indischen oder südamerikanischen Automobilzulieferer fünf- bis zehnmal kleiner als die europäischen und amerikanischen Marktführer. Aber die Global Challengers wachsen fünf- bis zehnmal schneller – und so reduziert sich der Abstand rasant”, betont Nikolaus S. Lang. Und Antonella Mei-Pochtler ergänzt: „Um den Herausforderungen begegnen zu können und global wettbewerbsfähig zu bleiben, benötigen die Industrie-kapitäne ein sehr klares Verständnis der Marktkräfte und der technologischen Trends, aber vor allem auch die Fähigkeit, globale Entwicklungs- und Fertigungsnetzwerke über Landesgrenzen hinweg präzise zu steuern.” Nachsatz: „Eine Transformation wird notwendig sein – für globale, aber auch für österreichische Automobilzulieferer. Diese brauchen im eigenen Land optimale Bedingungen, um diese Veränderung zu bewältigen. Andernfalls stehen Abwanderung und Übernahmen auf dem Plan.”

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