MARKETING & MEDIA
Redaktion 13.09.2019

Ja, dürfen’s denn des überhaupt?

Statt über die Leaks zu diskutieren, hyperventiliert man lieber über die Investigativjournalisten selbst.

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

THEMENVERFEHLUNG. Wir erinnern uns noch alle an die Affäre Silberstein im Schlusswahlkampf 2017; damals deckten Die Presse und das profil eine Dirty Campaigning-Aktion der SPÖ auf, durchgeführt von ihrem Berater Tal Silberstein. Zu Recht wurden die Roten durch Sonne und Mond gejagt; auch dafür, dass sie dann, als sie sich endlich zur Affäre äußerten, just mit profil und Presse jene beiden Medien nicht zur Pressekonferenz einluden, die die Causa ans Licht der Öffentlichkeit gebracht hatten.

Und zu Recht regte man sich auch in der ÖVP über diese skandalöse Vorgangsweise den Medien gegenüber auf.
Nun, da es umgekehrt ist, und der Falter durch ihm zugespielte Unterlagen publik machte, dass die ÖVP trotz eines öffentlichen Versprechens des Kanzlers, sich für 2019 aber nun wirklich an die Wahlkampfobergrenze halten zu wollen, diese nun wieder nicht eingehalten hat, stürzen sich alle auf den Kollegen Florian Klenk und kritisieren ihn. Auch dafür, dass der Falter diverse andere Kosten der Partei wie kostspielige Friseur-Besuche um 600 Euro oder noch teurere Privatflüge um gleich mehrere Tausend Euro – wie gesagt alles Steuergelder – veröffentlichte.

Und was ist mit den anderen?

Erinnern wir uns: Als vor gar nicht so langer Zeit heimische Medien – vom Boulevard bis zur Qualitätszeitung – einen Besuch von Pamela Rendi-Wagner im exklusiven Club 55 während ihres Urlaubs auf Ibiza groß in ihren Blättern brachten, fanden genau jene, die sich nun über die Berichterstattung über teure Extras bei Kanzler Kurz aufregen, nichts dabei, die SPÖ-Chefin, die ihren Club-Besuch privat bezahlt hatte, öffentlich dafür zu diskreditieren.

Aber am kuriosesten fand ich den Vorwurf mancher Medienmacher auf Twitter & Co, der Falter hätte zuerst auch bei den anderen Parteien zu den Parteifinanzen recherchieren sollen und nicht nur jene der ÖVP aufdecken.
Da muss ich dann leider zurückfragen: Und warum haben sie es nicht selbst gemacht?

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