DOSSIERS
© Ikea/Johannes Brunnbauer

Mastermind Ikea-CFO Rodolphe de Campos, Erfinder des völlig neuen ­Konzepts des City-Store-Formats für Ikea am Westbahnhof, oder kurz für’s hus.

Redaktion 27.08.2021

Blau-gelbe Weltpremiere

„Das hus ist die Ikea-Übersetzung auf ein innerstädtisches Environment”, erklärt Ikea-CFO Rodolphe de Campos die Philosophie des neuen Formats.

WIEN. Er hat eine ganz besondere Beziehung zu diesem Projekt, denn er hat schließlich im Konzern durchgesetzt, dass es gebaut wird. medianet sprach mit Rodolphe de Campos, CFO bei Ikea Austria, Wegbegleiter – oder vielmehr Wegbereiter –, über seine Entstehung.

medianet:
Seit wann gab es die Idee, mit Ikea aus der Peripherie mitten in die Stadt zu ziehen?
Rodolphe de Campos: Gespräche über einen weiteren Standort in Wien, nach dem bekannten Rezept ‚am Rande der Stadt', die gab es schon vor über 20 Jahren. Angedacht war die westliche Gegend um Auhof, das war infrastrukturell jedoch einfach nicht machbar. Der Standort Westbahnhof schien uns damals auch schon sehr attraktiv, und in Gesprächen mit der Stadt Wien wurde sehr schnell klar – Ikea näher am Zentrum von Wien ist klasse, aber mit einem anderen Konzept. 1.000 Parkplätze gibt’s nicht.

medianet:
Das klingt nach einem Rückschlag …
de Campos: Gar nicht! Diesen Gedanken habe ich dann aufgegriffen und wir haben ein Konzept für einen City-Ikea beziehungsweise für ein City-Store-Format mit folgender Idee entwickelt: kleineres Grundstück mit kleinerem Footprint, ohne Parkplätze, mit dem kompletten Sortiment, kleine Einrichtungsgegenstände vor Ort erhältlich, der Rest wird geliefert. Im Rathaus fand man dieses Rohkonzept super und wir konnten beginnen, Liegenschaften zu suchen.

medianet:
Nach welchen Kriterien?
de Campos: Der Schlüssel zu unserem neuen Konzept ist ein leistungsstarkes Öffi-Netz. Wir wollten idealerweise direkt an eine U-Bahnstation. Das gab’s bei Ikea noch nie.

medianet:
Wie seid ihr auf das ‚Blaue Haus' am Westbahnhof gekommen?
de Campos: Die Stadt Wien hat uns damals den sehr wertvollen Tipp gegeben, doch mit den ÖBB zu reden; es schiene, die ÖBB wolle das ‚Blaue Haus' verkaufen. Der Standort war natürlich perfekt, aber auf den ersten Blick zu klein. Also haben wir unser Konzept noch einmal komprimiert und adaptiert. Und gut war’s, denn jetzt liegen wir an der am meisten frequentierten U-Bahn-Haltestelle Wiens. Rückblickend betrachtet war der Erwerb des Blauen Hauses ein Meilenstein.

medianet:
Mussten Sie im Konzern viel Überzeugungsarbeit leisten?
de Campos: Schon. Das klassische Ikea-Konzept ist ja sehr erfolgreich, und mit dieser City-Idee haben wir komplettes Neuland betreten. ‚Ein Ikea ohne Parkplatz?' Da glaubten schon viele ‚Ikea-Urgesteine', sich verhört zu haben. Denn die Möbel selber aus der SB-Halle zu holen, sofort damit nach Hause zu fahren und gleich aufzubauen, sei doch einer der großen Ikea-Vorteile. Warum daran also etwas ändern? Ja, das Setup vom Westbahnhof weicht ein bisschen davon ab. Aber nein, es ist nichts anderes. Es ist einfach die Übersetzung auf ein innerstädtisches Environment.

Denn die Gesellschaft ändert sich, und wir haben bemerkt, dass wir mit unserem klassischen Konzept nicht alle Menschen ansprechen. Wir sehen den neuen Standort daher als Ergänzung oder Erweiterung zum klassischen Ikea. Wir wollen und werden das klassische Konzept nicht ersetzen, sondern Ikea mit dem neuen Konzept komplementieren.


medianet:
Welche Änderungen in der Gesellschaft meinen Sie?
de Campos: Was zu beobachten ist, ist der Wandel zum Online-Handel. Die Leute kommen in den Store, lassen sich inspirieren und bestellen dann online, weil sie die Sachen lieber geliefert haben wollen – das haben wir schon länger wahrgenommen. Während der Konzepterstellung haben wir deshalb versucht, auf gewisse Art ‚hineinzuspüren', wie sich die Gesellschaft verändert – ohne genau zu wissen, wie sich das Online-Shoppingverhalten entwickeln wird. Wir haben gewisse Signale erkannt und konnten flexibel reagieren.

medianet:
Könnte sich das Wiener-City-Store-Format weltweit bei Ikea durchsetzen?
de Campos: Unsere Lösung ist nicht nur sehr schön, sie ist zudem auch wirklich gut durchdacht. Die Architektur ist so gestaltet worden, dass wir ein skalierbares Gebäude haben. Wir wollten bewusst kein Unikat. Wir wollten etwas schaffen, das Ikea kopieren und weltweit einsetzen kann. Es ist alles drin – von der Nachhaltigkeit bis zur Wiederverwertbarkeit.

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