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Motorradwirtschaft wird immer wichtiger © Panthermedia.net/Anna Omelchenko

Aktuellen Zahlen zufolge generieren Motorräder hierzulande eine Wertschöpfung von rund 3,3 Mrd. Euro.

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Aktuellen Zahlen zufolge generieren Motorräder hierzulande eine Wertschöpfung von rund 3,3 Mrd. Euro.

Jürgen Zacharias 22.10.2021

Motorradwirtschaft wird immer wichtiger

Ökonomie trifft Ökologie: Der steigende Anteil heimischer Zweiräder kommt Österreichs Umwelt und Wirtschaft gleichermaßen zugute.

WIEN. Dass ökologische und ökonomische Ziele gleichzeitig erreicht werden können, das beweist die Motorradwirtschaft: Geringere Stauzeiten, weniger Treibstoffverbrauch, geringere Treibhausgasemissionen, eine Reduktion des Parkraumbedarfs und eine rasante Entwicklung in der Elektrifizierung von Mopeds tragen – ganz besonders im urbanen Raum – zur Erreichung der ambitionierten Klimaziele bei und lösen dabei auch noch positive Effekte auf Wertschöpfung und Beschäftigung aus, wie jüngst in Rahmen eines Pressegesprächs der ARGE 2Rad Obmann Hubert Trunkenpolz (Vorstandsmitglied der KTM AG und der Pierer Mobility AG), Klimaschutzministerin Leonore Gewessler und ARGE 2Rad-Generalsekretärin Karin Munk ausführten.

Der Zweiradboom sei demnach seit Jahren ungebrochen und habe durch die Pandemie einen weiteren Aufschwung erfahren. Knapp 900.000 zugelassene einspurige Kraftfahrzeuge befahren Österreich und es kommen jährlich rund 45.000 hinzu. Dabei wird unter den Mopeds und Motorrädern der Elektro-Anteil immer höher. „Es freut uns, dass wir uns trotz der auch für uns schwierigen Rahmenbedingungen in den vergangenen beiden Jahren auf das Vertrauen unserer Kunden verlassen konnten“, so Hubert Trunkenpolz. „Alle sogenannten PTWs (Powered Two Wheelers) haben in den vergangenen Monaten eine ganz besondere Rolle in der Gesellschaft eingenommen und sich als wichtiges, unverzichtbares, leistbares und individuelles Fortbewegungsmittel endgültig etabliert“, so Trunkenpolz weiter.

Alleine in diesem Jahr gab es in den ersten neun Monaten im elektrischen Mopedsegment (L1e) einen Zuwachs von 47% zur Vorjahresperiode. Auch die elektrischen 125 ccm- Rolleräquivalente (L3e) gewinnen im urbanen Bereich an Wichtigkeit und haben zum Vorjahr um 40% zugelegt. Das entspricht mittlerweile einem Anteil von acht Prozent vom gesamten 125 ccm-Markt in Österreich. „Mehr Klimaschutz im Verkehr – das bringt mehr Lebensqualität: Saubere Luft, weniger Lärm und weniger Stau“, betonte Leonore Gewessler. „Die Zulassungen von E-Zweirädern sind so hoch wie nie zuvor – in diesem Jahr liegen wir bereits bei rund 20 Prozent. Und sie steigen konsequent weiter. Bei den Zweirädern sehen wir schon heute ganz klar – der Umstieg wird uns gelingen. Und das ist nicht nur gut fürs Klima, sondern auch gut für die Wirtschaft. Denn moderne E-Zweiräder schaffen Arbeitsplätze in Österreich.“

Auch Karin Munk bestätigte, dass in Sachen Elektromobilität vom Zweirad wichtige ökologische Impulse ausgehen: „Bei konstantem Wachstum werden im Mopedbereich schon vor 2030 praktisch 100 Prozent der neuzugelassenen Mopeds rein elektrisch unterwegs sein. Besonders im urbanen Bereich ist diese Entwicklung bereits weit fortgeschritten, und auch in den Regionen sehen wir viel Potenzial für E-Zweiräder. Förderungen seitens der Importeure und der Politik sind aber weiterhin sinnvoll und notwendig, um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen“, so Munk weiter.

Die Motorradwirtschaft beweise auch, dass die Mobilitätswende nicht – wie häufig kolportiert – mit einem Verlust heimischer Arbeitsplätze verbunden sein muss. Die steigende Nachfrage nach Elektromobilität könne auch zusätzliche, positive Effekte auf Wertschöpfung und Beschäftigung auslösen. So habe es die heimische Motorradwirtschaft im engeren Sinn selbst im Krisen-gebeutelten Jahr 2020, in welchem sie auch durch Lockdowns in Produktion und Handel getroffen wurde, geschafft, das Niveau aus 2019 zu halten.

Obwohl die Motorradwirtschaft in Österreich eine lange Tradition hat, wird sie laut ARGE 2Rad „in ihrer gesamtwirtschaftlichen Bedeutung noch immer unterschätzt“, was vor allem darauf zurückzuführen sei, dass sie sich als so genannte Querschnittsmaterie aus vielen unterschiedlichen Wirtschaftsbranchen zusammensetzt. Alleine die Herstellung, der Handel und die Reparatur von einspurigen motorisierten Fahrzeugen generiere einen Wertschöpfungsbeitrag von 782,5 Mio. €. Im gesamten Wertschöpfungsnetzwerk Motorrad erhöht sich dieser Betrag auf 3,3 Mrd. €, was einem Anteil von 0,92% der Wirtschaftsleistung und in der Größenordnung der Papierindustrie Österreichs entspricht. Fast 1,7 Mrd. € fließen dadurch an Steuern und Abgaben an die Gebietskörperschaften zurück. „In der Motorradwirtschaft wurden österreichweit im Jahr 2019 knapp 40.400 Arbeitsplätze geschaffen bzw. gesichert“, so die ARGE 2Rad.

Mit der Pandemie kam es zu einem wahren Motorradboom, gleichzeitig aber auch zu Produktionsstopps, Schließungen im Einzelhandel sowie zur Absage von Messen und Veranstaltungen. Dennoch sind Produktion, Handel und Reparatur mit einem Wertschöpfungsminus von 2,5% verhältnismäßig gut durch die Krise gekommen. Die Zahl der Beschäftigten konnten sie sogar leicht steigern, sodass sie für einen Aufschwung gut gerüstet sind. Obwohl die Kurzarbeit viel abfedern konnte, wurden der Motorradtourismus und Veranstalter stärker getroffen; hier reduzierte sich die Wertschöpfung um 15,9% auf knapp 2,8 Mrd. €, die Zahl der Beschäftigten um über 6.000. (jz)

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