HEALTH ECONOMY
Generikahersteller fordern neue Preise © Novartis

IndustrieÖsterreich gilt bei Pharmaprodukten als Niedrigpreisland. Das führt nach Ansicht der Hersteller zu Parallelexporten und Liefer­engpässen.

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IndustrieÖsterreich gilt bei Pharmaprodukten als Niedrigpreisland. Das führt nach Ansicht der Hersteller zu Parallelexporten und Liefer­engpässen.

Redaktion N/A

Generikahersteller fordern neue Preise

Lieferengpässe bei Medikamenten haben ihre Ursache im Preisdruck der Kassen, kritisiert der Generikaverband.

••• Von Martin Rümmele

WIEN. Dass nicht jedes Medikament in Österreich jederzeit in uneingeschränkter Menge verfügbar ist, ist spätestens seit dem „Valsartan-Fall” klar, der Patienten und Pharmabranche im Vorjahr aufschreckte. Damals war das Blutdruckmittel nach Verunreinigungen durch die Produktion in Asien lange Zeit nur schwer verfügbar. Der Österreichische Generikaverband (ÖGV) fordert nun eine geänderte Preispolitik und eine noch intensivere Standortförderung, um die Versorgungssicherheit künftig zu erhöhen.

Von Lieferengpässen sind 2019 laut Generikaverband weiterhin Bluthochdruckmittel wie Valsartan, aber auch Kortison, Schmerzmittel, Krebsmedikamente und Krankenhaus-Antibiotika betroffen. Im Vertriebs­einschränkungsregister des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) waren heuer im Herbst rund 230 Medikamente als nicht beziehungsweise eingeschränkt lieferbar gemeldet. Ein Drittel davon seien Generika, erklärt ÖGV-Präsident Wolfgang Andiel. Diese Liste gilt aber als unvollständig: Tatsächlich soll die Zahl der nicht lieferbaren Präparate der Apothekerkammer zufolge mit rund 600 bis 900 Arzneimitteln wesentlich höher sein.

Raschere Information

Um die tatsächliche Lage besser abzubilden, soll die Meldepflicht nun erweitert werden. „Da ist ein Verordnungsentwurf in Begutachtung”, berichtet Andiel. Die neuen Regelungen sollen dann voraussichtlich im ersten Quartal 2020 greifen. „Die frühzeitige Kenntnis davon, wie groß das Problem ist, lässt mehr Reaktionszeit zu”, sagt er aus Sicht der Hersteller. So soll etwa künftig bereits ein Lieferausfall von zwei Wochen meldepflichtig sein; derzeit sind es vier Wochen. Der Generikaverband schlägt zudem vor, auch Ärzte und Krankenhäuser besser in den Informationsfluss einzubinden. Der Arzt „soll gleich auf seinem Bildschirm sehen”, was eingeschränkt lieferbar sei, damit er es erst gar nicht verschreibe, sondern gleich auf die vorhandenen Alternativen zurückgreife. Der Generikaverband hätte aber auch gern bessere Rahmenbedingungen. Dabei lobbyiert er für eine Stärkung der Generika-Produktion in Österreich, aber auch für höhere Medikamentenpreise – vor allem im rezeptpflichtigen, erstattungsfähigen Bereich der „Niedrigpreis-Generika”.

Zu tiefe Preise

Konkret gemeint sind damit Nachahmpräparate, die in der Apotheke weniger als die Rezeptgebühr kosten. „Es geht unter Umständen um Anpassungen von zehn Cent, 15 Cent pro Packung”, wünscht sich der Verband. „Das würde im Niedrigpreissegment für versorgungskritische Medikamente helfen, kontinuierlich im Markt zu arbeiten und zu bleiben”, erklärt Andiel.

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