AUTOMOTIVE BUSINESS
„Situation ist dramatisch“ © Michael Alschner

Ferdinand O. Fischer ist Motorradhändler und Sprecher des Zweiradhandels.

© Michael Alschner

Ferdinand O. Fischer ist Motorradhändler und Sprecher des Zweiradhandels.

Jürgen Zacharias 25.06.2020

„Situation ist dramatisch“

Umfrage des Zweiradhandels zeigt kritische wirtschaftliche Situation – ohne dringende Unterstützung durch die Regierung drohen Insolvenzen.

WIEN. Der Fachausschuss des Zweiradhandels in der WKO hat eine große Umfrage unter seinen Mitgliedsbetrieben durchgeführt. Das Ergebnis zeichnet ein dramatisches Bild: Vom 1. Jänner bis 31. Mai verzeichneten die Zweiradhändler mit durchschnittlichen 42,5 Prozent Rückgang einen drastischen Einbruch. Ferdinand O. Fischer, Motorradhändler und Sprecher des Zweiradhandels, fordert deshalb dringend bessere Unterstützung für den Fortbestand der Branche.
 
„Im Moment hat man den Eindruck, dass es in Österreich nur Tourismus, Gastronomie, Kunst und Land- und Forstwirtschaft gibt, die förderungswürdig sind. Dem halte ich entschieden entgegen, dass der Zweiradhandel Teil des KFZ-Handels ist, der im Jahr rund 45 Mrd. Euro Umsatz macht, damit elf Prozent des österreichischen BIP erwirtschaftet und ca. 450.000 Menschen Beschäftigung gibt. Angesichts dieser Zahlen ist es nicht nachvollziehbar, warum man mit uns noch nicht einmal substanzielle Gespräche führt um damit viele Betriebe, die zum Teil bereits seit etlichen Jahrzehnten bestehen, vor der Insolvenz zu retten!“, so Fischer.
 
Entgegen der wiederholten Ankündigungen der Regierung, dass bereits viel an finanzieller Unterstützung geflossen sei, sind laut Umfrage, mit Ausnahme des Härtefallfonds I, bislang entweder keine oder nur Minimalbeträge bei den Firmen angekommen. „In diesem Zusammenhang kocht die Seele der Unternehmer dieses Landes immer mehr auf, und das gilt wohl nicht nur für die Zweiradhändler. Denn sie hören zwar täglich, wieviel Geld schon ausbezahlt worden sei, aber mit Blick auf ihre leeren Konten warten sie dabei vergeblich auf einen Geldeingang seitens des Staates“, bemängelt Fischer.
 
Der Sprecher des Zweiradhandels fordert daher eine Änderung des Beobachtungszeitraums für die Bestimmung des Prozentsatzes des Fixkostenzuschusses auf die Länge der COVID-19-Maßnahme, eine Verlängerung des Fixkostenzuschusses aufgrund der Saisonalität der Branche von sechs auf mindestens neun Monate und eine Ausdehnung der Kurzarbeit von September bis März 2021 anstatt von Juni bis August.
 
Während 40 bis 50 Prozent der Motorrad- und Mopedhändler durchaus positive Zukunftsaussichten haben, gibt es bei 25–35 Prozent Vorbehalte, abhängig von der noch ausstehenden staatlichen Unterstützung. Allerdings steht auch ein gutes Viertel der Befragten vor dem wirtschaftlichen Aus: „20-30 Prozent der Kollegen stehen schon jetzt, noch bevor der Winter kommt, mit dem Rücken zur Wand. Auch deshalb hoffen wir, dass der Gesetzgeber jetzt endlich rasch handelt und hilft!“, resümiert Fischer. (jz)

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