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Fahrer haben Angst vor Kontrollverlust © Continental
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Jürgen Zacharias 23.02.2018

Fahrer haben Angst vor Kontrollverlust

Autonom fahrende Autos: Die meisten Autofahrer wollen das Steuer nicht ganz aus der Hand geben.

••• Von Jürgen Zacharias

Die Zukunft fährt autonom, da sind sich die meisten Experten einig. Die Frage scheint nur noch zu sein, wann die Technologie reif genug für den groß angelegten Roll-out ist und wann vor allem die rechtlichen Rahmenbedingungen zweifelsfrei abgesteckt sind. Bei all ihren Bemühungen könnten die Hersteller ihre Rechnung aber ohne den (Fahr-)Gast gemacht haben – der will nämlich seine Rolle am Steuer vorerst noch nicht aufgeben, wie eine aktuelle Studie von TÜV Rheinland auf Basis von Online-Befragungen in China, den USA und Deutschland zeigt. Demnach ist zwar das Vertrauen in vollkommen autonom fahrende Autos in China schon jetzt mit 63% überraschend hoch, in den USA und Deutschland glauben allerdings nur 34% daran, dass durch fahrerlose Fahrzeuge die Verkehrssicherheit steigt.

Um autonomen Fahrzeugen vertrauen zu können, wünschen sich die Befragten vor allem die freie Entscheidung, selbst oder autonom fahren zu können.

Thema Verkehrssicherheit

Satte 78% aller Befragten sind sich laut der Studie einig, dass es dem Menschen durchgängig möglich sein muss, im Notfall jederzeit selbst das Steuer übernehmen zu können – in Deutschland und den USA ist der Wunsch noch deutlich stärker ausgeprägt als in China.

Dieser Wunsch ist auch in einem anderen Ergebnis der Studie erkennbar. Demnach steigen mit fortschreitendem Automatisierungsgrad des Fahrzeugs die Zweifel, und das Vertrauen in die Technik sinkt.
So geben zunächst nur elf Prozent der Befragten in Deutschland und 15% in den USA an, dass sie durch eine Teilautomatisierung eine Verschlechterung der Verkehrssicherheit befürchten. Bei den fahrerlosen Autos hingegen glaubt fast die Hälfte der Befragten in Deutschland und den USA, dass sich die Verkehrs­sicherheit verschlechtert. In China erwarten lediglich 24% bei den fahrerlosen Autos eine sinkende Verkehrssicherheit.

Aktuell viele Vorbehalte

„Die Überzeugung der Autofahrer in China, Deutschland und den USA, dass mit zunehmender Automatisierung die Verkehrssicherheit abnimmt, zeigt: Wir müssen gegenüber den Menschen noch viel stärker informieren und die Vorteile von mehr Technik auch eindeutig vermitteln”, sagt Matthias Schubert, Executive Vice President Mobilität TÜV Rheinland.

Die Ergebnisse der internationalen Studie bestätigen auch den Trend einer repräsentativen Befragung von TÜV Rheinland aus dem Frühjahr 2017 zur Akzeptanz autonomen Fahrens in Deutschland; diese Studie hatte gezeigt, dass drei von vier Befragten die Technik grundsätzlich positiv sehen, aber im Detail noch viele Vorbehalte bei der technischen Umsetzung bestehen.

Angst vor Datenklau

So ist aktuell bei autonomen Fahrzeugen vor allem die Angst vor der Cyberkriminalität weit verbreitet – in Deutschland am stärksten. Persönliche Daten können bei der Nutzung autonomer Fahrzeuge in unbefugte Hände gelangen, das meinen in Deutschland 76, in den USA 67 und in China 63%.

Positiv wahrgenommen wird, dass die Systeme künftiger Autos regelmäßig automatisch aktualisiert werden, um die Sicherheit im Straßenverkehr und gegen Fremdangriffe zu gewährleisten. In China befürworten solche sogenannten Over-the-Air-Updates 80%, in den USA 68 und in Deutschland immerhin 64%.

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