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Wo kein Gift reinkommt, kommt kein Gift raus © Betten Reiter
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Wo kein Gift reinkommt, kommt kein Gift raus

Betten Reiter erweitert sein Sortiment um eine „OceanSafe”-Kollektion – und sagt damit Mikroplastik im Meerwasser den Kampf an.

••• Von Paul Hafner

Die Welt des Einzelhandels kennt viele Zertifikate. Während viele, vor allem sich selbst ausgestellte, einen zweifelhaften Ruf genießen, der häufig niedrigen Ansprüchen und Zielen geschuldet ist, hat das „Cradle to Cradle” wahrhaft Revolutionäres im Blick: Hinter dem Prinzip steht die Idee, in kompletten Kreisläufen zu denken und Produkte schon so zu konzipieren, dass sie in anderer Form weiterverwendet oder kompostiert werden.

Ebendiese Prinzipien erfüllt das Heimtextilien-Label „Ocean­Safe”. Mit dem C2C-Gold-Zertifikat versehen, dürfen sich die Handtücher, Bettwäschen, Tischläufer, Zierkissen und Vorhänge rühmen, absolut umweltfreundlich und völlig schadstofffrei zu sein. Seit wenigen Tagen ist die Kollektion nun bei Betten Reiter erhältlich – in allen Filialen und online. Ein Schritt, mit dem man „ein neues Textilzeitalter einläuten möchte”, wie Geschäftsführer Peter Hildebrand meint.

Vorreiter Betten Reiter

Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind schon lange ein Thema, aber innerhalb der letzten ein-zwei Jahre noch stärker in den Fokus gerückt. Zivilgesellschaft (Stichwort „Fridays for Future”) und Handel bewegen sich im Gleichschritt: Müllvermeidung, Restverwertung, Klimawandel und Umweltschutz generell dominieren den öffentlichen Diskurs.

Mit dem Schlagwort „Zukunft lieben. Zukunft leben” zieht nun auch Betten Reiter in den Kampf um die Rettung des Planeten: „Es ist hinlänglich bekannt, dass unsere Gewässer mit Mikroplastik und Chemikalien belastet sind”, so Hildebrand. Diese Tatsache wolle man nicht länger tolerieren und im Gegenzug als Vorreiter in der Branche auf echte Nachhaltigkeit setzen – und beim Kunden mit einer Marke punkten, der man „vertrauen kann, auf die man sich ­uneingeschränkt verlassen kann”.

Radikale Prinzipien

Hinter der Marke stehe mit Manuel Schweizer wiederum jemand, dem Hildebrand selbst vertraut, „weil man merkt, dass sein ganzes Herzblut in diesem Projekt steckt”.

Schweizer ist seit 1985 im Bereich der Heimtextilien tätig und entwickelte im Laufe der Zeit ein kritisches Bewusstsein für die Herstellungsprozesse und die verwendeten Inhaltsstoffe.
Vor sechs Jahren begann er, sich schließlich auf Textilien, die Teil des biologischen Kreislaufs sind, zu fokussieren. Den klassischen Verbesserungen – etwa dem Einhalten von Grenzwerten oder dem Berücksichtigen von regionalen Produzenten – hat er abgeschworen; im Zuge eines Studiums entdeckte Schweizer Cradle-to-Cradle und sei schnell vom Credo „Wo keine toxischen Inhaltsstoffe hineinkommen, kommen nie solche raus” überzeugt gewesen.
„Die Idee dahinter ist sehr einfach: Es gibt nie mehr Abfall. Alles, was textil ist, muss in einen biologischen Kreislauf kommen”, erklärt Schweizer das radikale Prinzip. Es ist ambitioniert: Synthetische Fasern, die während des Waschens von Textilien ins Abwasser gelangen, sind nämlich der Hauptgrund für Mikroplastik im Weltmeer.
Eines müsse klar sein: „Wir, die Konsumenten, werden uns nicht ändern, nur in kleinen Zielgruppen. Also muss sich die Industrie ändern.” Das bedinge kompromisslose Schritte: „Das Grenzwertdenken muss weg, und Design muss sich primär nach neuen Rohstoffen richten.”

Mehrheitsfähig

Mit Einbußen bei Komfort und Optik ist aber nicht zu rechnen: Der Polster mit einer Zierkissenhülle aus Bio-Baumwolle und Steinnuss-Knöpfen wirkt hochwertig und bequem, die Bettwäsche aus Bio-Perkal, einem in Leinwandbindung gewebten Baumwollstoff, ist teurer als Standardbettwäsche, aber weit von jenen Preisen entfernt, die für Luxus-Markenprodukte veranschlagt werden.

„Wir haben großen Wert auf faire Preise gelegt”, erklärt Hildebrand. Eine Sortimenterweiterung sei denkbar und hänge vor allem davon ab, wie die Produkte von der Kundschaft angenommen werden. Schweizer wähnt sich unsicher, ob ihm mit Ocean­Safe „der große Reichtum” beschieden sein wird, rechnet aber ob der steigenden Nachfrage mit einem Gewinn ab 2021. Allein: „Der Kunde muss mitspielen, nur dann haben wir eine Chance.”

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