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Zwilling Unternehmer? Es steckt (auch) in den Genen, besagen neue Studien.

Nikolaus Franke 15.12.2017

Entrepreneurship-Gen

Wird man zum Entrepreneur geboren oder kann man es erlernen? Neue Studien weisen auf eine genetische Prädisposition hin.

Gastbeitrag ••• Von Nikolaus Franke

WIEN. Wenn ich in einem Kurs mit hundert Entrepreneurship-Studierenden die Frage stelle, wer mindestens einen Elternteil hat, der beruflich selbstständig ist oder war, heben regelmäßig über die Hälfte der Anwesenden die Arme. Die Selbstständigenquote in Österreich beträgt aber nur neun Prozent; diese Übereinstimmung ist in zahlreichen internationalen Statistiken belegt. Aus ihr kann jedoch noch nicht geschlossen werden, dass Neigung und Fähigkeit zu Entrepreneurship vererbt wird. Denn natürlich kommen Kinder, deren Eltern selbstständig sind, auch früh und intensiv in Kontakt mit Selbstständigkeit als Option für eine spätere Karriere. Eltern sind dabei nicht nur wichtige Rollenvorbilder und Vermittler von zentralen Werten; sie können die Berufswahl ihrer Kinder auch durch Ressourcen beeinflussen.

Zwillings- und Adoptivstudien

Will man die Vererbbarkeit von Entrepreneurship untersuchen, muss man anders vorgehen. Der Vorteil von Zwillings- und Adoptivstudien ist, dass man den Umwelteinfluss analytisch eliminieren oder doch zumindest stark reduzieren kann. So wurde untersucht, ob eineiige Zwillinge einander ähnlicher sind in Bezug auf Entrepreneurship als zweieiige. Andere Studien haben überprüft, ob eineiige Zwillinge, die getrennt voneinander aufwachsen, dennoch ein übereinstimmendes Verhalten zeigen. Und schließlich wurden leibliche mit adoptierten Kindern verglichen.

Zentral ist jeweils die Annahme, dass auf diese Weise zwischen Umweltbedingungen und Erbanlagen unterschieden werden kann. Das Ausmaß der genetischen Prädisposition wird üblicherweise als „Heritabilitätswert” ausgedrückt. Ein Wert von 0 bedeutet, dass ausschließlich Umwelteinflüsse wirksam sind, ein Wert von 1 bedeutet, dass die Eigenschaft vollständig in den Genen angelegt wird.

Eindeutige Befunde

Umfangreiche Studien aus den USA, UK und Schweden zeigen, dass die Fähigkeit, Geschäftsgelegenheiten (Opportunities) überhaupt zu erkennen, eine Vererbbarkeit von 0,45 aufweist. Die tatsächliche Entscheidung, Entrepreneur zu werden, hat Heritabilitätswerte zwischen 0,4 und 0,6. Insgesamt zeigt sich also, dass Erbanlagen für Entrepreneurship tatsächlich eine große Rolle spielen. Bedeutet dies, dass genetisch vorbestimmt ist, ob man Entrepreneur wird?

Die Forschung dazu steckt erst in den Kinderschuhen. Sicher ist jedoch, dass es nicht das Entrepreneurship-Gen gibt und auch keinen Determinismus, wie es etwa bei manchen (Erb-)Krankheiten vorkommt. Die meisten Theorien zur Vererbbarkeit von Entrepreneurship besagen, dass die Genstruktur bestimmte Fähigkeiten (wie Intelligenz) und Persönlichkeitseigenschaften (wie Akzeptanz von Risiken) prägt und diese wiederum die Wahrscheinlichkeit, unternehmerisch aktiv zu werden, beeinflussen. Anders gesagt: Genetisch angelegt ist nur ein Teil des Entrepreneurship-Potenzials; ob es realisiert wird, hängt wiederum stark vom Umfeld ab.

Die Rolle der Ausbildung

Die Aufgabe von (Weiter-)Bildung im Bereich Entrepreneurship ist entsprechend, das Potenzial zum Entrepreneur „freizulegen” und gezielt zu fördern. Ähnlich wie bei Musik oder Sport gilt es, Menschen mit der Neigung und der Fähigkeit zum Entrepreneurship bei ihrer Entwicklung zu unterstützen und ihnen Grundwissen, Methoden, Werkzeuge sowie Zugang zu Netzwerken an die Hand zu geben. Wer keine Grundsportlichkeit oder Musikalität hat, wird trotz bester Ausbildung nicht über ein mittelmäßiges Niveau hinauskommen. Umgekehrt gibt es jedoch auch keinen Weltklasse­sportler und Musikstar, der nicht immens von Training und Ausbildung profitiert hat. Und genauso ist es auch mit Entrepreneurship.

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