WIEN Der Rechnungshof (RH) hat die Wiener Zeitung GmbH überprüft und dabei viel Verbesserungspotenzial festgestellt. So vermissten die Prüfer bei der Neuausrichtung im Jahr 2023, im Zuge dessen die "Wiener Zeitung" in gedruckter Form eingestellt wurde, eine Eigentümerstrategie. Für den folgenden Fokus auf Social Media und junge Personen fehlte das Know-how. Zudem gebe es das Risiko staatlicher Einflussnahme. Die "WZ" versichert, die Empfehlungen großteils schon umgesetzt zu haben.
Der RH überprüfte im Wesentlichen die Jahre 2020 bis 2024. In diesem Zeitraum unterlief das Unternehmen im Besitz der Republik einen markanten Wandel. Die Pflichtveröffentlichungen im Amtsblatt der "Wiener Zeitung" wurden unter der damaligen türkis-grünen Regierung abgeschafft, stattdessen erfolgen sie seitdem unentgeltlich in elektronischer Form. Die "Wiener Zeitung" als bis dahin älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt wurde eingestellt, viele Journalistinnen und Journalisten mussten das Haus verlassen. Der Schritt sorgte für heftige Kritik. Seitdem fokussiert die "WZ" im Onlineraum auf junge Personen und finanziert sich aus Beiträgen des Bundes. Eingerichtet wurde ein "Media Hub Austria", bei dem u.a. ein Praxisprogramm für Journalistinnen und Journalisten angeboten oder auch Medienwissen an Bürger vermittelt wird.
Risiko staatlicher Einflussnahme
Eine Tochtergesellschaft der Wiener Zeitung GmbH blieb bestehen. Darin erkennen die Prüfer keinen Mehrwert für die Mediengruppe. Im Gegenteil führe das zu weniger Transparenz und mehr Verwaltungsaufwand. Das Medienministerium soll daher eine Verschmelzung prüfen.
Der Geschäftsführer der Wiener Zeitung GmbH - mittlerweile Simon Kravagna, im Prüfzeitraum Martin Fleischhacker - ist gegenüber dem Eigentümer und somit Personen aus der Politiksphäre weisungsgebunden. Gesetzliche Vorgaben zur Absicherung der Unabhängigkeit fehlen, moniert der RH. Es bestehe das Risiko einer staatlichen Einflussnahme auf die Zusammensetzung der Redaktion. Einzig ein Redaktionsstatut ist vorgeschrieben.
Krawanga: "Nichts zu beschönigen"An der Kritik des Rechnungshofes gibt es nichts zu beschönigen. Was in der Vergangenheit falsch gelaufen ist, wird korrigiert. Der Bericht ist für uns ein glasklarer Handlungsauftrag, und einen großen Teil davon hat das Unternehmen bereits umgesetzt
“, so Kravagna zur Kritik des Rechnungshofs in einer Aussendung.
Konkrete Garantien zur organisatorischen Absicherung der Unabhängigkeit der Wiener Zeitung, wie vom Rechnungshof gefordert, begrüßt Kravagna. Die durch den Rechnungshof angeregte Verschmelzung der Wiener Zeitung GmbH mit ihrer Tochterfirma wird für 2027 bereits vorbereitet.
Im Zuge der von Medienminister Andreas Babler (SPÖ) angekündigten Reform des Medienfördersystems sollte geklärt werden, ob es sinnvoll ist, dass die Wiener Zeitung GmbH ihre Aufgaben der Medienförderung - insbesondere von Medien-Start-ups - weiterhin wahrnimmt. Womöglich könnten diese auch andere, bereits bestehende Organisationen übernehmen, regt der RH an.
Auch auf diese Kritik habe man bereits reagiert, denn "seit 30. September 2026 entscheidet über Förderungen eine unabhängige Jury unter Einbindung externer Expertinnen und Experten. Geförderte Start-ups werden zudem vertraglich verpflichtet, jene Informationen bereitzustellen, die für eine nachvollziehbare Wirkungsmessung notwendig sind", so die Wiener Zeitung in einer Reaktion.
Kritik: Eigentümer entwickelte keine Strategie
Kritisch merkten die Kontrolleure an, dass vom Eigentümer keine Strategie für die Wiener Zeitung GmbH entwickelt wurde, was nun nachgeholt werden solle. Kein Organ habe die medienpolitische Verantwortung für die strategische Ausrichtung übernommen, heißt es. Die Wiener Zeitung GmbH definierte die Zielgruppe für ihr neues (Online-)Medium selbst.
