••• Von Alexander Haide
Zum zweiten Mal geht Anfang Oktober das Mobility Forum Salzburg in der Mooncity über die Bühne. Dabei erörtern Vertreter aus Politik, Verkehrsverbünden, Theoretiker und Praktiker die unterschiedlichsten Aspekte moderner Mobilität. Veranstaltet von den Salzburger Nachrichten in Zusammenarbeit mit dem Salzburger Verkehrsverbund, zeichnet Mobilitätsredakteur Florian Mrazek für die Zusammenstellung der Themen und die Auswahl der Diskussionsteilnehmer verantwortlich – darunter Verkehrsminister Peter Hanke und Bernhard Auinger, Bürgermeister der Stadt Salzburg. Im medianet-Interview gibt Mrazek einen Ausblich darauf, was die Teilnehmer erwartet.
medianet: Was macht das Mobility Forum Salzburg über die Jahre so erfolgreich?
Florian Mrazek: Einerseits ist das die langjährige Tradition, denn wir bauen auf einer Vorgängerveranstaltung auf, den Salzburger Verkehrstagen. Sie gab es länger als zwanzig Jahre. Es hat sich in Fachkreisen etabliert, dass Salzburg ein gutes Pflaster ist, um mit Experten rund um den öffentlichen Verkehr zu diskutieren. Seit vergangenem Jahr gibt es den neuen Namen und ein modernisiertes Layout mit einem kompakteren Format, in dem neben den Keynotes und Diskussionsrunden mehr Platz zum Netzwerken und für Fachgespräche zur Verfügung steht. Es ist im Sinne der B2B-Ausrichtung ganz wichtig, dass die Fachgrößen an eineinhalb Tagen plus der Abendveranstaltung Zeit haben, um gemeinsam wichtige Themen zu besprechen. Das hat sich im Vorjahr extrem gut etabliert.
medianet: Was macht Salzburg als Austragungsort so prädestiniert? Würde sich da eine Großstadt wie Wien nicht anbieten?
Mrazek: Es ist der geografische Faktor, denn Salzburg liegt günstig zwischen Wien und Süddeutschland. Das ist ein gutes Einzugsgebiet. Zudem dürfte es den Gästen in Salzburg immer gut gefallen.
medianet: Es stehen zum Großteil österreichische Speaker auf dem Programm.
Mrazek: Es sind zum Großteil Österreicher, aber wir haben uns bemüht, auch internationalen Input zu bekommen. So sind Anjes Tjarks, der Senator für Verkehr und Mobilitätswende aus Hamburg, und Daniel Packenius, Geschäftsführer von Flix Zentraleuropa, mit dabei.
Aber wir sind ein österreichisches Medienhaus und der austragende Organisator ist der Salzburger Verkehrsverbund. Wir halten es ähnlich wie bei der Ausrichtung unserer Tageszeitung: Die Wurzeln in Salzburg, ganz Österreich im Blick behalten und das Weltgeschehen einordnen. Wir sprechen über Themen, die weit über Österreich hinaus relevant sind. Gleich das Programm am ersten Tag ist ein Thema von geopolitischer Dimension.
medianet: Der erste Tag steht unter dem Motto ‚Bus- und Bahnindustrie im Brennpunkt von Geopolitik, Wettbewerb und lokaler Wertschöpfung‘. Was dürfen sich Besucher erwarten?
Mrazek: Es ist ein spannender Mix aus globalem und regionalem Bezug. Die Omnipräsenz der chinesischen Hersteller von Nutzfahrzeugen, speziell bei Bussen, beschäftigt mich, als Automobiljournalist, beinah täglich. Es ist eine spannende Konstellation, dass chinesische Hersteller ähnlich wie bei den Pkw, beinahe über ein Monopol verfügen, was Busse für den öffentlichen Verkehr und Reisebusse betrifft. Es gibt de facto nur chinesische Hersteller, die sie in einer Qualität und zu einem wettbewerbsfähigen Preis bauen können, dass sie im öffentlichen Bereich und als Fernbusse verwendbar sind. Es ist an der europäischen Politik, auf nationaler Ebene bis hinunter zu den Verkehrsverbünden der einzelnen Städte zu entscheiden, ob wir der Versuchung widerstehen, diese chinesischen Hersteller zu beauftragen. Das ist eine politische Frage.
