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Drohen, klagen, einschüchtern
Redaktion N/A

Drohen, klagen, einschüchtern

Parteien und Politiker nehmen immer öfter ­kritische Medien und Journalisten offen ins Visier.

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

HALTET DEN DIEB. Vor wenigen Tagen wurde durch den Leak eines Audiomitschnitts einer Notrufzentrale öffentlich, wie ein Vizepolizeidirektor den Mitarbeiter einer Notrufzentrale niedermacht und ihm mit Disziplinarmaßnahmen drohte, nur weil dieser den Herrn Hofrat am Namen am Telefon nicht gleich erkannte.

Irgendwer publizierte das Audiofile, und die Aufregung war groß; aber nicht über das völlig unangebrachte Verhalten des Vizepolizeipräsidenten, sondern über den Umstand, dass man es gewagt hatte, dieses Verhalten auch öffentlich zu machen.

Das Motto der Politiker: „Haltet den Dieb!”

Ein ähnliches Verhaltensmuster kann man nicht nur seit der sogenannten Ibiza-Affäre auch bei ­etlichen heimischen Politikern erkennen.

Kaum wird ein Missstand publik, stürzt sich die PR-Abteilung der betroffenen Partei auf das Medium, welches das Fehlverhalten aufgedeckt hat, und die dort arbeitenden Journalisten, um nur eines zu erreichen: abzulenken von den eigenen Umtrieben.
Und nun hat sich mit dem ehemaligen Bundeskanzler Sebastian Kurz auch ein Top-Politiker des Landes in das Spalier jener eingereiht, die durch gezielte, öffentlich ausgesprochene Warnungen gegen Medien drohen, alles und jeden zu klagen, der etwa in Bezug auf geleakte Mails Politikerinnen und Politiker der ÖVP in die Nähe von strafrechtlichem Verhalten rückt.

Danke für den Hinweis, aber nein danke

Hinweise dieser Art sind nicht notwendig, denn gerade jene Kolleginnen und Kollegen, die in den letzten Monaten mit ihrer Berichterstattung dafür gesorgt hatten, dass all die Machloikes der Politiker ans Licht kommen, arbeiten – im Gegensatz zu genau solchen Politikern – mit großer journalistischer Sorgfalt, verfolgen die Prinzipien redlichen Journalismus und respektieren die Unschuldsvermutung – und all das, während wir gleichzeitig angeblich laut HC Strache die ­größten Huren des Landes sind.

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