HEALTH ECONOMY
Ärztinnen machen Druck: Ohne sie kippt System © ÖÄK/Stefan Seelig

Umfrage Präsentierten neue Ärztinnen-Studie: Alexandra Siegl, Petra Preiss und Margarethe Hochleitner (v.l.).

© ÖÄK/Stefan Seelig

Umfrage Präsentierten neue Ärztinnen-Studie: Alexandra Siegl, Petra Preiss und Margarethe Hochleitner (v.l.).

Martin Rümmele 08.03.2019

Ärztinnen machen Druck: Ohne sie kippt System

Fast 50% der Ärzte sind Frauen. Will man den Ärztemangel stoppen, braucht es bessere Rahmenbedingungen.

••• Von Martin Rümmele

WIEN. „Die Zeiten haben sich geändert – wir kämpfen heute nicht wegen des Frauentags und der Frauenrechte um bessere Rahmenbedingungen, sondern für das Gesundheitssystem. Gibt es keine akzeptablen Bedingungen für Frauen, wird das System zusammenbröseln. Die Gesellschaft muss erkennen, dass man Ärztinnen entgegenkommt und Arbeitsbedingungen schaffen muss, wo sie ihre Arbeit erfüllen können”, sagt die Innsbrucker Gendermedizin-Professorin Margarethe Hochleitner bei der Präsentation einer Umfrage zu Karrierehemmnissen in der Medizin. Im Auftrag der Ärztekammer wurden Familienplanung und Kinderbetreuung am häufigsten als Hindernis für die Karriere genannt.

Laut der von Peter Hajek Public Opinion Strategies erstellten Studie, in der 2.497 Ärztinnen, das sind 11,3% aller Medizinerinnen, online befragt wurden, sind 33% der Ärztinnen nicht in dem Fachbereich tätig, auf den sie sich ursprünglich spezialisieren wollten. Bei 42% von ihnen war die Familienplanung ausschlaggebend dafür, führte Studienautorin Alexandra Siegl am Mittwoch in einer Pressekonferenz aus.

Familie als Hindernis

Generell waren Familienplanung und Kinderbetreuung das bei Weitem am häufigsten genannte Karrierehindernis: Fast zwei Drittel aller Ärztinnen in Österreich (61%) sehen diese Parameter als Grund dafür, beruflich nicht entsprechend weiterzukommen; danach folgen zu wenig Förderung durch Vorgesetzte (37%), zu wenig Förderung in der Turnusausbildung in relevanten Wissensbereichen (32%), die Bevorzugung von Männern bei interessanten Jobs oder Führungspositionen (31%) sowie der Umstand, dass Ärztinnen generell weniger zugetraut wird als Ärzten (30%, Mehrfachnennungen möglich).

Die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie dürfte mit ein Grund dafür sein, dass deutlich mehr Spitalsärztinnen in den Wahlarztbereich (61% jener, die in Zukunft niedergelassen arbeiten möchten) tendieren als in den Kassenbereich (20%). Erklärt wird das damit, dass auch in Arztfamilien Familienarbeit immer noch vorwiegend Frauenarbeit ist. Demnach gaben 67% der befragten Ärztinnen an, den Großteil der Kinderbetreuung übernommen zu haben; umgekehrt waren es nur sechs Prozent der Männer. Beim Rest, also einem Viertel der Familien, wurde gerecht geteilt.

Auftrag an Spitalsträger

Die Referentin für Gender-Mainstreaming und spezifische Berufs- und Karrieremodelle von Ärztinnen der Ärztekammer und Kärntner Kammerpräsidentin Petra Preiss forderte als Konsequenz aus der Studie, dass Krankenhausbetreiber mit den Gemeinden und Privatinitiativen intensiv zusammenarbeiten sollten, um Spitalsärztinnen eine flexible Kinderbetreuung in ausreichendem Umfang zur Verfügung zu stellen.

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