In Salzburg ist es in großem Ausmaß passiert, dass ein Großteil der Albus-Flotte, die auch den öffentlichen Verkehr bedient, auf chinesische Batterie-Akku-Busse umgestellt wird. Anderswo hat man größere politische Bedenken, denn man möchte die europäische Automobilindustrie nicht gänzlich links liegen lassen.
Zudem gibt es den sicherheitspolitischen und Datensicherheitsaspekt. Es hat sich in Dänemark gezeigt, dass sich Chinesen jederzeit in Busse einloggen und diese lahmlegen könnten. An diesem Scheidepunkt befinden wir uns derzeit. Will man den öffentlichen Verkehr bis zum Jahr 2030 dekarbonisieren, muss man auf chinesische Produkte zurückgreifen. Oder man muss andere Wege finden, zu denen wir die Experten vor Ort befragen möchten. Deshalb habe ich dieses Thema ins Spiel gebracht.
medianet: Erwarten Sie sich hier konkrete Lösungsvorschläge?
Mrazek: Auf eine pragmatische Art und Weise ja. Es gibt die ideologische Sichtweise, dass wir Nein zu chinesischen Bussen sagen. Doch was passiert, bis europäische Hersteller soweit sind, bis sie ähnliche Produkte zu einem ähnlichen Preis produzieren können? Es geht auch darum, wie man auf europäischer Ebene mit Förderungen umgeht und, ob diese gänzliche an chinesische Hersteller gehen sollen. Konkrete Ergebnisse wird es vermutlich nicht geben, aber zumindest ein Aufeinandertreffen und eine Diskussion von Politik und Praxis, von FlixBus und Dr. Richard einerseits und dem Verkehrsminister und einem Rechtsvertreter von der Universität Innsbruck auf der anderen Seite. Spannender wird das Thema dadurch, dass die gleiche Problematik für die Schiene gilt.
medianet: Am zweiten Tag lautet das Motto ‚Städte neu denken! Strategien und Lösungen für effiziente Mobilität im urbanen Raum. Wem gehört die Straße der Zukunft?‘ Was darf man sich vorstellen, wem gehört die Straße wirklich?
Mrazek: Die Straße gehört allen, wenn man die Menschen fragt, auch wenn das Verkehrsmittel, vom Rad zum Auto oder umgekehrt, gewechselt wird. Die Herausforderungen in den Städten sind in unseren Breitengraden de facto seit Jahrzehnten ähnlich. Hier hat sich wenig verändert. Deshalb haben wir versucht einen Schritt zur Seite zu treten und eine andere Perspektive einzunehmen. Die Herausforderung ist bekannt und der Platz in den Städten wird nicht mehr, auch wenn der Verkehr zunimmt und es einen immer größeren Wettbewerb um vorhandene Flächen gibt.
Hier gibt es unterschiedliche Herangehensweisen, wie die Probleme zu lösen sind. Einerseits die technologische, andererseits die Fahrrad-basierte, die auf Downgrading setzt. Diese beiden Perspektiven sind bei der Problemlösung komplett unterschiedlich. Die Lösung liegt vermutlich in der Kombination beider Modelle.
medianet: Wie weit wird das aktuelle Verkehrsgeschehen in Salzburg, das derzeit mit den Einfahrverboten und der Tunneldiskussion nicht gerade unproblematisch ist, einfließen?
Mrazek: Die Diskussion rund um den Bau des S-Link ist verjährt, aber die Phantomschmerzen sind noch immer vorhanden. Es gibt neue Herausforderungen, die wir thematisieren können. Als wir das Programm aufgesetzt haben, war das natürlich ein Kalkül, dass wir um die Hintergründe der Verkehrsthematik in der Stadt Salzburg wissen und es mehrere tagesaktuelle Aspekte gibt. So wurde vor einigen Wochen ein Fahrradverleihmodell gestartet, das 30 Jahre lang diskutiert und jetzt umgesetzt wurde.
Die Salzburg-Perspektive wird am Vormittag, noch vor den beiden großen Themenblöcken diskutiert. Die Suche nach zukunftsweisenden Verkehrslösungen gibt es praktisch in jeder Stadt und sie können am Nachmittag dann globaler behandelt werden.