Hallo, hier spricht der Firmenjurist
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In diesem E 220 d tut ein Zweiliter-Vierzylinder-Diesel mit 194 PS Dienst; in der Serienausstattung kostet er 49.540 Euro.
MOBILITY BUSINESS Bernhard Katzinger 20.05.2016

Hallo, hier spricht der Firmenjurist

Die neue E-Klasse von Mercedes-Benz soll endgültig die Tür zum teilautonomen Fahren aufstoßen. Technisch ist die Sache gelöst, rechtliche Hemmnisse bleiben bestehen.

••• Von Bernhard Katzinger

STUTTGART. Neue Mercedes-­Limousinen sind immer Gate-Opener. Das gilt in erster Linie natürlich für die S-Klasse, in diesem Fall jedoch im Besonderen auch für die neue E-Klasse. Schon im Vorfeld hat man die Business-Class-Limousine mit Erwartungen vom autonomen Fahren aufgeladen, die sie nun erfüllen muss. Intelligent soll sie sein und den Fahrer soweit als erlaubt im täglichen Verkehr entlasten. Und was ein Mercedes-Benz verspricht, soll er nicht gerade so halten, sondern perfekt, durchdacht, makellos.

Selbst, nicht „wie von selbst”

Nun ist das teilautomatische Fahren auf gut markierter Autobahn nichts Außergewöhnliches mehr: Die Kombination von Spurhalte- und Abstandsassistent mit intelligentem Tempomat erlaubt in vielen Modellen – längst nicht nur von Premium-Herstellern – eine Art Fahrautomatik. Was all diese Helferleins dem Fahrer jedoch nicht abnehmen, ist natürlich die Verantwortung.

Das ändert sich auch in der E-Klasse nicht, und so ist das Erlebnis des teilautonomen Fahrens im neuen Business-Stern zunächst nichts Außergewöhnliches, zumindest nicht für den verwöhnten Motorjournalisten; dieser notiert eher betont vorsichtige Reaktionen des Wagens. Schon nach wenigen Sekunden ohne Lenkimpuls warnt das System. Reagiert der Pilot partout nicht, soll sich die E-Klasse laut Hersteller sogar vollautomatisch mit Warnblinkanlage zum Stillstand bringen. Das haben wir im Test im Nachmittagsverkehr auf der Autobahn Stuttgart–München dann doch nicht ausprobiert.
Dafür spurt die E-Klasse nun auch selbsttätig um, wenn man den Blinker setzt, und auch das Einparken erledigt der Wagen von selbst: Der Fahrer kann den Vorgang von außen per Handy-App einleiten und überwachen. Am Handy muss eine Kreisbewegung vollführt werden, damit der Wagen in Bewegung bleibt, weiter als ein paar Meter entfernen darf sich der Fahrer auch nicht. Man hört förmlich, wie sich das imposante Auto mit der vorsichtigen Stimme des Firmenjuristen rückversichert: Ist da jemand?

Dynamische Business-Class

Ohne an Repräsentations-Fähigkeit einzubüßen, haben die Designer das Äußere wirkt wieder ein wenig dynamischer als das des Vorgängers gestaltet. Länger ist die Business-Limousine geworden (um 4,3 Zentimeter), dabei um zwei Millimeter schmäler und um drei niedriger. An Front und Heck dominieren zeitgemäß freundlich geschnittene LED-Linien.

Wie gewohnt, trägt der Wagen je nach Ausstattungslinie seinen Stern entweder altbewährt auf der Haube oder größer mittig im Kühlergrill.

Sanft bis kraftvoll

Zunächst kommt der Business-klässler in drei Motorvarianten nach Österreich, allesamt serienmäßig mit der äußerst kultivierten und damit perfekt zum Charakter des Wagens passenden 9-Gang-Wandlerautomatik ausgestattet.

Die Basis bildet der E 200, der von einem 2,0-Benziner mit 184 PS befeuert wird; der Basisdiesel E 220 d schöpft 194 PS und 400 Nm aus vier Zylindern mit insgesamt 1950 cm3 Rauminhalt, was der 3,0-V6 im E 350 d nochmals überbietet: 285 PS und 620 Nm, die ab 1.600 Umdrehungen pro Minute anliegen, sollten auch im dynamischen Verkehrskontext ausreichend repräsentativ sein. Stärkerer Tobak ist bereits angekündigt, unter anderem in Gestalt des Mercedes-AMG E 43. Der „kleine AMG” wird 401 PS leisten und einen echten Wolf im Schafspelz abgeben, soweit man das nach dem im März erfolgten Messeauftritt in New York beurteilen kann.

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