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© Herold Druck & Verlag

Redaktion 03.12.2021

Mix aus Papierknappheit und steigenden Preisen

Thomas Unterberger, Geschäftsführer Herold Druck & Verlag, über den „Teufelskreis für Druckereien”.

••• Von Britta Biron

WIEN. Über die Klopapier-Panik während des ersten Corona-Lockdowns und die seither im Netz kursierenden Memes kann man sich heute amüsieren; abgesehen vom stillen Örtchen herrscht bei Papier, etwa für Zeitungen, Magazine oder Werbeprospekte, aber tatsächlich eine veritable Versorgungskrise.

„Wir haben kürzlich mit einem großen Papierhersteller, von dem wir pro Jahr zwischen 2.500 und 3.000 Tonnen beziehen, verhandelt und wollten für 2022 ähnliche Menge ordern – eher in der Größenordnung von 3.000 Tonnen –, und der Verkäufer hat gefragt, ob wir tatsächlich so viel wollen oder nicht vielleicht 1.700 Tonnen auch reichen würden”, nennt Thomas Unterberger, Geschäftsführer der zur P&V Gruppe gehörenden Herold Druck & Verlag, als Beispiel für die angespannte Lage.
Dass Lieferanten nicht mehr, sondern weniger verkaufen wollen, sei eine völlig neue Erfahrung. Unter diesen Umstände müsse man schon froh sein, wenn man ausreichend Papier für das laufende Geschäft bekommt und die Kontingente für das kommende Jahr nicht drastisch gekürzt werden.
„Wenn jetzt ein Verlagskunde kommt und den Umfang von 32 auf 48 erhöhen möchte, weil überraschenderweise doch mehr Inserate verkauft wurden, kann man diesem Wunsch oft nicht nachkommen. Neukundenakquise ist unter diesen Voraussetzungen ebenfalls ganz schwierig, bzw. nur dann möglich, wenn man zufälligerweise Papier übrig hat – etwa weil ein anderer Auftrag ausgefallen ist – oder der Kunde das Papier selbst mitbringt”, sagt Unterberger.
Erschwerend kommt hinzu, dass das zu niedrige Angebot zu drastischen Preissteigerungen geführt hat. War eine Tonne Zeitungspapier im ersten Quartal 2021 noch um rund 400 € zu haben, sind aktuell über 600 € fällig, was einer Teuerungsrate von mehr als 50% entspricht. Und eine Ende des Aufwärtstrends ist momentan nicht in Sicht – Unterberger hält für 2022 ein Niveau von mehr als 700 € pro Tonne für durchaus wahrscheinlich.

Rohstoffmangel

Die Gründe für die knappen Mengen und hohen Preise liegen nur zum Teil an der Pandemie. Parallel zu den sinkenden Auflagen der Printmedien und dem Shift zur Onlinewerbung produzierten die Papierhersteller in den letzten Jahren weniger grafisches Papier und konzentrierten sich vermehrt auf den boomenden Verpackungssektor. Dieser Trend wurde durch Corona noch weiter verstärkt.

In den EU-27-Staaten wurden 2020 4,31 Mio. t Zeitungspapier produziert – fast ein Viertel (22,2%) weniger als 2019. Entsprechend geringer fallen daher auch die Altpapiermengen aus, und die Papierhersteller müssen ihrerseits für diesen Rohstoff tiefer in die Tasche greifen. Laut dem Statistischen Bundesamt in Deutschland hat sich der Großhandelspreis für gemischtes Altpapier im September 2021 gegenüber dem Vorjahresmonat mehr als verdreifacht (+222,4%). Auch andere Grundmaterialien für die Papierherstellung, wie Holz- und Zellstoff, haben sich deutlich verteuert, ebenso wie die Transport- und Energiekosten.
Anders als die Papierhersteller können die Druckereien die höheren Preise – die beschränken sich nicht nur auf das Papier, sondern betreffen auch Druckplatten und Farben – aber nur bedingt an ihre Kunden weitergeben.

Fatale Situation

„Im Akzidenzbereich, wo jeder Auftrag neu kalkuliert wird, ist das leichter als im Zeitungssektor, wo es Jahres- oder Mehrjahresverträge gibt, in denen so eklatante Preisanpassungen nicht vorgesehen sind”, sagt Unterberger. Wenn Printprodukte teurer werden, sei die logische Folge, dass an anderen Stellen gespart werde, dass Verlage etwa geplante Umfangerweiterungen oder zusätzliche Auflagen streichen und Werbung noch stärker in den digitalen Bereich abwandert. „Das ist ein Teufelskreis für Druckereien, aber auch für die Papierhersteller, die sich mit der starken Erhöhung der Papierpreise selbst ins Knie schießen.”

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