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Zweiradbranche in der Krise Triste Aussichten: Viele Zweiradhändler sehen die aktuelle wirtschaftliche Situation pessimistisch bis verzweifelt.

© Michael Alschner

Triste Aussichten: Viele Zweiradhändler sehen die aktuelle wirtschaftliche Situation pessimistisch bis verzweifelt.

© Michael Alschner

Redaktion 14.05.2020

Zweiradbranche in der Krise

Die Corona-Krise beschert dem Zweiradhandel drastische Umsatzeinbrüche, Sprecher Ferdinand O. Fischer fordert daher nun mehr staatliche Unterstützung.

WIEN. Der Zweiradhandel ist durch die angeordneten Schließungen im Rahmen der Covid-19-Maßnahmen in eine prekäre Situation geraten: Da 70 bis 80 Prozent des Geschäfts zwischen Mitte März bis Mitte Juni gemacht wird, fordert der Sprecher des Zweiradhandels, Ferdinand O. Fischer dringend bessere Unterstützung. „Einer aktuellen Umfrage zufolge verzeichnen mehr als zwei Drittel der Händler maßgebliche wirtschaftlichen Einbußen. Der Rückgang des IST-Jahresumsatzes vom 1. Jänner bis 25. April beträgt bei weit über einem Drittel der Händler 45 bis 65 Prozent und bei knapp einem Drittel gar über 65 Prozent.“

Bis Jahresende wird sich an diesen Prognosen wohl wenig ändern: Für die Umsätze bis Jahresende gehen aktuell 13,5 Prozent der Händler von einem Gesamtrückgang von 55 bis 65 Prozent aus, knapp 30 Prozent rechnet mit einem Minus von 45 bis 55 Prozent. Weitere 30 Prozent glauben, dass die Einbußen zwischen 35 und 45 Prozent liegen werden.
 
Bislang haben 60 Prozent der Händler für ihre Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt, wobei hierzu laut Umfrage einigen Unternehmern noch immer die Bestätigung vom AMS fehlt. Von den 42 Prozent, die den Härtefonds beantragt haben, haben immerhin 62 Prozent bislang noch keine Zusage oder schon eine Ablehnung bekommen. 21 Prozent haben den Corona-Hilfsfonds beantragt: „Hier ist zu erwarten, dass noch viele Händler einreichen werden, wenn die Bedingungen verbessert werden und sich die Banken geschmeidiger verhalten, was in 17 Prozent der aktuellen Einreichungen leider nicht der Fall ist. Acht Prozent der Anträge sind überhaupt schon abgelehnt worden“, erläutert Fischer. „Liquidität ist das Gebot der Stunde, aber bei den wenigsten ist bis dato Geld geflossen.“
 
Die Einschätzung, die Krise unbeschadet zu überstehen, sind aktuell nicht gut: Knapp ein Drittel sieht die Lage eher pessimistisch, deutlich mehr als ein Drittel sagt, dass es darauf ankommen wird, welche Unterstützungen durch den Staat effektiv erfolgen werden. Elf Prozent geben an, dass die Lage ziemlich aussichtslos sei, immerhin 19 Prozent schauen der Zukunft eher optimistisch entgegen.

Um die Situation zu verbessern, fordert der Zweiradhandel von der Regierung neben erweiterten Zugangskriterien für den Härtefonds auch eine raschere Entscheidung über Kurzarbeits-Anträge und eine Möglichkeit zur Verlängerung der Kurzarbeit bis zum Beginn der kommenden Zweiradsaison am 15. März 2021. Zudem müsse beim Corona-Hilfsfonds die Deckelung des Zuschusses mit den Fixkosten für die Zeit der COVID-19-Maßnahme deutlich ausgeweitet, die Rückzahlungsfrist des Kredits von fünf auf mindestens zehn Jahre ausgedehnt und die Vergabe der Kredite durch die Banken einfacher und unbürokratischer gestaltet werden. 

Fischer abschließend: „Wer schnell hilft, hilft doppelt. Davon kann derzeit leider keine Rede sein. Die Lage ist äußerst schwierig, wir hoffen aber auf die Treue unserer Kunden und dass die Regierung auf unsere Nöte eingeht und nachbessert. Aber eines gilt in jedem Fall: wir kämpfen weiter, denn: Aufgegeben wird nur ein Brief.“ (red)

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