AUTOMOTIVE BUSINESS
Frankreich steigt wieder ins Raumfahrtgeschäft ein
Gregor Josel 24.04.2015

Frankreich steigt wieder ins Raumfahrtgeschäft ein

Renault Espace Renault bringt nach 13 Jahren die neue Generation der Großraumlimousine Espace in den Handel

Man muss zweimal hinsehen: Die 5. Generation hat mit den Vorgängern nicht viel bis gar nichts gemein.

Wien. Schon der Zündschlüssel ist ein Schmuckstück, das man stolz auf den Tresen legt. Und wo früher rund ums Lenkrad nur Hartplastik zu fühlen war, schmeicheln jetzt Chrom und Klavierlack Händen und Augen. Dabei ist das Cockpit den neuen Renault Espace fast so revolutionär wie bei Tesla. Denn während die eigentlichen Instrumente endlich wieder ins Blickfeld des Fahrers rücken, thront in der Mittelkonsole ein senkrecht montiertes Touchpad, über das man fast alle Komfort- und Infotainment-Funktionen mit einem Fingerzeig steuern kann. Dazu noch ein ebenso buntes wie liebevolles Beleuchtungskonzept, ein ausfahrbares Head-up-Display, ein Schaltknauf wie der Schubregler aus einem Düsenjäger und feudale Massagesessel wie fast wie in einer Oberklasse-Limousine – schon fühlt man sich wie Captain Future in der First Class. Und dass die Franzosen dabei in manchen Details über das Ziel hinausgeschossen sind und zum Beispiel den Drehknopf für die Radio-Bedienung vergessen haben, das sieht man ihnen nach zwei, drei Tagen der Eingewöhnung sicherer gern nach.

Raumgefühl zweigeteilt

Doch das Raumgefühl bleibt mit dem neuen Zuschnitt irgendwie auf der Strecke. Zwar gibt es genügend Platz auf allen Plätzen, weder Kopf noch Knie stoßen irgendwo an. Nach wie vor kann man die drei Sitze in der zweiten Reihe einzeln verschieben und in der Neigung verstellen. Auf den Klappsesseln in der dritten Reihe sitzt man besser als in den meisten großen Geländewagen. Und der Kofferraum ist bei voller Bestuhlung mit seinen 680 Litern schon stattlich und wird riesig (2.101 Liter), wenn man mit einem Knopfdruck erst einmal elektrisch alle Sitze flachgelegt hat. Aber selbst wenn einem das gewaltige Panoramadach einen großzügigen Raumeindruck vermittelt, fühlt sich der Espace nicht mehr spacig, sondern eher kuschelig an. Das gilt insbesondere für die erste Reihe, wo man von der hohen, durchgehenden Mittelkonsole förmlich eingemauert wird. Einen bequemen Fußraum im Fond haben die Entwickler auch in der fünften Generation noch nicht hinbekommen. Wie eh und je muss man hinten die Knie zwischen die Ohren nehmen und fühlt sich nach langen Fahrten dann auch entsprechend erschöpft.

Agile Technikfeatures

Das neue Konzept hat aber auch seinen Vorteil: Als Fahrer wird man wieder Teil des Geschehens und hat den Raumkreuzer jetzt tatsächlich wieder selbst im Griff – und dabei überraschend viel Spaß. Denn wer mit einem Druck auf die Multi-Sense-Taste die Sinne schärft, spürt eine straffe Lenkung und einen Triebstrang, der es ernst meint mit dem Vorwärtsdrang. Dass man im Espace am liebsten vorn links sitzt, liegt aber vor allem am System 4Control, was für die optionale Hinterradlenkung steht. Weil die Räder im Heck je nach Situation bis zu zwei Grad mit oder 3,5 Grad entgegen der Fahrrichtung eingeschlagen werden, fühlt sich der Espace bei hohem Tempo stabiler und beim Rangieren viel kleiner an, als er tatsächlich ist. Nicht umsonst misst der Wendekreis nur 11,10 Meter, was bei 4,86 Metern Länge und 2,88 Metern Radstand kein schlechter Wert ist. Ein Clio braucht für die Kehre schließlich auch schon 10,80 Meter. Angetrieben wird der Espace von downgesizten Schrumpftriebwerken, bei denen Turbos den mangelnden Hubraum kompensieren. Los geht es bei einem 1,6 Liter großen Diesel mit 130 PS und Schluss ist schon bei einem Benziner, der aus dem identischen Hubraum 200 PS holt.

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