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Keiner verdient mehr als BMW, Daimler und VW © BMW
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Jürgen Zacharias 06.04.2018

Keiner verdient mehr als BMW, Daimler und VW

Die deutschen Autobauer sind laut einer aktuellen E&Y-Studie ­profitabler als die Konkurrenz aus Japan und den USA.

••• Von Jürgen Zacharias

Die Kraft und Stärke von Unternehmen lässt sich nach unterschiedlichen Gesichtspunkten bewerten. Man kann beispielsweise die Zahl der verkauften Produkte als Indikator heranziehen, den Wert der Marke, die Relevanz des Unternehmens für den Markt und die Branche oder die Größe des Kundenstocks. Meist erfolgt die Unternehmensbewertung aber über die Höhe des Umsatzes und die Profitabilität, und diesbezüglich macht in der Automobilbranche den deutschen Konzernen so schnell niemand etwas vor.

Eine aktuelle Untersuchung der 16 größten Autokonzerne der Welt von der Unternehmensberatung Ernst & Young bescheinigt BMW, Mercedes und Co. jedenfalls die weltweit höchste Rendite.

Wachstumsschub

Der Studie zufolge konnten die untersuchten Autobauer ihren Gesamtabsatz im vergangenen Jahr um 1,9 Prozent steigern und beim Umsatz sogar um 5,8 Prozent zulegen. Noch deutlicher fällt das Gewinnwachstum aus, das Ernst & Young für die 16 größten Konzerne mit 12,4 Prozent beziffert.

Die deutschen Autokonzerne erwiesen sich dabei sowohl beim Pkw-Absatz, als auch beim Gewinnwachstum als weltweit führend: Mit einem gemeinsamen Absatzplus von fünf Prozent wuchsen sie mehr als doppelt so stark wie die Wettbewerber, beim Gewinn legten sie sogar um 31% zu.
Das deutliche Absatzplus der deutschen Autokonzerne ist vor allem auf deren Erfolg am chinesischen Markt zurückzuführen: Volkswagen, BMW und Daimler verkauften im Reich der Mitte im Vorjahr insgesamt acht Prozent mehr Autos als 2016, VW konnte seine Marktführerschaft mit einem Plus von knapp fünf Prozent auf 4,2 Mio. verkaufte Wagen verteidigen; General Motors folgt dort mit 4 Mio. losgeschlagenen Wagen auf Platz 2.

BMW führt das Ranking an

Auch an der Spitze der weltweit profitabelsten Hersteller liegt mit BMW ein deutscher Konzern. Die Münchner kommen auf eine Gewinnmarge von zehn Prozent und konnten damit ihre Spitzenposition aus dem Vorjahr verteidigen.

Zusammen haben die drei deutschen Autohersteller im vergangenen Jahr ihren operativen Gewinn um ein Drittel auf gut 38 Mrd. € steigern können. Die japanischen Hersteller kommen zusammen auf knapp 34 Mrd. € (plus neun Prozent), die US-Hersteller auf 21 Mrd. € (plus drei Prozent).

Ende des Gewinnwachstums?

Die Zuwächse im operativen Bereich sind deutlich, könnten aber mittel- bis langfristig nicht wiederholbar sein. Die Ernst & Young-Experten rechnen in den kommenden Jahren jedenfalls mit einem Ende des Gewinnwachstums. „Beim Gewinn wird die Autoindustrie in den kommenden Jahren voraussichtlich einen Gang zurückschalten”, so die Einschätzung von Gerhard Schwartz, Partner und Sector Leader Industrial Products bei Ernst & Young Österreich. „Es stehen Milliardeninvestitionen an, die die Margen belasten und erst langfristig zum Umsatzwachstum beitragen können.”

Bereits im vergangenen Jahr betrugen die Sachinvestitionen allein der drei deutschen Autokonzerne knapp 27 Mrd. € – das sind acht Prozent mehr als im Vorjahr.
Und der Wert dürfte in diesem Jahr laut Schwartz weiter steigen: „Die deutschen Autokonzerne investieren Milliarden in die Vorbereitung der Produktion auf die Elektromobilität, in Forschung und Entwicklung rund um Themen wie autonomes Fahren und Vernetzung sowie neue Mobilitätsdienstleistungen. Gerade die deutschen Auto­konzerne mit ihrem Anspruch auf Technologieführerschaft werden in den kommenden Jahren erhebliche Summen für die Entwicklung neuer Technologien und die Produktionsanläufe in die Hand nehmen müssen. Das wird sich auf die Profitabilität auswirken, ist aber gut investiertes Geld.”

Automarkt wächst weiter

Die Absatzzahlen hingegen dürften sich laut Schwartz auch in den kommenden Jahren nach oben entwickeln. „Der weltweite Automarkt hat sich im vergangenen Jahr trotz des Absatzrückgangs auf dem US-Markt und trotz der Wachstumsschwäche in China insgesamt positiv entwickelt – und in diesem Jahr dürfte es weiter langsam aufwärtsgehen.”

Wachstumsimpulse werden nach Einschätzung des Experten in erster Linie von Schwellenländern wie Brasilien und Russland ausgehen, denen jeweils zweistellige Wachstumsraten zugetraut werden. In Europa und China wird es hingegen nur noch leicht nach oben gehen, in den USA scheint der Zenit bereits überschritten zu sein.

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