AUTOMOTIVE BUSINESS
Nachholbedarf in puncto Nachhaltigkeit © Capgemini

Jacqueline Wild, Head of Practices und Innovation bei Capgemini in Österreich.

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Jacqueline Wild, Head of Practices und Innovation bei Capgemini in Österreich.

Redaktion 12.03.2020

Nachholbedarf in puncto Nachhaltigkeit

Capgemini-Studie: Unternehmen der Automobilbranche sind bei der Erfüllung globaler Nachhaltigkeitsstandards gut unterwegs – ganzheitliche Ansätze fehlen aber oft noch.

WIEN. Die Automobilbranche rückt das Thema Nachhaltigkeit zunehmend in den Fokus. Laut der aktuellen Capgemini-Studie „The Automotive Industry in the Era of Sustainability“, für die weltweit mehr als 500 Führungskräfte aus Automobilunternehmen und 300 Nachhaltigkeitsexperten befragt wurden, verfügen 62% der Automobilunternehmen bereits über eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie und ist die Branche bei der Erfüllung globaler Nachhaltigkeitsstandards den Unternehmen aus anderen Sparten voraus.

Die Studie zeigt allerdings auch, dass die Umsetzung häufig noch keinem ganzheitlichen Ansatz folgt. So haben von den 74% der Automobilhersteller, die eine Elektrofahrzeugstrategie verfolgen, nur 56% eine solche als Teil ihrer Nachhaltigkeitsstrategie verankert. Darüber hinaus reichen die Investitions- und Umsetzungsniveaus sowie die Steuerung der Nachhaltigkeit noch nicht aus, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Die Studie zeigt außerdem, dass die Automobilindustrie bei ihren derzeitigen Investitionen einen Rückstand von 20% aufholen muss, um die festgelegten internationalen Klimaziele zu erreichen. Zudem können nur neun Prozent der analysierten Automobilunternehmen als „leistungsstarke Nachhaltigkeitsführer“ eingestuft werden, 91% haben die Reife noch nicht erreicht und 26% von ihnen gelten als „Nachzügler“.

Nachholbedarf gibt es auch beim Thema Unternehmensführung, denn nur 44% der Unternehmen verfügen über ein zentrales Gremium, das sich der Überwachung von Nachhaltigkeitszielen widmet, und 45% geben ihren wichtigsten Führungskräften spezielle Ziele vor. Insgesamt haben nur 19% mindestens vier quantifizierbare Ziele, die auf Bereiche ausgerichtet sind, die sich am stärksten auf die Nachhaltigkeitsleistung auswirken (wie z.B. Abfallrecycling, Frischwasserverbrauch und ethische Arbeitsrichtlinien).

Damit Automobilunternehmen die internationalen Nachhaltigkeitsziele wie das Pariser Klimaabkommen oder den neuen europäischen „Green Deal“ erreichen, sind zusätzlich zu den derzeitigen Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in Elektrofahrzeuge und Mobilitätsdienstleistungen weitere geschätzte 50 Mrd. USD (rund 53 Mrd. €) notwendig. „Damit sich die Automobilbranche zu einer nachhaltigen und umweltfreundlicheren Industrie entwickeln kann, müssen Autofirmen das tatsächliche Potenzial von Elektrofahrzeugen ausschöpfen und Nachhaltigkeit im Unternehmen verankern.

Darüber hinaus gilt es, stärker in die Kreislaufwirtschaft zu investieren, um von Kostenvorteilen und der Wiedervertertung von Ressourcen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu profitieren“, sagt Jacqueline Wild, Head of Practices and Innovation bei Capgemini Österreich. Die Expertin weiter: „Nachhaltigkeit ist für Automobilhersteller heute ein Muss und kann mit dem richtigen Ansatz gleichzeitig zum Differenzierungsfaktor werden. Wer es schafft, ein schlüssiges Gesamtkonzept zu entwickeln und dieses auch authentisch kommuniziert, wird von den Mobilitätskunden durch Akzeptanz und Erfolg belohnt.“ (jz)

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