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Post Corona: Man bringe den Kaffeesud
Redaktion 17.04.2020

Post Corona: Man bringe den Kaffeesud

Angesichts der Unklarheit über den weiteren Verlauf läuft vieles auf einen Eiertanz um Wirtschaft und Gesundheit hinaus.

Kommentar ••• Von Paul Hafner

Es herrscht Uneinigkeit über das Ausmaß und die Relevanz der Bedrohung, die von der Corona-Pandemie ausgehen. Doch wo immer man sich am Verhaltensspektrum zwischen strikter heimischer Selbstinhaftierung und eigenmächtiger Forcierung der Herdenimmunität (aus Überzeugtheit oder Ignoranz) einfindet: Prognosen, bis wann der Spuk überstanden ist, haben sich deutlich reduziert. Man hat mittlerweile eingesehen: Das wird sich alles noch ein bissl ziehen, und wie lang ein bissl ist, ist ein bissl schwer zu prophezeien.

Erst vorgestern, Mittwoch, erteilte etwa die deutsche Regierung sämtlichen Großveranstaltungen bis Ende August eine Absage; bis dahin etwa hatten die Veranstalter der Musikfestivals „Rock im Park” und „Rock am Ring” – die zusammen 150.000 Besucher anziehen – unbekümmert versichert, die Open-Air-Events würden „nach derzeitigem Stand” über die Bühne gehen.
Ungleich mehr Realitätssinn ist der (Lebensmittel-)Industrie zuzugestehen, die sich mit Stellungnahmen zur Coronakrise und langfristigen Folgen mehrheitlich bedeckt hält und von Momentaufnahmen, dem Status quo oder der aktuellen Lage spricht, einen Blick in die Zukunft jedenfalls scheut.

Was weiß man schon?

Nicht grundlos geistert die Angst vor einer „zweiten Welle” durch die Medien; im vielerorts zum Vorbild erkorenen Singapur hat man mittlerweile mit dieser zu kämpfen und forciert man nun doch den Lockdown. Aus gesundheitlicher Sicht spricht aktuell wenig für die Aufhebung vieler der gesetzten Maßnahmen, am wenigsten deren offenkundiger Erfolg. Unklar ist weiterhin, ob man nach einmaliger Infizierung immun ist; viele Hoffnungen ruhen auf einem Impfstoff, den es aber laut Virologen vor 2021 nicht geben dürfte.

Klar ist, dass viele Lieferanten nach den Hamsterkäufen und nicht zuletzt aufgrund der Lokalsperre in Bedrängnis geraten werden. Schon jetzt rechnet etwa der heimische Brauereiverband mit 50% Einbußen für 2020 – eine rare längerfristige Schätzung.
Das geplante Wiederaufsperren der Lokale Mitte Mai ist für viele Produzenten überlebensnotwendig; es bleibt zu hoffen, dass dafür nicht viele andere mit ihrem Leben bezahlen müssen.

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