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Kärnten: Wasserstoff-Busse starten im Linienbetrieb © Büro LR-Schuschnig

Startschuss für die Wasserstoff-Busse, v.l.n.r.: Thomas Reisinger (Infineon), Richard Hagenfeldt (Linde), Michael Richter (Hydrogen Center Austria), Landesrat Sebastian Schuschnig, Silvia Kaupa-Götzl (Vorständin ÖBB-Postbus) und Andreas Gémes (OMV).

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Startschuss für die Wasserstoff-Busse, v.l.n.r.: Thomas Reisinger (Infineon), Richard Hagenfeldt (Linde), Michael Richter (Hydrogen Center Austria), Landesrat Sebastian Schuschnig, Silvia Kaupa-Götzl (Vorständin ÖBB-Postbus) und Andreas Gémes (OMV).

Redaktion 13.05.2022

Kärnten: Wasserstoff-Busse starten im Linienbetrieb

Mit Dezember sollen fünf Wasserstoff-Busse in der Region Villach-Land in Dienst gestellt und mit „grünem“ Wasserstoff betrieben werden.

KLAGENFURT. Ab Dezember 2022 starten die ersten fünf Wasserstoffbusse in Kärnten in den Linienbetrieb. Das gab vor wenigen Tagen der Kärntner Wirtschafts- und Mobilitätslandesrat Sebastian Schuschnig in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Konsortialpartnern Infineon, ÖBB-Postbus, OMV, Linde und der renommierten Wasserstoff-Forschungsgesellschaft HyCentA bekannt. Die wasserstoffbetriebenen Busse sind bereits bestellt, ab November finden die ersten Testfahrten vor Ort statt. Zum Einsatz kommen die Busse in der Verkehrsregion Villach-Land. Im Rahmen des Projekts H2Carinthia sollen diese mit regional und nachhaltig hergestelltem, „grünem“ Wasserstoff betankt werden, der „recycelt“ wird. Nach seiner industriellen Nutzung in der Fertigung bei Infineon in Villach wird er durch ein innovatives Verfahren aufgereinigt und für den Antrieb öffentlicher Busse wiederverwertet.

„Mit diesem Projekt nimmt Kärnten eine europaweit führende Rolle in der intelligenten Kreislaufwirtschaft ein und zeigt, wie neue Technologien die Nachhaltigkeit in der Industrie, im Verkehr und der Energiewirtschaft ausbauen und das Klima schützen. Zusätzlich wird durch regionale Lösungen auch die Versorgungssicherheit erhöht. Wasserstoff kann dafür insbesondere in der Industrie und im Schwerverkehr einen wesentlichen Beitrag leisten, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren“, betonte Schuschnig. Kärnten werde deshalb die Investitionen verstärken, um schrittweise zu einer Modellregion für Wasserstoff in Industrie und Mobilität zu werden. „Mit europaweit führenden Projekten wie diesen gewinnt auch der Standort zusätzlich an Attraktivität“, so der Landesrat.

Zum Einsatz kommen Wasserstoffbusse der Marke Solaris (Urbino hydrogen) durch ÖBB Postbus. Diese haben mit einer Tankfüllung ganzjährig eine Reichweite von knapp 400 km, können bis zu 74 Personen befördern und erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. „Das Land Kärnten hat einen absolut zukunftsweisenden Ansatz für die Umsetzung des ersten regionalen Mobilitätsprojekts mit Wasserstoffbussen gewählt. Wir von Postbus sind stolz, dieses Projekt nun gemeinsam mit allen Partnern auf die Straße zu bringen“, betonte ÖBB-Postbus-Vorständin Silvia Kaupa-Götzl.

Bereits im Spätsommer wird die regionale Produktion von „grünem“ Wasserstoff bei Infineon anlaufen; das Konzept dafür wurde im Vorprojekt H2Pioneer entwickelt und vom Klima- und Energiefonds im Rahmen der Vorzeigeregion WIVA P&G gefördert. Linde wird den Wasserstoff künftig direkt bei Infineon mittels erneuerbarer Energiequellen erzeugen. Infineon wird damit den bisher aus Deutschland mittels Lkw importierten Flüssigwasserstoff, der aus fossilen Rohstoffen hergestellt wurde, durch eine eigene nachhaltige Lösung ersetzen. Die Errichtung der Elektrolyseanlage am Werksgelände erfolgt durch Linde und befindet sich in der Endphase, die Fertigstellung der Anlage ist für August geplant. Durch die neue Anlage werden im ersten Schritt täglich 500 kg Wasserstoff produziert; im Vollausbau wird die Menge auf 800 kg ausgeweitet. Genutzt wird der Wasserstoff als Träger- und Prozessgas in der Halbleiterfertigung.

Ebenso nimmt die erste Wasserstofftankstelle in Kärnten konkrete Formen an. Seitens OMV sind hierzu die Planungsarbeiten weit fortgeschritten, auch zwei Grundstücke wurden als möglicher Standort bereits optioniert, nun folgen die Behördenverfahren. Die Anlage wird vorwiegend für die Betankung von Schwerfahrzeugen wie Busse und Lastkraftwägen ausgelegt und die geplante Inbetriebnahme ist ab 2024 vorgesehen. Versorgt wird die Tankstelle mit recyceltem aufgereinigten Wasserstoff aus dem Industrieprozess bei Infineon. Die Aufreinigungs- und Auskopplungstechnologien werden hierfür im Teilprojekt ReHyB erforscht, das von der FFG im Rahmen der „Mobilität der Zukunft“ gefördert wird.

Durch die Aufreinigung stehen in der ersten Phase des Projekts ab 2023 bis zu 337 kg recycelter Wasserstoff täglich zur Verfügung. Damit können rund 4.200 Buskilometer pro Tag gefahren werden, bis zu 17 Busse im Raum Villach können ab 2023 so klimaneutral betrieben werden; das entspricht rund 1,4 Mio. klimaneutrale Kilometer im Jahr. Die Rohrverbindungen vom Infineon Gelände zur OMV Tankstelle sowie die Aufreinigungsanlage wird durch Linde errichtet und betrieben.

Bei den fünf Wasserstoffbussen soll mittelfristig es jedoch nicht bleiben – bereits 2023 sollen weitere Wasserstoffbusse folgen. Wissenschaftlich begleitet und koordiniert wird das Gesamtprojekt H2Carinthia durch die österreichweit führende Forschungseinrichtung HyCentA an der Technischen Universität Graz. „Durch Forschung und Entwicklung gelingt es uns, die Innovationen bereitzustellen, die zur Lösung der Klimakrise dringend erforderlich sind und gleichzeitig regionale Wertschöpfung bieten. Für das Beschreiten neuer Wege benötigt es aber nicht nur Forschung, sondern auch die Kooperation von Partnern mit Pioniergeist, die – wie hier in diesem Projekt – mutig vorangehen und zur Umsetzung von Innovation gewillt sind“, so Alexander Trattner, Leiter HyCentA. (jz)

 

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