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Redaktion 14.04.2023

Mein Haus, mein Auto, meine Yacht

Das Dilemma der Nachhaltigkeit und ­Grünfärberei mit garantiert nachhaltig zertifizierten Lacken.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

 

WANDELBARES. „Die Gesellschaft ist gespalten zwischen jenen, die sich Sorgen um ihre Zukunft machen, und jenen, die nicht verstehen, warum alles, wofür sie bisher gearbeitet haben, plötzlich ‚böse' ist, nicht mehr erstrebenswert. Die Ziele ‚mein Haus, mein Auto, mein Schiff' haben sich überlebt, sie sind nicht nur outdated, sondern plötzlich Bestandteil eines dystopischen Zukunftsszenarios”, schreibt ÖMG-Präsidentin Barbara Rauchwarter in ihrem klugen Gastkommentar auf Seite 34 dieser Ausgabe („Muss Nachhaltigkeit auch immer sexy sein?”). Und: Nein, „Sexyness” brauche es nicht, um die zunehmend negative Konnotierung aller Verhaltensweisen, die planetenerhaltend wirken, loszuwerden. (Aber lesen Sie selbst!)

Es gibt, derzeit regnet es wieder Quartalsberichte, allerdings auch Sparten, die relativ unbeeinträchtigt von Dystopie und bad feelings ihr Geschäft betreiben. Die Zielgruppe sind nicht jene, die (mein Haus!) die Erbschaftssteuer fürchten wie der Teufel das Weihwasser, die (mein Auto!) die Pendlerpauschale als wahlentscheidend betrachten und (mein Schiff!) die kürzliche Renovierung ihrer Pachthütte am Neusiedlersee beweinen.

Denn diese glücklichen Wirtschaftszweige bedienen vorrangig jene, die sich notfalls per Klimaflucht vom Wandel verabschieden und ein Chalet in Kanada beziehen. Kurz: Der Luxusgüterkonzern LVMH hat einen glänzenden Jahresstart hingelegt. Im ersten Quartal wuchs der Umsatz um 17% auf gut 21 Mrd. Euro und übertraf die Erwartungen von Analysten – das ist fast noch wichtiger als die tatsächliche Geschäftsgebarung – um mehr als eine Mrd. Euro. Jetzt ist es nicht so, dass etwa die Haute Couture-Branche Sustainability nicht thematisiert: Man produziert längst nachhaltig, näht schon immer per Hand (auch) in Paris, während Fast Fashion mehr CO2 produziert als sämtliche internationalen Flüge und Kreuzfahrten zusammen. Die Lösung liegt auf der Hand: Bekämpfen Sie Ihren Frust ob des Zustands der Welt nicht mit billigen Fetzen, sondern mit einer teuren Handtasche.

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