•• Von Chris Radda und Georg Sohler
Es muss uns gelingen, den Konsumenten den Wert von Lebensmitteln zu vermitteln“ – für Berglandmilch-Geschäftsführer Josef Braunshofer ist dieser Anspruch aktueller denn je. Denn nach einer Phase hoher Preise sorgt ein steigendes Angebot am Milchmarkt für wachsenden Druck. Im Gespräch mit medianet-Herausgeber Chris Radda erklärt er, wie Österreichs größte Molkerei diese Entwicklung einordnet und darauf reagiert.
Die rund 1.600 Mitarbeitenden inklusive Tochterunternehmen verarbeiten den Rohstoff, den 8.000 Milchlieferanten anliefern – 1,3 Mrd. Kilogramm Milch sind das im Jahr. Damit zählt Berglandmilch zu den zentralen Akteuren am heimischen Milchmarkt. Mit Marken wie Schärdinger, Tirol Milch, Lattella, Landfrisch, Stainzer, Alpi und Jogurella erzielt die eingetragene Genossenschaft einen Jahresumsatz von 1,3 Mrd. € (2024). Vieles von diesem Geld wurde in den letzten fünf Jahren investiert, vor allem in Nachhaltigkeit. Damit ist man von vielem, aber nicht allem, was auf der Welt passiert, abhängig.
Gutes Jahr, viel Milch
Der Markt erlebte vergangenes Jahr nach einer Zeit höherer Preise einen Anstieg der Liefermenge um fünf bis acht Prozent. Der Hintergrund: gutes Wetter und ausreichend Futter – eine sehr außergewöhnliche Situation mit Folgen. „Dieses Mehrangebot hat zu Preisdruck geführt. Ausgehend von Deutschland gingen die Preise hinunter“, so Braunshofer.
Gute Nachrichten gibt es beim Käse. So steigt der Pro-Kopf-Konsum weltweit, sogar in Ländern mit hohem Niveau gibt es Zuwachsraten. Weitere Wachstumssegmente sind der Bereich von High-Protein- sowie Convenience-Produkten. Generell verweist er auf den Umstand, dass Milch nicht nur wegen der enthaltenen Proteine in diesen globalen Trend passt, sondern auch, weil alle neun essenziellen Aminosäuren enthalten sind. Gleichzeitig verschärft sich im Handel das Spannungsfeld: Der Bio-Absatz steigt, während Produkte im Preiseinstieg stärker sichtbar werden. Diese Schere werde aus seiner Sicht noch weiter auseinandergehen.
Qualität anbieten
Berglandmilch setzt in dem Zusammenhang auf Qualität in hochwertiger Verpackung. So gibt es nicht nur Milch im Glas, sondern auch Joghurt, im 150-g-Gebinde oder im 450-g-Glas. Nicht nur darin liegt eine Chance. Denn zwischen Preiseinstieg und Bio-/Premium-Produkten sei viel Raum für Positionierungen. Genau hier fällt sein eingangs erwähntes Credo – Braunshofer sagt weiter: „Was einen Wert hat, muss auch einen Preis haben. Wir sind nicht die billigsten in der Produktion, und das ist gut so.“
Er liefert die Erklärung mit: Im internationalen Vergleich sind die Strukturen in Österreich kleinteiliger, etwa im Vergleich zu den Niederlanden oder Norddeutschland. Die Bewirtschaftung ist hierzulande aufwendiger, aber dadurch auch nachhaltiger und qualitativ hochwertiger. Bekommen die Kühe mehr Vielfalt zu fressen, führt diese Artenvielfalt zu höherer Qualität bei der Milch. Größere Skaleneffekte wie bei internationalen Produzenten sind dadurch schwerer zu erreichen – entsprechend höher liegen die Kosten. Demzufolge verwehrt er sich gegen den Vorwurf eines Österreich-Aufschlags – dieser sei durch die höheren Produktionskosten erklärbar.
Einordnung der Kosten
Neben strukturellen Faktoren spielen auch politische Rahmenbedingungen eine Rolle. Die Preise werden sinken, verringert doch die Regierung die Mehrwertsteuer, unter anderem bei Milch und Käse, von zehn auf fünf Prozent. Den Vorwurf, dass Lebensmittel die Preistreiber der Inflation wären, lässt er nicht gelten: Nach Energie und Dienstleistungen würden Ausgaben für Ernährung erst auf Rang drei folgen.
Und: Österreich gibt im internationalen Vergleich rund zehn Prozent des Einkommens für Lebensmittel aus. Der EU-Durchschnitt liegt darüber, Deutschland (11,5% lt. Eurostat), Frankreich (13,3%) oder Ungarn (16,7%) geben im Schnitt viel mehr aus. Entsprechend kritisiert Braunshofer, wie diese gesamte Thematik rund um die Teuerung in der Öffentlichkeit dargestellt wird: „Wir reduzieren die Diskussion auf den Preis. Es muss uns gelingen, diese Diskussion breiter aufzustellen. Wir bieten tolle Produkte zu einem fairen Preis an.“
Dass es eine bestimmte Gruppe an Menschen gibt, die dafür nicht das notwendige Geld hat, sei unbestritten. Doch auch im mittleren Korridor kann Berglandmilch mit seinen Produkten überzeugen. Denn neben der Markenarchitektur mit bekannten Namen wie Schärdinger oder Tirol Milch gibt es im Convenience-Bereich passende Angebote für jeden.
Kreislaufwirtschaft
Damit all dies auch noch in vielen Jahren funktioniert, denkt man nachhaltig. So bringen die Hackschnitzelanlagen für die Biomasse-Heizwerke regionalen Anbietern die Möglichkeit auf zusätzliche Einnahmen. Viele der Biomasse-Lieferanten sind gleichzeitig Milchbauern – das führt dazu, dass die Wertschöpfung im Land bzw. sogar in der Region bleibt.
Braunshofer denkt Markt- und Strukturpolitik zusammen. Man werde weiterhin in Österreich produzieren und dies auch international ausbauen: Berglandmilch exportiert in 50 Länder. Langfristig könne man im Wettbewerb nur bestehen, wenn Qualität, Herkunft, Veredelung und Energieeffizienz konsequent zusammenspielen.