HEALTH ECONOMY
KI-Forschung hilft © MedUni Wien/Kovic

Gerade im Bereich von Befundungen wächst der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Medizin rasant.

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Gerade im Bereich von Befundungen wächst der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Medizin rasant.

Redaktion N/A

KI-Forschung hilft

Schwerpunkt Diabetes – Teil 4 Wichtige Augenkontrollen können künftig einfach via Roboter gemacht werden.

••• Von Katrin Pfanner

WIEN. Mit einer kleinen Roboterkamera, die via Computer mit dem Internet verbunden ist, können Diabetespatienten in wenigen Minuten erfahren, ob sie eine bisher unbemerkte Netzhauterkrankung haben. So können viele Patienten vor dem Erblinden gerettet werden, erklärten Experten bei einer Pressekonferenz der MedUni Wien. Diabetiker müssen einmal jährlich zu einer bisher aufwendigen Augenuntersuchung.

Technik befundet allein

„Der Roboter macht den Befund ganz alleine”, sagte Ursula Schmidt-Erfurth, Leiterin der Wiener Universitäts-Augenklinik. Patienten müssen sich nur vor eine Kamera setzen, die die Netzhaut fotografiert und von einer zweiten Person bedient wird. „Über eine Cloud kann direkt eine Diagnose gestellt werden – ohne Arzt, ohne Krankenschwester oder eine andere Person, die an Ort und Stelle sein muss”, sagte sie. Denn laut Schmidt-Erfurth könne jeder nach einer kurzen Einschulung das Gerät bedienen. Nach fünf bis zehn Minuten ist dann eine Diagnose fertig.

„Es gibt immer Klassifizierungen, wann eine Erkrankung wie eingestuft wird”, sagte Bianca Gerendas von der Wiener Universitäts-Augenklinik. Entweder werden keine, moderate oder sehbedrohliche Veränderungen festgestellt. „Der Roboter entscheidet sich im Zweifelsfall eher zu einem falsch positiven Ergebnis, damit geht der Patient zum Augenarzt und erhält in jedem Fall eine sichere Diagnostik”, sagte sie. Bei den ersten 450 in Wien untersuchten Personen wäre es nur zu einem Fall gekommen, bei dem ein Arzt eine genauere Diagnostik vorgeschlagen hätte als das Gerät.

Drei Geräte in Österreich

Laut Gerendas darf jeder so untersucht werden, seit einigen Wochen sogar Kinder. „Das Gerät ist seit 2013 in Europa zugelassen und seit 2018 in den USA.” Seit vergangenem Jahr gelte es als eigenständiges diagnostisches System und darf somit offiziell bei Diabetespatienten genutzt werden. Ziel ist es nun, dass die Krankenkassen die Kosten der Untersuchung tragen. Insgesamt drei der rund 20.000 € teuren Geräte mit Künstlicher Intelligenz gibt es bereits in Öster­reich. Je früher eine Diagnose damit gestellt wird, desto früher kann mit einer Behandlung begonnen werden.

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