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VW wird zum Software-Entwickler © Volkswagen

VW will über die digitale Plattform in Zukunft den Austausch von Daten zwischen den Smartphones oder Tablets der Kunden sowie Anwendungen im Auto, vom Hersteller, von Händlern und weiteren Dienstleistern fördern und unterstützen.

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VW will über die digitale Plattform in Zukunft den Austausch von Daten zwischen den Smartphones oder Tablets der Kunden sowie Anwendungen im Auto, vom Hersteller, von Händlern und weiteren Dienstleistern fördern und unterstützen.

Jürgen Zacharias 25.06.2020

VW wird zum Software-Entwickler

Der deutsche Automobilhersteller will bis 2024 eine eigenes Auto-Betriebssystem für alle Fahrzeuge seiner Marken entwickeln.

WOLFSBURG. Die Software-Einheit von Volkswagen steht nach monatelanger Vorbereitung vor dem Start: Mit 1. Juli soll die Entwicklung einer eigenen Digital-Plattform für alle Marken im Konzern beginnen. Diese bildet den Kern eines Auto-Betriebssystems, das bis 2024 voll ausgearbeitet sein soll.

VW will die „komplette Fahrzeugarchitektur“ inklusive Elektronik dabei selbst kontrollieren, wie Digitalvorstand Christian Senger erklärte. Man bleibe aber offen für Partnerschaften, Joint Ventures oder Beteiligungen. In den kommenden Jahren will die neue Konzerneinheit mehr als sieben Milliarden Euro ausgeben. Es gebe Anfragen von außen, sagte Senger. „Was wir aber nicht wollen, ist, dass jeder sein eigenes Ding mitbringen und umsetzen kann. Wir bestimmen die Architektur.” Die Plattform selbst werde eine Entwicklung der eigenen Experten sein.

Die steigende Bedeutung von Software macht die Industrie abhängiger von den IT-Riesen – viele Unternehmen versuchen daher, ihre Kompetenz zu erweitern und das Fachpersonal entsprechend aufzustocken. Die „Car.Software“-Organisation bei VW soll nach bisherigen Plänen bis 2025 über 10.000 Experten umfassen, bis zum Ende des laufenden Jahres könnten es schon 5.000 Mitarbeiter sein. Ziel ist es, mehr Systeme in Eigenregie zu programmieren und so die Wertschöpfung zu vergrößern. Der Anteil soll von weniger als 10 auf mehr als 60 Prozent wachsen.

Man habe „die 100-prozentige Überzeugung“, möglichst viel selbst machen zu wollen, so Senger. Volkswagen setze dabei auf „eine selbst definierte Architektur mit klaren Schnittstellen, die regional unterschiedliche Module möglich macht und die vom Kleinwagen bis zur Premiumlimousine skalierbar ist“. Nicht alle Autobauer dürften bald Eigenentwicklungen haben, schätzt Senger: „Es wird in Zukunft wahrscheinlich weltweit weniger Betriebssysteme fürs Auto geben, als es Autohersteller gibt.“ Der Wettbewerb um die nötigen Experten sei in der Branche groß.

Der Ausbau der Software-Entwicklung gehört zu den strategischen Schwerpunkten von Konzernchef Herbert Diess. Zuletzt war allerdings auch deutlich geworden, dass viele der neuen Systeme einen bisher ungekannten Komplexitätsgrad haben. Beim Elektroauto ID.3 gibt es einen zunächst etwas abgespeckten Umfang an Funktionen, beim Golf 8 kam es zu Verzögerungen in der Produktion. (jz)

 

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