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KI spielt bei Herstellern nur eine Nebenrolle © BMW
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Redaktion 12.04.2019

KI spielt bei Herstellern nur eine Nebenrolle

Die Autobranche lässt laut einer aktuellen Studie die ­Potenziale künstlicher Intelligenz weitgehend ungenutzt.

WIEN. Die Automobilbranche kommt bei der Umsetzung von Künstlicher Intelligenz (KI) rascher voran als ihre Zulieferer und Händler, allerdings gibt es trotzdem erheblichen Nachholbedarf, wie eine aktuelle Umfrage des Capgemini Research Institute unter 500 Führungskräften der Automobilindustrie in acht Ländern belegt. Viele Unternehmen verschenken demnach beachtliche Nutzen- und Umsatzpotenziale.

Große Chancen für Hersteller

Der Untersuchung zufolge könnten Automobilunternehmen ihr Betriebsergebnis zwischen fünf und 16 Prozent steigern, wenn sie umfassende KI-Maßnahmen umsetzen würden. Zudem würden sämtliche Unternehmensfunktionen vom Einsatz der KI profitieren.

Im Durchschnitt wurden der Studie zufolge in der Forschung und Entwicklung (F&E) Produktivitätssteigerungen von 16 Prozent erreicht sowie in den Bereichen Supply Chain und Produktion/Operations operative Effizienzsteigerungen von 15 bzw. 16 Prozent.
Bei der Customer Experience führte die Anwendung von KI zu einer Reduzierung der direkten Kosten von bis zu 17 Prozent in der IT sowie zu einer Verkürzung der Markteinführungszeit um 15 Prozent in F&E und 13 Prozent in Marketing/Vertrieb.

Probleme für Unternehmen

Die unternehmensweite Implementierung von KI ist in den vergangenen beiden Jahren trotzdem nur langsam vorangekommen: Die Zahl der Automobilunternehmen weltweit, die KI umfassend und erfolgreich implementiert haben, ist lediglich von 7 auf 10 Prozent gestiegen. Auch die Anzahl der Unternehmen, die einzelne KI-Maßnahmen umsetzen, hat sich kaum verändert und liegt heute bei 24 Prozent gegenüber 27 Prozent im Jahr 2017.

Deutlicher fällt allerdings der Anstieg der Unternehmen aus, die keine KI einsetzen – hier hat sich der Anteil weltweit von 26 Prozent auf 39 Prozent erhöht.
Der Studie zufolge pilotieren zudem nur noch 26 Prozent der Unternehmen KI-Projekte – gegen­über 41 Prozent im Jahr 2017. Für Unternehmen ist es schwieriger geworden, den Nutzen und den gewünschten Return on Investment in der Pilotphase nachzuweisen (45 Prozent) und die richtige Auswahl der skalierbaren Anwendungsfälle zu treffen (43 Prozent).

Anfangshype ist abgeflaut

Für die Unternehmen gibt es auch darüber hinaus etliche Hindernisse zu überwinden: Die größten Herausforderungen aus technologischer Sicht sehen die befragten Manager bei der Integration bestehender Systeme und Tools (38 Prozent), im mangelnden Wissen und Bewusstsein für Next-Generation-KI-Tools (36 Prozent) sowie fehlenden Trainingsdaten (35 Prozent).

„Der anfängliche Hype um das Thema Künstliche Intelligenz und die damit verbundenen hohen Erwartungen ist bei vielen Unternehmen einer pragmatischeren Sichtweise gewichen, da sie nun mit der konkreten Umsetzung konfrontiert sind”, sagt Michael Danninger, Head of Product Industries bei Capgemini Österreich. (red)

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