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Rodler David Gleirscher auf der Olympia­bahn in Yanqing; vor vier Jahren war er in ­Pyeongchang Olympiasieger im Einsitzer.

Redaktion 11.02.2022

Ganz besondere Olympiaberichte

Der ORF sendet täglich 31 Stunden live aus China. Einfach sind die Olympischen Winterspiele für die Redaktion nicht.

••• Von Georg Sander

WIEN. Eigentlich ist recht wenig normal an den Olympischen Winterspielen im Jahr 2022. Das beginnt schon damit, dass China definitiv keine Demokratie ist, in der sich alle an den Spielen Beteiligten, von der Rodlerin bis zum Kameramann, frei bewegen können. Doch dieser Punkt ist in der Geschichte der Olympischen Spiele leider gar nicht neu – man denke etwa an die Winterspiele in Sotschi im Jahr 2014. Die Corona-pandemie macht es für den ORF noch schwieriger, die Topleistungen der heimischen Sportler in die Wohnzimmer des Landes zu bringen

Im Normalfall, so ORF-Sportchef Hans Peter Trost im Gespräch mit medianet, würde das Team rund 150 Personen umfassen. So sind es nur rund 50: „Unter Nicht-Corona-Bedingungen wäre ein Großteil derer, die jetzt in Wien bleiben, in Peking, denn natürlich ist es journalistisches Selbstverständnis, möglichst nahe am Ort des Geschehens zu sein”, erklärt er. Prominentester Ausfall aufseiten des TV-Senders – wegen eines positiven Corona-Tests – ist Anchorman Rainer Pariasek – bitter für den 57-Jährigen, der seit 1998 immer mit dabei war.

Sicherheit geht vor

Generell gehe im Fall der Olympischen Spiele in Peking auf jeden Fall „die Sicherheit aller Beteiligten vor. Die Remote-Technik macht es möglich, einen großen Teil der Olympia-Übertragungen im ORF-Zentrum abzuwickeln.” Das sei anders als in Tokio bei den Olympischen Sommerspielen 2021, denn „die Corona-Präventionsmaßnahmen des Gastgeberlandes werden noch viel strenger gehandhabt, und mit der Omikron-Variante ist die Ansteckungsgefahr weit höher als im Vorjahr”. Dennoch möchte der ORF ein besonders Erlebnis liefern.

Hautnah am Geschehen

Trotz all dieser Erschwernisse will die ORF-Sportredaktion möglichst hautnah berichten. Immerhin gilt bekanntlich: Österreich ist ein Wintersportland, an den ersten Olympia-Tagen gab es fast immer eine Medaille. Trost zeigt sich optimistisch, dass das gelingt, „umso mehr, als unsere Reporter in China täglich aktuelle Berichte und Interviews einholen”. Aufgrund von sieben Stunden Zeitverschiebung müssen die ORF-Mitarbeiter und die Sportfans die eine oder andere Nachtschicht einlegen.

Bis zu 31 Stunden täglich sendet der ORF nun Material, seit 4. Februar und noch bis Sonntag, 20. Februar. ORF 1 und ORF Sport + bieten jeweils rund 250 Stunden Live-Berichterstattung. Es gibt das Olympia-Update, ein eigenes Studio, die wichtigsten Entscheidungen – nicht nur im linearen TV bzw. als Stream.
Auch die Radios bieten einen Überblick und sind, wie Ö3, bei den wichtigsten Entscheidungen mit dabei. Neben den gewohnten Updates inklusive Bewegtbild im Internet markieren die Olympischen Winterspiele auch den Startschuss für einen „Sport-Screen” auf der gelben Seite sport.ORF.at, der auch über die Spiele hinaus bestehen bleiben wird. Die Plattform biete für alle Sportinteressierten zusätzliche Angebote, bessere Features und mehr Hintergrundberichterstattung, hieß es vonseiten des ORF bei der Präsentation des Olympia-Programms.
Für blinde und sehschwache Menschen sind insgesamt sieben Audiokommentatorinnen und -kommentatoren für den ORF im Einsatz; sie liefern einen Live-Blindenkommentar für alle alpinen Skidisziplinen und Highlights sowie Entscheidungen in den Snowboardbewerben. Mit Audiokommentar und Untertitelung sind zudem die Zusammenfassungen vom Vortag und Übertragungen ab 9.00 Uhr in ORF1 versehen.

Die andere Seite von China

Neben all dem Jubel gilt es vonseiten des ORF, auch über die negativen Aspekte der Spiele zu berichten. Schließlich steht das Land seit Jahren im Fokus wegen Menschenrechtsverletzungen – sei es in Tibet, Hongkong oder Xinjiang, der Provinz, die von der ethnischen Minderheit der Uiguren bewohnt wird.

Wird da etwas ausgespart? „Nein, da wird nichts ausgespart” – ORF-China-Korrespondent Josef Dollinger berichtet in enger Abstimmung auch mit dem ORF-Sport seit Monaten kritisch von den Olympischen Spielen, zahlreiche TV- und Radio-Beiträge befassen sich mit dem Thema. Und auch online gibt es regelmäßig Storys dazu. Dieser Anspruch ist für den öffentlich-rechtlichen ORF besonders wichtig”, stellt Trost klar.
ORF 2 etwa zeigte im Rahmen von „Weltjournal” und „Weltjournal +” die Reportagen „China – die überwachten Spiele” bzw. „Der Chinesische Traum – Immobilien ohne Ende”. Und auch Ö1 widmete im Radio den Spielen einen Schwerpunkt.

Gute Werbung?

Rund um die Spiele soll natürlich auch geworben werden können. Das ist alleine schon für die Partner des Österreichischen Olympischen Comités wichtig. Nationale Partner sind etwa Kornspitz, Doppelmayr oder Stiegl. Internationale Partner von Olympia sind in der Größenordnung von Airbnb, Alibaba, Coca-Cola oder Samsung und Toyota zu finden.

Die Zeitverschiebung macht es auch nicht einfacher für den ORF: „Natürlich sind uns mitteleuropäische TV-Verantwortlichen Sport-Großereignisse lieber, deren wichtigste Entscheidungen zur Primetime stattfinden – sowohl was die Reichweiten betrifft als auch das entsprechende Werbeumfeld. Aber das ist nun mal Olympia mit seinen weltumspannenden Gastgeberländern. ”
Es sind also unter verschiedenen Gesichtspunkten dieses Mal ganz besondere Olympische Spiele. Indes freuen sich die Sportfans über erwartete und überraschende Medaillen. Und wer Topsport bei den nächsten Olympischen Spielen, die 2024 stattfinden, zu europäischen Uhrzeiten sehen will, kann sich gemeinsam mit Hans Peter Trost auf Paris im Sommer freuen, denn da „wird das wieder anders aussehen”.

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