Der Fokus wurde auf junge Personen und Soziale Medien gelegt, das Know-How für die dafür nötige Videoproduktion fehlte aber. Somit mussten externe Leistungen für 2,24 Mio. Euro in den Jahren 2023 und 2024 zugekauft werden. Durch eine fortlaufende Beauftragung desselben externen Dienstleisters machte sich die Gesellschaft stark abhängig, merkten die Prüfer an. Hier habe die Wiener Zeitung reagiert und man habe "durch den Aufbau eigener juristischer Kompetenz im Unternehmen die Kosten für externe Rechtsanwältinne und Rechtsanwälte um ca. 90 %" gesenkt." Weitere externe Leistungen würden "überprüft, stark reduziert und teilweise beendet".
Keine Werbung mehr auf Social Media Plattformen
Von März bis Juni 2024 wurden zudem vergaberechtliche Bestimmungen nicht eingehalten. Für Werbung in Sozialen Medien wurden von Mitte 2023 bis Mitte 2025 in etwa 820.000 Euro ausgegeben, wobei der Großteil an internationale Plattformen floss.
Dazu hieß es seitens der Wiener Zeitung: "Die bezahlte Bewerbung auf Social-Media-Plattformen wurde mit August 2026 eingestellt. Redaktionelle Inhalte werden nicht mehr durch bezahlte Reichweite auf Plattformen unterstützt. Ein Schwerpunkt auf Kooperationen soll zukünftig den Medienstandort stärken."
Mängel im Personalbereich
Auch im Personalbereich stellte der RH Mängel fest. So gab es Prämien für zwei Prokuristen der GmbH, die für Leistungen, die als ihre üblichen Aufgaben angesehen werden konnten, ausgezahlt wurden. Auch wurden vom Geschäftsführer Fleischhacker Prämien für Ziele gewährt, die nicht erreicht waren.
In der Personalverrechnung kam es zu Fehlern in der Stammdatenerfassung. Es fielen zur Zeit der Überprüfung Nachzahlungen von rund 1,1 Millionen Euro an. Zudem musste von der Wiener Zeitung GmbH ein externer Dienstleister um rund 280.000 Euro für die Aufarbeitung der Fehler beauftragt werden.
Viele Empfehlungen bereits umgesetzt
Die festgestellten Mängel würden korrigiert und die Empfehlungen konsequent umgesetzt, versicherte der neue "WZ"-Geschäftsführer Kravagna. 20 von 29 Punkten seien bereits abgearbeitet worden, hieß es am Freitag in einer Aussendung. Kravagna begrüßt, dass konkrete Garantien zur organisatorischen Absicherung der Unabhängigkeit der "WZ" gefordert werden. Die angeregte Verschmelzung mit der Tochterfirma werde für 2027 vorbereitet.
Er merkte auch an, dass die bisherigen Prokuristen das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen hätten und die Funktionen nicht nachbesetzt worden seien. Damit sei die Führungsstruktur "deutlich gestrafft worden", so Kravagna, der auch anmerkte, dass die Werbeausgaben auf Social-Media-Plattformen mit August 2026 eingestellt wurden.
Auf der Website der Mediengruppe sei abrufbar, welche Empfehlungen des RH bereits umgesetzt wurden und welche Maßnahmen noch ausstehen. Der Aufsichtsrat werde regelmäßig über den Fortschritt informiert, hieß es.
"Die Wiener Zeitung muss mit dem Geld der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler einen erkennbaren Nutzen schaffen. Sie soll künftig das sein, was Österreich fehlt: eine Institution, die professionellen Journalismus nicht nur selbst macht, sondern auch den Medienstandort stärkt", hielt Kravagna fest.
Und er fügt hinuzu: „323 Jahre Tradition sind ein starkes Asset, aber keine Existenzberechtigung. Die Wiener Zeitung muss mit dem Geld der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler einen erkennbaren Nutzen schaffen. Sie soll künftig das sein, was Österreich fehlt: eine Institution, die professionellen Journalismus nicht nur selbst macht, sondern auch den Medienstandort stärkt. Daran richten wir unsere Strukturen, unsere Entscheidungen und unsere Arbeit aus
“, so Kravagna. (APA/red))
Link zu den Umsetzungsmaßnahmen: www.mediengruppewienerzeitung.at/umsetzungsmassnahmen/ ; Rechnungshofbericht: https://www.rechnungshof.gv.at/rh/home/home/2026_36_Neuausrichtung-der-Wiener-Zeitung-GmbH.pdf
Umsetzungsmaßnahmen der Wiener Zeitung: https://www.mediengruppewienerzeitung.at/unternehmen/umsetzungsmassnahmen/