Tragfähig oder nicht?
© Reichl und Partner
INDUSTRIAL TECHNOLOGY Redaktion 28.10.2026

Tragfähig oder nicht?

Das Whitepaper von Reichl und Partner Digital klärt darüber auf, wann agentisches Coding im Unternehmen Mehrwert schafft.

LINZ. Agentische KI-Werkzeuge erzeugen heute funktionsfähige Software – und verlagern digitale Projekte zunehmend in Fachbereiche wie Marketing. Das neue Whitepaper von Reichl und Partner Digital zeigt jedoch: Ob ein Vorhaben tragfähig ist, entscheidet nicht allein die Geschwindigkeit, sondern vor allem sein Einsatzzweck. Während Prototypen, Kampagnenseiten oder einfache Websites oft ohne zusätzliche Vorkehrungen auskommen, entstehen ab der Verarbeitung personenbezogener Daten weitergehend Pflichten – teils schon bei einem einfachen Kontaktformular.

Das Whitepaper „Wann Agentic Coding trägt“ ordnet diese Entwicklung anhand eines Reifegradmodells mit fünf Stufen ein. Maßgeblich ist dabei nicht die technische Komplexität eines Vorhabens, sondern die Frage, gegenüber wem ein Unternehmen erklären und verantworten muss, wie ein System zu seinen Ergebnissen gelangt und wer welche Daten einsehen oder ändern darf.

„Die Frage ist nicht mehr, ob agentische Werkzeuge funktionsfähige Software erzeugen können. Entscheidend ist, ab wann daraus ein System wird, für das ein Unternehmen belastbar einstehen, es erklären und sicher betreiben muss. Ein Modell kann Quellcode erzeugen – die Verantwortung für das Ergebnis bleibt aber im Unternehmen“, sagt Bernhard Voit, CTO von Reichl und Partner Digital.

Zwischen Produktion und Verantwortung
Die Ausgangslage ist widersprüchlich und genau deshalb für Unternehmen relevant: Bei intensiver Nutzung agentischer Werkzeuge wurden in einer Beobachtungsstudie bis zu 40,5% mehr abgeschlossene Änderungsanträge gemessen. Gleichzeitig erwartet Gartner, global führendes Forschungs- und Beratungsunternehmen im Bereich Informationstechnologie, dass mehr als 40% aller Vorhaben mit agentischer künstlicher Intelligenz bis Ende 2027 eingestellt werden könnten – unter anderem wegen steigender Kosten, unklarem Geschäftsnutzen und unzureichenden Risikokontrollen. Zugleich zeigt das Whitepaper, dass sich Aufwand häufig nur verlagert: Zwischen gefühltem und gemessenem Zeitgewinn lagen in einer Studie 39 Prozentpunkte, und 83,21% der späteren Änderungen an agentisch erzeugten Dateien stammen von Menschen.

Die entscheidende Schwelle
Auf Stufe 1 und 2 – etwa bei Prototypen, internen Hilfswerkzeugen, Kampagnenseiten mit Ablaufdatum oder einfachen Websites ohne Nutzerdaten – kann agentische Entwicklung grundsätzlich ausreichen. Spätestens auf Stufe 2 sollte jedoch eine verantwortliche Stelle für Betrieb, Aktualisierung und Erreichbarkeit benannt sein. Ab Stufe 3 reicht das Werkzeug allein nicht mehr aus, weil Pflichten gegenüber Dritten entstehen. Schon ein einfaches Kontaktformular kann genügen, um diese Schwelle zu überschreiten. Ab diesem Punkt braucht es nicht nur lauffähigen Code, sondern auch bewusste Architekturentscheidungen, ein belastbares Berechtigungsmodell, nachvollziehbare Freigaben und benannte Verantwortlichkeiten. Für die erste Einordnung eines Vorhabens genügen laut Voit fünf Fragen. Besonders häufig werde dabei übersehen, ob ein System künftig von Personen geändert werden muss, die es nicht selbst erstellt haben. Gerade diese Frage entscheide oft darüber, ob aus einem funktionsfähigen Prototyp ein dauerhaft betreibbares System wird. Das Whitepaper „Wann Agentic Coding trägt“ bietet Unternehmen damit eine fundierte Orientierung, um agentische Entwicklungswerkzeuge nach Einsatzzweck, Verantwortbarkeit und Betriebsanforderungen zu bewerten – und ab dem richtigen Punkt zusätzliche Anforderungen an Architektur, Governance und Betrieb mitzudenken.

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