AUTOMOTIVE BUSINESS
„Uns eilt bei Pick-ups ein positiver Ruf voraus” © Mitsubishi/Christian Houdek
© Mitsubishi/Christian Houdek

Jürgen Zacharias 15.06.2018

„Uns eilt bei Pick-ups ein positiver Ruf voraus”

medianet automotive im Gespräch mit Mitsubishi Österreich-Geschäftsführer Andreas Kostelecky.

••• Von Jürgen Zacharias

Als Andreas Kostelecky Anfang Jänner 2015 bei Mitsubishi Österreich als Geschäftsführer antrat, brachte es die Marke hierzulande auf 3.487 Neuzulassungen. Im Vorjahr waren es bereits knapp 4.000 und heuer soll sogar die 5.000er-Hürde übersprungen werden, wie Kostelecky im media­net-Interview verrät.


medianet:
Herr Kostelecky, nachdem Mitsubishi 2017 in Österreich um dreizehn Prozent zulegen konnte, weist die Statistik mit Ende April ein Plus von 20 Prozent aus. Wird es in ähnlicher Tonart weitergehen?
Andreas Kostelecky: Wir schöpfen den Markt momentan sehr gut aus. Mit unserer aktuellen Modellpalette haben wir realistisch gesehen ein Potenzial von rund 5.000 Autos, das wir heuer mit etwa 5.300 vermutlich leicht übertreffen werden. In den nächsten drei Jahren wollen wir auf diesem Niveau bleiben.

medianet:
Und dann?
Kostelecky: Dann soll es weiter aufwärtsgehen, Mitsubishi will in den kommenden Jahren als Teil der Renault-Nissan-Allianz auch in Europa wachsen. Ziel ist es, bis 2020 von aktuell 170.000 Fahrzeugen auf 200.000 zuzulegen, und dazu wollen wir natürlich unseren Beitrag leisten. Wir waren im Kalenderjahr 2017 in absoluten Zahlen das neunterfolgreichste europäische Land im Konzern. Um das einordnen zu können: Mitsubishi liegt in Europa knapp unter ein Prozent Marktanteil, und wir in Österreich sind im Pkw-Bereich zwischen 1,3 und 1,5 Prozent.

medianet:
Und wie sieht das im Pick-up-Bereich aus, wo Mitsubishi traditionell sehr stark ist?
Kostelecky: Da liegen wir deutlich besser und sind in den vergangenen Jahren in Österreich immer auf einem Stockerlplatz gelandet. Dabei kommt uns zugute, dass wir langjährige Händlerpartner haben, die Pick-ups auch verkaufen können. Das ist nicht so einfach, Kunden haben in diesem Bereich sehr spezielle Wünsche und Bedürfnisse.

 

medianet: Wie sehr profitiert Mitsubishi von seiner langen Pick-up-Tradition?
Kostelecky: Sehr. Uns eilt bei Pick-ups ein sehr positiver Ruf voraus, der dann noch dadurch verstärkt wird, dass wir eine hervorragende Allradtechnologie anbieten. Damit liegen wir mit unserem Produkt sehr gut, auch wenn die Anzahl der Anbieter im Segment steigt. Auf der Angebotsseite verändert sich der Markt immer mehr zwischen Working Level und dem stärker werdenden oberen Segment. Wir verkaufen mittlerweile sehr viel vollausgestattete Fahrzeuge, das Segment ist auch in den Chef­büros salonfähig geworden.

medianet:
Widerspricht diese Entwicklung dem Trend zum Downsizing?
Kostelecky: Der Pick-up-Markt ist ein spezielles Segment mit rund 5.000 Autos im Jahr, eigenen Trends und Entwicklungen. Und Downsizing ist dabei praktisch kein Thema. Im Gegenteil, bei Pick-ups verkaufen wir im Schnitt pro Auto spezielles Zubehör im Wert von rund 2.200 Euro.

