MARKETING & MEDIA
Redaktion 27.03.2020

Die unverhofften Imageträgerinnen

Die viel zitierte Billa-Verkäuferin – oder wie ganze Berufsgruppen einen Imageboom erleben.

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

 

WERTSCHÄTZUNG. Sie durfte in keiner TV-Diskussionsrunde zum Thema schlecht verdienende Berufsgruppen fehlen: die viel zitierte Billa-Verkäuferin. Und nun das: Was keine sozial eingestellte Oppositionssparte, keine Gewerkschaft und kein Mahnen und Appellieren der betroffenen Berufsgruppe selbst geschafft hatte, geht nun plötzlich ganz schnell und das „dank” eines Virus, der uns vor Augen führt, was im Leben vielleicht wirklich wichtig ist.

Nämlich nicht die fünfte Handtasche von Putschi und Mutschi und auch nicht der möglichst günstige, aber dafür hoch CO2-belastete Urlaub in einem entfernten exotischen Gebiet, wo man sich dann gleich von dort künstlich auf Instagram & Co in Szene setzen konnte, sondern genau die Verkäuferin in jenem Geschäft, in dem ich etwas zu essen kaufen kann, oder auch genau jener Müllmann, der dafür sorgt, dass mein Innenhof nicht vermüllt, und auch die Apotheken-Fachkraft, die, sich selbst ob des vielen Kundenkontakts der Gefahr einer Infektion aussetzend, dafür sorgt, dass unser eigenes Leben in einigermaßen geordneten Bahnen weiterlaufen kann.

Boni in Zeiten der Corona-Krise

Die Frage ist nur, ob wir langfristig umdenken?

Ich habe eher wenig Hoffnung, wenn gleichzeitig Manager in ihren feinen Anzügen live im TV trotzig in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit ihre Millionen-Boni verteidigen.

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