AUTOMOTIVE BUSINESS
Risiko: Hacker könnten Autos ins Visier nehmen © Panthermedia.net/Sasun Buxdaryan
© Panthermedia.net/Sasun Buxdaryan

Redaktion 02.10.2020

Risiko: Hacker könnten Autos ins Visier nehmen

Immer mehr Autos kommunizieren miteinander. Die Gefahr: Hacker könnten dazwischenfunken.

••• Von Jürgen Zacharias

Wir sind gerade auf die Autobahn aufgefahren, geben am Beschleunigungsstreifen Gas, aber plötzlich geht nichts mehr. Das Fahrzeug rollt langsam aus, kommt dann am Pannenstreifen ganz zum Stillstand. Die Klimaanlage dreht auf Anschlag, das Radio wechselt den Sender, und am Navigationsbildschirm leuchtet eine völlig neue Route auf. Ein Defekt? Möglich! Denkbar ist aber auch, dass sich Hacker über das Infotainment-System Zugang zur Kontrolleinheit des Fahrzeugs verschafft haben und den Wagen nun aus der Entfernung über ihre Computer steuern. Der Verdacht verhärtet sich, als das Auto langsam wieder beschleunigt, während wir hilflos am Steuer sitzen.

Zahl der Fahrzeuge steigt

Science Fiction? Nicht, wenn es nach Klaus-Peter Röhler, Vorstand der Allianz SE und Vorstandsvorsitzender der Allianz Deutschland AG, geht: „Neben dem Logistik- und Energiesektor könnte das vernetzte Auto künftig eines der Hauptziele der Internet-Kriminalität werden”, so der Manager.

Das Risiko jedenfalls steige mit der Anzahl der vernetzten Fahrzeuge, die in Europa von 37 Mio. Pkw im Jahr 2018 auf voraussichtlich 110 Mio. Fahrzeuge im Jahr 2023 steigen dürfte. Die Risikoszenarien für Angriffe durch Hacker reichen vom digitalen Fahrzeugdiebstahl, über Unfallgefahren nach Hacker-Attacken bis hin zu Erpressungen nach einer feindlichen Übernahme des Kfz-Steuerungssystems. Gefahr droht außerdem vom „Virtuellen Autoschlüssel”, der eigentlich das komfortable Öffnen und Starten des Autos via Smartphone möglich machen soll.

Gefahr für autonomes Fahren

Während angesichts der immer vernetzteren Fahrzeuge und speziell für Autos entwickelten Betriebssysteme Experten von „Smartphones auf vier Rädern” sprechen, zählte Upstream Security – ein israelisches Cybersecurity-Start-up – im vergangenen Jahr bereits mehr als 100 gelungene Hackerangriffe im Autobereich.

Lohnenswert könnte für Angreifer in Zukunft auch die Möglichkeit sein, durch digitale Einbrüche in Autos die Daten der Fahrzeugbesitzer abzugreifen. Eine Gefahr geht durch Hacker­angriffe außerdem für das autonome Fahren aus. Wenn Hacker den Verkehr nach ihren Gutdünken beeinflussen können, würde dass wohl das Anfang vom Ende der Roboterautos sein.

Europäische Lösung gefordert

Angesichts der Herausforderungen, vor denen die Industrie und die Versicherungswirtschaft bezüglich des Umgangs mit Hacker­angriffen stehen, forderte die Allianz anlässlich des kürzlich stattgefundenen Allianz Autotages eine europäische Lösung für ein branchenübergreifendes „Automotive Security Information Center”. Dieses sollte durch gebündelte Kompetenzen in Sachen Mobilität auf IT-Sicherheitsbedrohungen vorbereitet sein und zu deren erfolgreicher Bewältigung beitragen.

Cyberangriffe sollten zudem bei einem unabhängigen Datentreuhänder ohne personenbezogene Informationen und datenschutzkonform erfasst werden, um die erforderlichen Nachweise und Schutzmechanismen zu verbessern und künftige Schäden zu vermeiden.
„Wir haben es mit einer Bedrohung zu tun, die weder an Unternehmens- noch an Landesgrenzen haltmacht, und wir sind der Überzeugung, dass ein solches Center Daten und Kompetenzen verschiedener Institutionen zusammenführen muss, unter anderem Regierungsbehörden, Fahrzeughersteller, Automobilzulieferer, Telekommunikationsbetreiber, Forschungseinrichtungen, Reparaturbetriebe und Versicherer”, so Röhler abschließend.

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