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Neue Studie: Schleudern Zulieferer in die Krise? © Shutterstock
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Redaktion 13.12.2019

Neue Studie: Schleudern Zulieferer in die Krise?

Die Studie „Restructuring Score” von A.T. Kearney warnt vor einer möglichen Krise bei Autozulieferern.

••• Von Jürgen Zacharias

Als im Jahr 2009 die beiden Hypothekengiganten Fannie Mae und Freddie Mac immer mehr und mehr Geld brauchten und in der Folge die Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrach, ahnte noch kaum jemand etwas von den Folgewirkungen. Sicherlich, dass damit die Weltwirtschaft ordentlich in Schieflage geraten würde, stand damals wohl auch für die größten Optimisten zu befürchten. Aber dass in der Folge die Zeiten zwischen Aufschwüngen und Abschwüngen immer enger werden und die Stabilität früherer Jahre möglicherweise unwiderbringlich verloren geht, kommt so doch überraschend.

2019 ist es nun scheinbar wieder einmal so weit: Befeuert durch Donald Trumps aggressive Handelspolitik und das politische Chaos in Großbritannien und vielen anderen Ländern, geht es wieder abwärts. Experten erwarten für das kommende Jahr „the next big thing” – die nächste große Wirtschaftskrise – und die Automobilindustrie und deren Zulieferer scheinen die Vorboten schon jetzt zu spüren.

Auch Österreich betroffen

Nachdem viele Hersteller bereits längere Zeit vor einem Abschwung der Weltwirtschaft warnen und zuletzt teils Tausende Mitarbeiter gekündigt und die Schichten in ihren Werken zurückgefahren haben, warnt nun die internationale Unternehmensberatung A.T. Kearney in ihrer aktuellen Studie „Restructuring Score” vor einer möglichen Krise im Maschinenbau. Diese treffe zum Teil auch die heimische Automobilindustrie mit ihren 210.000 Beschäftigten, so A.T. Kearney. Laut den Experten weist jedenfalls knapp die Hälfte aller analysierten Automobilzulieferer bereits Krisenmerkmale auf.

Der in der Studie ermittelte Score erfasst, wie stark die sich verschlechternde gesamtwirtschaftliche Situation bereits bei den Unternehmen angekommen ist und wie diese die finanzielle Performance beeinflusst.
Analysiert wurden individuelle Finanzdaten von mehr als 1.000 europäischen Unternehmen mit einem Umsatz von jeweils über einer Mrd. USD (rund 902 Mio. €). Das Ergebnis wird dann als zentraler Kennwert abgebildet – der „Restructuring Score”.

Kein einheitliches Gesamtbild

In den meisten Branchen verschlechtern sich die Werte, so auch in wirtschaftlichen Schlüsselindustrien wie der Autoindustrie. Unter den Maschinenbauern hat sich der Anteil an Unternehmen mit deutlichen Krisensymptomen von 9 auf 14% erhöht. Auch im Vergleich zu anderen Bereichen des Automobil-, Industriegüter- und -dienstleistungssektors werden sie deutlich schwächer bewertet.

„Das Bild bei den Automobilzulieferern ist dagegen noch nicht ganz so einheitlich. Der Restrukturierungsscore konnte sich zwar bis Juli 2019 von 2,42 auf 2,14 verbessern, hat sich seitdem jedoch wieder verschlechtert. Einerseits weist knapp die Hälfte aller analysierten Automobilzulieferer Krisenmerkmale auf, andererseits kann die andere Hälfte weiterhin als gesund betrachtet werden”, erklärt Nils Kuhlwein, Partner und Managing Director der A.T. Kearney Restructuring GmbH.
Ein Blick auf die österreichischen Maschinenbauunternehmen zeigt, dass die Betriebe sich zwar in den vergangenen Monaten leicht verbessern konnten, jedoch weiter deutliche Krisensignale aufweisen. Weiters zeigen auch Unternehmen aus den Bereichen Elektrisches Equipment und Nahrungsmittelherstellung ähnliche Krisenmerkmale.

Keine Rezession zu erwarten

Viele Unternehmen profitieren noch immer von Aufträgen aus den vergangenen Jahren und können daher Verschlechterungen in ihren Finanzdaten ausgleichen. Dennoch ist die Branche überdurchschnittlich anfällig für regionale und globale konjunkturelle Änderungen, wie dem Brexit oder dem Handelsstreit zwischen den USA und China. Auch die sich weiter verschärfenden Klimadiskussionen wirken sich belastend auf die Automobilabsätze aus.

Von diesen Entwicklungen konnten sich bis Sommer 2019 lediglich Unternehmen im Gesundheits- sowie im Finanzdienstleistungssektor abheben; alle anderen Industrien (Energie; Kommunikation, Medien & Technologie; Konsumgüter und Handel; Automobil, Industriegüter und -dienstleistungen) blieben auf gleichem Niveau oder verschlechterten sich.
„Die Ergebnisse muss man also differenziert betrachten. Manch mediales Untergangsszenario scheint aktuell übertrieben, noch spiegelt sich die Situation nicht in Gänze in den Kapitalmarktdaten wider”, resümiert Kuhlwein. Nachsatz: „Man kann also sagen: Krisenanzeichen ja – Rezession nein.”

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