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Startup-Ambition trifft auf Erfahrung hoch vier © Martina Berger
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Startup-Ambition trifft auf Erfahrung hoch vier

Brokkoli im Interview über einen gelungenen Start und die Notwendigkeit der Beratungsleistung von Agenturen.

••• Von Dinko Fejzuli und Laura Schott

Wir waren ein bisserl goschert”, sagen Fred Reiss, Erich Falkner, Patrik Partl und Phil Hewson über ihre Anfänge als Quartett unter dem Namen „Brokkoli” vor einem guten halben Jahr.

Im Frühling wurde sozusagen eine Doppelhochzeit gefeiert: Aus den Agenturen falknereiss und partlhewson und ihren gleichnamigen Eigentümern inklusive Mitarbeitern wurde Brokkoli.
Dass man mit so vielen Jahren Erfahrung schon einmal ein wenig selbstbewusst sein darf, zeigt ihr Resümee der ersten sechs Monate: „Wir wollten angreifen. Und das tun wir auch”, so Fred Reiss. 17 Neugeschäftseinladungen, die vor allem auf Weiterempfehlungen beruhen, seien das Resultat des Brokkoli-Angriffs gewesen. Und einige große Projekte, die Anfang 2020 rauskommen.

Kreative Chefbetreuung

Angegriffen wird nicht über den Preis, sondern über die kreative Beratungsleistung, auf die sich Brokkoli stark fokussiert: „Wir bieten etwas mittlerweile fast Einzigartiges an: High End-Kreativberatung, die von der Produktentwicklung bis zur Kommunikation reicht”, sagt Reiss. „Wir sind 15 erfahrene Spezialisten aus allen Disziplinen und vier Playing Captains. Jeder Kunde bekommt bei jedem Meeting kreative Chefbetreuung”, erklären Partl und Hewson.

Der Schwerpunkt Kreativberatung liegt bei Brokkoli in der Natur der Sache, wurden doch bei der Gründung die zwei Spezialdisziplinen Markenberatung (falknereiss), kreative Markenführung und Content Creation (partlhewson) zusammengeführt. „Die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung wird in Zukunft viele Umsetzungsjobs übernehmen. Wenn man dann keinen kreativen Beratungsmehrwert hat, wird man als Agentur nicht überleben”, sagt Partl.

Notwendigkeit neuer Tools

In diese Kerbe schlägt Brokkoli und betreut seine Kunden nicht erst dann, wenn es um die Werbung geht, sondern bereits sehr viel früher. Die Beratung beginne teilweise schon bei der Produktentwicklung, erklärt Falkner. Zwischen Disziplinen differenziert wird dabei nicht mehr, obwohl mit der Fusion zu Brokkoli unter anderem eine eigene Videocontent-Unit und eine Performance-Unit geschaffen worden sind: „Das sind lauter Tools, die man heute eben braucht und die die Kunden brauchen. Die über 100 Content- und Videoprojekte machen uns aber nicht zu einer Digital- oder Videoagentur.”

Das sei in anderen Branchen nicht anders, erklärt Phil Hewson: „Auch in der Medizinbranche schreitet die Digitalisierung voran, das macht einen Arzt aber noch nicht zu einem Digitalen. Er hat nur neue Tools, die er erlernen und auf die er sich einstellen muss – genau das machen wir auch.”

Kein Gemüse für jedermann

Brokkoli ist bekanntlich gut für den Körper, aber nicht jeder mag ihn. In der Agentur spiegelt sich das in der sehr ehrlichen Beratung ihrer Kunden wider: „Wir sagen dem Kunden, was er hören soll, und nicht, was er hören will”, sagt Partl.

Ob man mit diesem Zugang im ersten halben Jahr auf negative Reaktionen gestoßen sei? Nein, ganz im Gegenteil: „Nicht jeder geht gern zum Arzt, aber wenn ich dann dort bin, will ich ja auch nicht, dass der mir sagt: Suchen Sie sich aus, was Sie am liebsten hätten, und das haben Sie dann.” Die Kunden würden diese Herangehensweise schätzen. „Wir arbeiten immer im Team, hören zu und lösen Probleme. Wir arbeiten nicht für Awardshows, sondern immer für den Erfolg des Kunden. Nichtsdestotrotz gewinnen wir bei genau diesen Shows. Aber eben mit echter, relevanter Kreation”, sagen Partl und Hewson.
„Niemand verrät einem Fremden sein wahres Problem. Dazu muss ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden. Das ist ein extrem wichtiger Teil des Prozesses. Wir überfordern unsere Kunden nicht, sondern geben ihnen die Möglichkeit, uns kennenzulernen. Wenn es dann Lösungen gibt, sind wir schnell und effizient”, erklärt Reiss. „Wir machen mit unseren Kunden Workshops und erarbeiten die Aufgabe gemeinsam. Dadurch wissen beide immer, woran sie sind.”

Sinnhafte Wertschöpfung

Auf Gratispitches verzichtet Brokkoli völlig, sagt Falkner: „Was nichts kostet, ist nichts wert. Manche Agenturen machen so viel, dass sie sich selbst verbrennen.” Aus diesem Grund setzt sich Brokkoli schon seit Langem für faire Pitchverfahren ein und hat dieses Jahr schließlich die ‚Quality Pitch Charta' der IAA mitbegründet, die Unternehmen unter anderem dazu auffordert, nicht mehr als vier Agenturen zu Pitches einzuladen.

Sinnvolle Wertschöpfung ist Brokkoli nicht nur im Pitchverfahren wichtig, sondern auch weiterführend in der Arbeit mit dem Kunden. Für die Bundesimmobiliengesellschaft etwa wurde die Agentur mit der Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts beauftragt. „Wir haben uns überlegt, wie man damit für die Stakeholder und vor allem für die Journalisten einen Mehrwert schaffen kann. Denn wenn wir ehrlich sind, interessiert das unterm Strich nur eine kleine Anzahl an Leuten”, erzählen Partl und Hewson.
Und so entstand der Bericht in Form einer Website, auf der man sich die Inhalte je nach Bedarf selbst zusammenstellen konnte – je nachdem, was der jeweilige Nutzer braucht. Um auch wirklich nachhaltig zu sein, wurde der Bericht nicht gedruckt; dafür entstand neben der Website-Version der weltweit erste hörbare Nachhaltigkeitsbericht.

Der Spaß steht hoch im Kurs

Insgesamt sind Fred Reiss, Erich Falkner, Patrik Partl und Phil Hewson sehr zufrieden mit dem ersten halben Jahr ihrer Zusammenarbeit als Brokkoli. Die Resonanz am Markt sei gut, auch beim Mitbewerb, das Motivationslevel ist hoch – nach kleinen Umstrukturierungen auch bei den Mitarbeitern –, und ganz hoch im Kurs steht bei dem Quartett auch der Spaß an der (Zusammen-)Arbeit. partlhewson kann man übrigens nach wie vor über das Bechertelefon erreichten. Die Agentur wird als Teil des Brokkoli Advertising Networks als Creative Boutique weiterbestehen.

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