medianet:
Inwieweit sind die aktuellen Erfolge auf die Feierlichkeiten zu ‚40 Jahre Mitsubishi in Österreich' zurückzuführen? Im Zuge dessen wurden ja auch einige Sonderaktionen und Jubiläumsmodelle gelauncht …
Kostelecky: Wir haben im vergangenen Jahr schon ‚100 Jahre Mitsubishi als Automobilhersteller' gefeiert und aus diesem Anlass erfolgreich begonnen, Sondermodelle aufzulegen. Deshalb sind wir auch heuer mit dem ASX ‚Vision 40' und dem Outlander ‚40' wieder in die Sondermodell-Schiene gegangen. Parallel dazu haben wir den Ökobonus bis zu 7.000 Euro verlängert, für den wir uns wie viele andere Marken im vergangenen Jahr entschieden haben, und ergänzend dazu bieten wir auch einen Finanzierungsbonus an. Vor diesem Hintergrund haben wir mit dem Space Star ab 7.990 Euro das beste Angebot auf dem Markt, das uns natürlich hilft, Stückzahlen zu machen.

medianet:
Ist der ‚Space Star' hauptverantwortlich für die erwähnten Absatzzuwächse?
Kostelecky: Beim Space Star haben wir lange gebraucht, um Volumen zu machen, konnten dann im vergangenen Jahr aber erstmals mehr als 1.000 Stück verkaufen und werden heuer nochmals zulegen. Was der Marke durch seine Design-Orientierung aber auch sehr hilft, ist der Eclipse Cross, und unsere dritte große Stütze ist das Thema Plug-in-Hybrid EV inklusive 4WD beim Modell Outlander, das durch das sehr kleine Segment zwar schwierig ins Volumen zu bringen ist, aber uns im Image-Bereich immens weiterbringt.

medianet:
Bleiben wir bei alternativen Antrieben: Wie entwickelt sich dieser Bereich bei Mitsubishi?
Kostelecky: Der Outlander Plug-in-Hybrid EV inklusive 4WD ist unsere Antwort im Bereich alternative Antriebe und wir tun sehr viel dafür, mehr Autos auf die Straße zu bringen. Wie klein der Bereich hierzulande aber noch immer ist, zeigt die Tatsache, dass wir mit rund 100 verkauften Fahrzeugen auf Platz 4 im PHEV-Segment liegen. ­Heuer wollen wir uns auf 200 Fahrzeuge steigern.

medianet:
Lohnt sich bei derartigen Stückzahlen der Aufwand oder ist das vielmehr als Investition in die Zukunft und Imagesache zu verstehen?
Kostelecky: Mitsubishi ist der meistverkauften Plug-in-Hybrid-Hersteller Europas, das Engagement zahlt sich für den Hersteller also in jedem Fall aus. Bei uns in Österreich ist die Situation mit nur 100 verkauften Fahrzeugen natürlich schwieriger. Wir haben allerdings sehr stark daran gearbeitet, den Outlander Plug-in-Hybrid EV inklusive 4WD als unser Flaggschiff zu positionieren und nun müssen wir dieses Topmodell eben ins Volumen bringen.

 

medianet: Haben Sie eine Erklärung dafür, warum der Markt so schwer auf Touren kommt?
Kostelecky: Da ist sicher die geringe öffentliche E-Lade­infrastruktur ein Thema, die nur sehr schleppend vorankommt. Entscheidend ist aber sicher auch, dass der Plug-in-Hybrid bislang vor allem in den hohen und damit teureren Fahrzeugklassen angeboten wird, und ganz sicher spielt auch die immer noch überschaubare elektrische Reichweite eine Rolle.

medianet: Wäre bei dem Thema auch die Politik mehr gefordert, um etwa die E-Lade­infrastruktur rascher auszubauen?
Kostelecky: Bei der E-Infrastruktur ja, den anderen Job müssen aber schon wir machen. Es wäre zu billig, sich auf die Politik auszureden, wobei uns Kleinigkeiten wie die Freigabe der Busspur für Plug-in-Hybride und Elektrofahrzeuge und die Ausweitung des reduzierten Zurechnungsbetrags auf Plug-in-Hybride, die im Alltag meist nur elektrisch gefahren werden, natürlich enorm helfen würden. Dies würde den Marktdurchbruch deutlich beschleunigen.

medianet:
Welches Zukunftsthema beschäftigt Sie darüber hinaus?
Kostelecky: Aktuell vor allem unsere neue stylishe, moderne CI, die wir noch in diesen Jahren bei unseren Händlern einführen werden. Damit soll das Erscheinungsbild des Handels gehoben und dem Design und der Qualität unserer Modelle angepasst werden. Aktuell werden wir als sehr brave Marke wahrgenommen. Mit der Umstellung wollen wir etwas frecher werden, verstärkt Neukunden ansprechen und schon jetzt für optimale Rahmenbedingungen für den für 2020 und 2021 erwarteten Wachstumssprung sorgen.

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