WIEN. Warum geben Menschen Glasverpackungen in den Restmüll statt in den Glascontainer – und wie wichtig ist ihnen die Altstofftrennung überhaupt? Diese Fragen stehen im Zentrum einer Vergleichsstudie des Market-Instituts im Auftrag der Austria Glas Recycling, die heuer nach 2018 und 2022 zum nunmehr dritten Mal durchgeführt wurde.
Sorgfalt lässt nach
Die Ausgangslage: Die Recyclingquote für Glasverpackungen liegt in Österreich seit vielen Jahren über 80%; Glasverpackungen, die hierzulande hergestellt werden, bestehen im Schnitt über alle Formen und Farben zu zwei Dritteln aus Altglas. Das sind zwei Kennzahlen, die zeigen, dass die Menschen in Österreich Altglas meistens sehr sorgfältig entsorgen – und doch werden vor allem Lebensmittelgläser immer wieder in den Restmüll gegeben, wo sie für das Recycling verloren sind. Alarmierend: Im Vergleich zu den Studienergebnissen aus 2018 und 2022 ist der Stellenwert der Mülltrennung in Österreich gesunken. Mannigfaltige Krisen und viele Themen, die die Menschen aktuell beschäftigen, wirken sich aus.
Nimmt man sogenannte „Müllsünden“ genauer unter die Lupe, zeigt sich, dass Achtlosigkeit beim Mülltrennen weniger kritisch gesehen wird als noch vor vier Jahren: 2018 räumten 65% der Befragten der Mülltrennung einen sehr hohen Stellenwert ein, 2022 sogar 68%. 2026 sind es nur mehr 55%.
Mut zur Umweltsünde
Immerhin knapp ein Fünftel der Befragten gibt an, Glasverpackungen häufig oder gelegentlich in den Restmüll zu geben, statt sie im Glascontainer zu entsorgen. Der Wert liegt bei den befragten Männern bei knapp einem Viertel und bei den Menschen unter 29 Jahren sogar noch etwas höher. Als Hauptgründe für mangelnde Entsorgungssorgfalt werden wie in den Jahren 2022 und 2018 „Faulheit“ und „Bequemlichkeit“ genannt. Spontan nennen 52% der Befragten diese Gründe – 2018 waren es 45%.
Bequemlichkeit vs. Moral
Obwohl der Stellenwert der Mülltrennung gesunken ist, halten es nach wie vor 74% der Befragten für ein „klares No-Go“, Glasflaschen in den Restmüll zu werfen. Doch auch diese Zustimmung liegt im rückläufigen Trend. 2018 und 2022 sprachen sich noch 83% der Befragten dafür aus, dass dies nie gemacht werden sollte.
„Die Market-Studie zeigt Widersprüchliches auf. Einerseits gewinnt die Recyclingfähigkeit von Verpackungen an Bedeutung, andererseits nimmt die Motivation, sich an der Altstoffsammlung zu beteiligen ab“, resümiert Harald Hauke, Geschäftsführer Austria Glas Recycling.
Weiters sehe man anhand der Studienergebnisse, „dass Gründe, die in den früheren Untersuchungen als motivationshemmend genannt wurden, deutlich an Argumentationskraft verlieren. Das gilt insbesondere für ‚Distanz zum Glasbehälter‘ oder ‚mangelndes Wissen‘. Die in den letzten Jahren stark forcierte Optimierung der Altglassammelinfrastruktur wird also gut angenommen. Und unsere konsequente Informationsarbeit trägt Früchte“, sieht Hauke auch Positives. (red)
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