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Mit lautem Hurra in unsichere Gewässer © APA/AFP/Olivier Morin
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Mit lautem Hurra in unsichere Gewässer

Coface-Studien: Das globale wirtschaftliche Umfeld wird schwieriger – die Stimmung ist aber weiter positiv.

••• Von Reinhard Krémer

Die Geschäftsmoral ist durch einen Sommer mit vielen politischen Unsicherheiten auf der ganzen Welt gekennzeichnet. Es ist wahrscheinlich, dass 2020 ein Jahr der wirtschaftlichen Verlangsamung werden wird, so der Kreditversicherer Coface in einer aktuellen Analyse der Weltwirtschaft.

Die argentinische Währungskrise, große Demonstrationen in Hongkong und Russland, Brexit, der Angriff auf Ölanlagen in Saudi-Arabien: Das sind nur einige der vielen Ereignisse, die das dritte Quartal 2019 geprägt haben. Probleme machen die zunehmende politische Unsicherheit, verbunden mit dem Rückgang des Welthandelsvolumens.

Die Troublemaker

Auch die hohe Volatilität der Ölpreise und der Rückgang der Automobilverkäufe in Europa und China hat die Zuversicht der Unternehmen weiter beeinträchtigt.

Die europäischen Volkswirtschaften entwickeln sich derzeit mit zwei Geschwindigkeiten, so Coface: Einige sind besonders von der globalen Industrie und dem globalen Handel abhängig (Deutschland) und/oder werden durch innenpolitische Unsicherheiten benachteiligt (Italien, Großbritannien), während die französische, spanische und niederländische Wirtschaft widerstandsfähiger erscheinen.
Insgesamt geht Coface aufgrund dieser weitverbreiteten politischen Instabilität davon aus, dass das Jahr 2020 von einer konjunkturellen Verlangsamung geprägt sein wird, wobei weiterhin viele positive Signale zu erkennen sind, die darauf hindeuten, dass ein Weckruf stattfindet und dass Regierungen und Zentralbanken dafür mobilisiert werden.

CEE wächst weiter …

Die Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren in Zentral- und Osteuropa verbessert. 2017 und 2018 stieg das BIP-Wachstum in der Region auf 4,6% bzw. 4,3% – dies sind die höchsten Werte seit 2008. „Diese Beschleunigung der Wirtschaft ist vor allem auf die gestiegene Inlandsnachfrage zurückzuführen, insbesondere auf den deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit, von der die Haushalte profitierten. Gleichzeitig wirkte sich auch der starke Lohnanstieg direkt auf den Konsum aus. Neben dem privaten Konsum wurde das Wachstum durch einen Anstieg der öffentlichen und privaten Investitionen gestützt”, erläutert Declan Daly, CEO Coface Central and Eastern Europe.

… Insolvenzen gehen zurück

Die günstigen makroökonomischen Rahmenbedingungen hatten Auswirkungen auf die Zahlungsfähigkeit von Unternehmen in der CEE-Region. Die Insolvenzen sanken im Jahr 2018 um insgesamt 4,2%, im Gegensatz zu einer Zunahme der Verfahren, die im Vorjahr verzeichnet wurden.

Trotz dieser positiven Entwicklung hatten auch die CEE-Unternehmen vermehrt Schwierigkeiten. „Die niedrige Arbeitslosenquote hat zu einem Arbeitskräftemangel geführt, der für die Unternehmen sowohl bei ihrer täglichen Arbeit als auch bei ihrer möglichen Expansion zum Haupthindernis wurde”, so Grzegorz Sielewicz, Regional Economist Central and Eastern Europe.

Privater Konsum treibt

Angebotsengpässe – einschließlich Arbeitskräftemangel, hohe Kapazitätsauslastung, steigende Produktionskosten und direkte und indirekte Auswirkungen der externen Verlangsamung – sind für die Unternehmen von Bedeutung.

Der private Konsum dürfte weiter der wichtigste Wachstumstreiber bleiben, wenngleich die begrenzte Beschleunigung der Investitionen in Anlagevermögen und die geringeren Exporte das BIP-Wachstum dämpfen werden. Österreich ist traditionell sehr eng mit den CEE-Ländern verbunden: Zwölf Prozent der österreichischen Exporte gehen nach Zentral- und Osteuropa, der Import belief sich auf zehn Prozent. „Österreich bleibt einer der bedeutendsten Investoren in CEE. Ihr Anteil in der CEE-Region betrug im vergangenen Jahr 24,5% und war für österreichische Investoren profitabel”, erläutert Michael Tawrowsky, Country Manager Coface Österreich. Die österreichischen CEE-Investoren erzielten fast 30% der gesamten österreichischen FDI-Einnahmen.

Österreich investierte kräftig

Österreich ist nach den Niederlanden und Deutschland der drittgrößte Investor in der CEE-Region; in Slowenien und Kroatien nimmt Österreich die Spitzenpositionen ein.

In Bulgarien und der Slowakei ist es am zweiten Platz und in Ungarn und Rumänien auf dem dritten Platz. Im Westbalkan ist Österreich mit 13% der Aktien nach den Niederlanden der zweitwichtigste Investor.
Die wichtigsten Handelspartner Österreichs bleiben gegenüber den Vorjahren nahezu unverändert: Deutschland liegt mit einem Anteil von 30,2% zum Ende des vergangenen Jahres an der Spitze der wichtigsten Exportmärkte.

Exportdynamik positiv

Darüber hinaus sind die Vereinigten Staaten, Italien, die Schweiz, Frankreich, Großbritannien sowie die CEE-Länder wie Tschechien, Ungarn und Polen wichtige Exportmärkte. Maschinen, Fahrzeuge, verarbeitete Waren und Chemikalien sind die wichtigsten Exportwaren aus Österreich.

„Wir erwarten keinen tiefen Rückgang wichtiger Handelspartner. Die Exportdynamik wird schwächer, ist aber immer noch positiv”, gibt Tawrowsky einen Ausblick.

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