INDUSTRIAL TECHNOLOGY
© Erich Marschik

Peter Hajek, Thomas Salzer, Michaela Roither und Johannes Schedlbauer (v.li.).

18.09.2015

Arbeit und Wohlstand

Diese beiden Begriffe verbinden die Niederösterreicher vor allem mit der Industrie, so eine aktuelle Umfrage von WK und IV.

ST. PÖLTEN. „78% der Bevölkerung sind stolz auf Niederösterreichs Industrie und sehen sie als wichtigen Arbeitsplatz- und Wohlstandsmotor und innovatives Aushängeschild im Ausland”, fasst Thomas Salzer, Obmann der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer NÖ und Vizepräsident der Indus­triellenvereinigung NÖ, das positive Ergebnise der kürzlich durchgeführten Befragung zusammen.

Kritik an Politik

Ein schlechtes Zeugnis stellen die Umfrageteilnehmer allerdings der Politik aus, die ihrer Ansicht nach viel zu wenig tut, um die wirtschaftliche Rahmenbedingungen für die Industriebetriebe zu verbessern und Arbeitsplätze zu schaffen.

„Es ist ein Irrglaube, dass Niederösterreich ein Agrarland ist. Der wichtigste Beschäftigungsmotor ist nämlich die Industrie; schließlich wird ein Drittel der niederösterreichischen Wirtschaftsleistung von ihr bestritten, mit den verbundenen Branchen ist es sogar noch wesentlich mehr”, so Michaela Roither, Geschäftsführerin der ­Industriellenvereinigung NÖ.
Insgesamt stehe der produzierende Sektor für 158.000 Arbeitsplätze. Rechnet man die vor- und nachgelagerten Betriebe mit, sichert die Industrie rund 297.000 Jobs in NÖ. Was es daher dringend brauche, seien Maßnahmen, die es der Industrie ermöglichen, ihre Rolle als Jobmotor noch stärker wahrzunehmen; dafür seien neben einer Senkung der Lohnnebenkosten auf deutsches Niveau vor allem flexiblere Arbeitszeitregelungen nötig.

Flexiblere Arbeitszeiten

Das sieht die NÖ Bevölkerung offenbar ähnlich, wie die Umfrage zeigt.

„Zwei von drei Befragten können sich vorstellen, in Spitzenzeiten deutlich länger zu arbeiten, dafür danach über einen längeren Zeitraum Zeitausgleich nehmen zu können”, erläutert der Peter Hajek, Inhaber der Meinungsforschung Public Opinion Strategies GmbH, die die Umfrage durchgeführt hat.
Überrascht hat Salzer dieses Ergebnis nicht: „Bei flexibleren Arbeitszeitmodellen denkt die Bevölkerung viel fortschrittlicher. Das wissen wir auch von unseren eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.”
Die Kernforderung der Wirtschaftskammer für flexible Arbeitszeitmodelle umreißt er so: „Ein Rahmen auf gesetzlicher Basis und konkrete Modelle auf betrieblicher Ebene.”

Industrie unterstützen

Dringend notwendig sind nach Ansicht der Wirtschaftskammer auch eine Verstärkung der öffentlichen F&E-Maßnahmen, um damit die unternehmerische Innovation weiter zu forcieren, sowie eine verlässliche und vorausschaubare Gesetzgebung.

Denn das derzeitige Marktumfeld bringt, so Roither, „eigentlich alle Voraussetzungen für einen veri­tablen Aufschwung mit. Dieser finde aber hierzulande nur zögerlich statt.”
Ein Grund dafür seien strukturelle Defizite, welche jahrelang von der Politik vernachlässigt wurden und nun als Wachstumsbremse wirken. (red)

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