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© ORF/Roman Zach-Kiesling

Finaleinzug Auch bei Edgar Böhm (l.), der den Finaleinzug von César Sampson direkt vor Ort in Lissabon erleben konnte, war die Freude groß.

Dinko Fejzuli 11.05.2018

Ein Finaleinzug zum Abschied

Österreich steht im Finale. Für Edgar Böhm war es ­vermutlich sein letzter ESC als ORF-Unterhaltungschef.

••• Von Dinko Fejzuli

WIEN. Das Zittern war kurz, Österreich wurde bei der Verkündung, wer aus dem ersten Halbfinale ins ESC-Finale morgen einzieht, gleich als erstes aufgerufen.

Für ORF-Unterhaltungschef ist das sicher eine besonders schöne Sache, da er sich ja vor dem nächsten Eurovison Song Contest nächstes Jahr, wo auch immer er sein wird, in den Ruhestand verabschieden wird.
Wir baten ihn unmittelbar nach dem Finaleinzug vor Ort in Lissabon um ein Interview.


medianet:
Herr Böhm, die Erleichterung, als Erster aufgerufen zu werden, war sicherlich groß …
Edgar Böhm: … ja, weil ich habe mir schon gedacht, bitte nicht schon wieder so, wie bei ­Conchita und Nathan Trent, wo wir ja als Letzte hineingevotet wurden …

medianet:
Es gab heuer mit Ländern wie Israel oder Estland ein paar wenige klare Favoriten und dahinter viele, gleich gute Songs, die es auch verdient hätten. Das hätte auch unverschuldet schiefgehen können …
Böhm: Unser erster Schritt war das Finale, denn beim Song Contest gibt es so viele Unwägbarkeiten und so viele nicht vorhandene Gesetzmäßigkeiten. Es sind schon totale Außenseiter ESC-Gewinner geworden, und manch ganz sicherer Sieger hat es nicht mal ins Finale geschafft.

 

medianet: Nachdem man nun hier vor Ort alle Mitbewerber gesehen hat – gab es Momente, wo man sich gedacht hat, man hätte doch eine andere Art von Nummer ins Rennen schicken sollen, denn man trägt ja damit auch die ganze Verantwortung.
Böhm: Nein, wenn man eine Entscheidung trifft, muss man auch dazu stehen; wir waren sicher, dass wir in diesem Jahr mit diesem Künstler, mit dieser Nummer und mit dieser Performance das Optimum geschickt haben, das in Österreich vorhanden war, und wir auch bereit waren, ins Rennen um den Sieg miteinzusteigen.

medianet:
Als jemand, der den Song Contest selbst schon organisiert hat und auch viele erlebt hat – wie würden Sie den heurigen ESC in Portugal, wo man das ja zum ersten Mal macht, beurteilen?
Böhm: Es ist eine sehr südliche Variante mit einer gewissen Lockerheit, aber es läuft alles perfekt, wie man bereits beim ersten Halbfinale gesehen hat. Auch im Backstage-Bereich läuft alles bestens. Ich weiß, was es bedeutet, so etwas zu organisieren, deshalb Hut ab vor den Organisatoren in diesem Jahr!

medianet:
Der Finaleinzug ist für den ORF auch deshalb eine schöne Sache, weil man sich bei einem Nichteinzug Kritik hätte anhören müssen.
Böhm: Es war in den letzten Jahren immer unser Ziel, dass wir außer Streit stellen können, dass der ORF beziehungsweise Österreich beim Song Contest teilnehmen kann und wir auch das Finale erreichen können.

medianet:
Auch wenn Ihr Pensionsantritt noch nicht fixiert ist, es könnte Ihr letzter ESC als ORF-Unterhaltungschef gewesen sein. Wird er Ihnen abgehen?
Böhm: Ja, aber alles hat seine Zeit, und ich habe ja viele, viele Song Contest erlebt mit viele Ups und Downs, einem Sieg und manchen null Punkten und ja auch einen selbst ausrichten dürfen; das war sicherlich ein Höhepunkt, aber alles geht ein mal zu Ende, und es wird eine nächste Generation übernehmen. Ich bin dankbar, dass ich so viele erleben konnten, weil der ESC eine gelebte Friedensgeschichte ist, wo Menschen zusammenkommen. Unter dem Motto ‚Building Bridges' konnten wir das ja auch selbst in Wien erleben und es ist ein Wettbewerb auf eine der wunderbarsten Arten, wie ein Wettstreit überhaupt ausgetragen werden kann – nämlich mit der Musik.

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