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Feminismus im Taka-Tuka-Land
Redaktion N/A

Feminismus im Taka-Tuka-Land

Debatten zur Gleichberechtigung werden umso schwieriger, je untadeliger sie geführt werden.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

ANSPRÜCHE. Pippi Langstrumpf, eigentlich: Inger Nilsson, wurde eben als eine „Woman of the Year 2019” ausgezeichnet. Sie habe „als freche, rotbezopfte Rebellin Generationen geprägt”. Nun, sie hatte ein Pferd – Pippi, nicht Inger –, eine Villa, sie war fit und stark, elterlich ungebunden und, mit einem Koffer voller Gold, materiell vollkommen unabhängig. Ein emanzipiertes Mädchen, ein feministisches Vorbild für Kinder der 70er-Jahre, möchte man meinen. Feministisch … Das hören, so ließ ich mich in einer Diskussion belehren, junge Frauen nicht mehr gern. „Feminismus” schwimme heutzutage im Kontext der Gender-Kampfbegriffe mit.

War es eine Zeit lang der Vorwurf der „kulturmarxistisch-feministischen” Perspektive, der auf Gleichstellung bedachte Frauen in die, zumindest rhetorische, Defensive jagte, ist es heute auch die eigene Anspruchshaltung, die verkompliziert und quält. „Diskriminierungsfrei, inklusiv und intersektional” müsse der feministische Diskurs geführt werden, hieß es etwa im Vorfeld zu Alice Schwarzers Auftritt an der Angewandten. „Die erste österreichische Bundeskanzlerin ist im Sinne der Sichtbarkeit ein wichtiges Zeichen, aber ich würde das nicht als feministischen Erfolg verbuchen”, sagte Schifteh Hashemi, eine der Sprecherinnen des Frauenvolksbegehrens, im Gespräch mit dem Standard. Weiße, privilegierte Frauen, die ihren männlichen Konterparts gleichgestellt werden – das heiße „eben nicht, dass wir damit feministische Ansprüche für alle Frauen erfüllt haben”.
Außerdem macht Feminismus den Sex kaputt. Sagt Philosoph und Autor Slavoj Žižek in einem Feuilletonbeitrag für die NZZ. Darüber zu diskutieren, ist intellektuell unrentabel. Spannend ist, wenn Angehörige der Millennial-Kohorte ähnlich argumentieren.
Viele moderne Feministinnen reiben sich in einer Gemengelage aus Manspreading und Bodyshaming auf, während weniger plakativ darstellbare Debatten zu Gleichberechtigung und gerechterer Gesellschaft leise in Moralismen ersticken. Schade.

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