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Redaktion 18.06.2021

„Die ist echt gut, redet aber zu viel”

Der ORF hat mit Anna-Theresa Lallitsch seine erste weibliche EM-Kommentatorin – endlich!

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

SPÄT, ABER DOCH. ORF-Sportchef Hans Peter Trost erzählt die Geschichte immer gern, wie er auf Anna-Theresa Lallitsch, die nun erste weibliche Fußball EM-Kommentatorin des ORF, aufmerksam geworden ist.

Ein Kollege rief ihn an und wies ihn verwundert darauf hin, dass bei einem Fußballspiel die Kommentatorin auffällig viel geredet hätte. Sie wäre aber echt gut gewesen, fügte er fairerweise hinzu.
Trost war relativ schnell klar, dass der Freund bei der Audio-Einstellung seines Fernsehers etwas verstellt hat und wohl auf dem zweiten Audiokanal für blinde und sehbehinderte Menschen gelandet ist, bei dem eben, weil die Menschen nicht oder kaum sehen können, viel gesprochen wird, um zu erklären, was sich am Spielfeld tut. Die älteren Semester von uns kennen das sicherlich noch von Fußballspielen, die von Kommentatoren wortreich nur im Radio übertragen wurden.Zur Bestellung von Lallitsch selbst kann man nur sagen: „Endlich”. Zeit wars, und der Fairness halber sei an dieser Stelle vermerkt, dass gerade der ORF Sport-Chef Trost – und das weiß ich aus ­etlichen Gesprächen mit ihm – ein großer Verfechter der Idee war, endlich eine Kollegin Männerfußball kommentieren zu lassen.

Versehrte nicht nur im Versehrten-Magazin!

Womit wir beim nächsten Thema wären: Dem Sichtbarmachen von Menschen im TV, die äußerlich nicht der Norm entsprechen. Diese werden gern in „Spezial”-Magazinen buchstäblich versteckt, und es ist schon längst an der Zeit, gerade für öffentlich-rechtliche, aber auch die private Sender, etwa Moderatoren mit einer sichtbaren Amputation vor die Kamera zu stellen.

Dass sie es können, beweist etwa der ORF III- Moderator und Schwimmer Peter Onea, der als Fünfjähriger bei einem Autounfall den rechten Arm verlor. Er und viele andere gehören endlich sichtbar im Hauptprogramm vor die Kamera.
Also, liebe Verantwortliche: Dass das Über-den-eigenen-Schatten-Springen nicht weh tut, beweist aktuell Kollegin Lallitsch beim Männerfußball.

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