RETAIL
© Philipp Lipiarski

Benedikt Zacherl (r.) stieg zu Jahresbeginn in die Geschäftsführung auf, Florian Czink leitet seit September die Schlumberger-Vertriebstochter Top Spirit.

Redaktion 09.10.2020

Es weht ein frischer Wind durch die Sektkellerei

Schlumberger reicht LEH und Gastronomie die Hand und positioniert sich als nationales Aushängeschild.

••• Von Paul Hafner

Benedikt Zacherl hat ein bewegtes erstes Dreivierteljahr an der Spitze von Schlumberger hinter sich: Nach über zwölf Jahren in leitenden Positionen in Marketing, Vertrieb und Unternehmenskommunikation bekleidet er seit Jahresbeginn das Amt des Geschäftsführers.

Dass Zacherl heute davon spricht, dass man „auch aus dieser Situation gestärkt herauskommen” werde, ist Zeugnis seiner bestandenen Feuertaufe: Inmitten der Krise hat Schlumberger schon Ende Juni wieder vom Kurzarbeitsmodell auf Vollbeschäftigung gewechselt und sich große Ziele gesteckt: Die qualitative Marktführerschaft in allen Preissegmenten in Österreich sowie deutliches Wachstum im Exportgeschäft.

Relaunch auf allen Ebenen

Es weht ein frischer Wind durchs Haus Schlumberger, personell wie im Portfolio: Kürzlich übernahm der langjährige Marketing Director Florian Czink die Geschäftsführung der Vertriebstochter Top Spirit (medianet berichtete), in seiner neuen Rolle verschmelzen Marketing und Gastronomievertrieb.

Während Czink das Gastro-Geschäft mit neuen Impulsen beleben soll, zählt künftig das Marketing der hauseigenen Marken – Schlumberger, Hochriegl, Goldeck und Mozart – zum Aufgabenbereich Zacherls.
Die Marke Schlumberger, Nummer eins in der Gastronomie, erlebte heuer den größten Relaunch der letzten 40 Jahre: Beim Design wurde auf ein zeitgemäßes Erscheinungsbild gesetzt, das dennoch der Tradition Rechnung tragen soll; es ist von Vereinfachungen und weniger Schnörkel geprägt, mit dem prominenten Etikett „Austrian Sparkling” positioniert man sich selbstbewusst als Botschafter für österreichischen Sekt. Damit einhergehend wurde das Produktsortiment gestrafft und umfasst nunmehr neben der Klassik- und Lifestyle-Linie (Ice Secco) neben Großer Reserve eine auf drei Sorten reduzierte Reserve.

Noch mehr Luft nach oben

Viel Potenzial sieht Schlumberger auch bei seinen anderen Marken. Hochriegl feiert heuer sein 130-jähriges Bestehensjubiläum; 2009 von Kattus übernommen, konnte der Absatz binnen vier Jahren mit Innovationen wie Rosé, Blanc de Blanc, einer Frizzante-Linie sowie einer alkoholfreien Linie auf 141% bzw. 3,3 Mio. Flaschen gesteigert werden – bis heute ist Hochriegl die bekannteste und absatzstärkste heimische Sektmarke im Lebensmittelhandel.

Um die Handelsmarke weiter zu pushen, werden im Zuge eines großen Online-Gewinnspiels nebst Preisen wie Wien-Wochenenden, Musicalkarten und Dinner-Gutscheinen auch 500.000 Flaschen der Sorten Trocken und Rosé verlost.
Während man bei der Marke Schlumberger bis 2025 einen Exportanteil von 50% anstrebt, liegt dieser bei den Mozart-Schokoladelikören bereits bei 90%. Hier sieht man Wachstums­potenzial für die Märkte in Japan, Australien, Großbritannien sowie den USA – und vielleicht auch in Österreich: Verkostungen hätten gezeigt, dass das vermeintliche Mitnehm- bzw. Mitbringsel auch heimischen Gaumen munde, so Zacherl.

Regionalität im Glas

Schließlich will man auch die Marke Goldeck – die älteste registrierte Weinmarke Österreichs – stärker positionieren: 2018 im Zuge eines Relaunchs um die Sorten Welschriesling und Rosé erweitert, winkt Gastronomen eine Win-Win-Situation: günstige Konditionen und ein regionales Ausrufezeichen auf der Getränkekarte.

Denn, so Zacherl: „Sobald es zu sprudeln beginnt, wird die Regionalität schnell einmal vergessen.” Dabei steigt im LEH wie in der Gastronomie die Nachfrage nach heimischem Sekt: Hier wie dort möchte Zacherl auf eine stärkere Zusammenarbeit setzen und auch dem Herkunftsbewusstsein und Regionalitätsbedürfnis der Konsumenten – Stichwort Erhalt der Wertschöpfungskette – Rechnung tragen.
Handel und Gastronomie seien hier wichtige Ansprechpartner, nicht nur der Konsument selbst – auch, um von der Auffassung von Sekt als feierlichem Ausnahmegetränk wegzukommen. Dass dieser – freilich langfristig – zu Hause wie im Lokal eine Alternative zum klassischen Achterl oder G’spritzten darstellen könne, zeige sich nicht zuletzt an der Popularität des Proseccos.

Bewältigung der Krise

Freilich hatte die Krise weitreichende Auswirkungen auf das Unternehmen: Massive Einschränkungen in (Nacht-)Gastronomie und Tourismus, weniger Hochzeiten und Abend­empfänge sowie der Totalausfall der Ballsaison bedeuten massive Einbußen im Vergleich zu den Vorjahren, Zacherl rechnet mit 15-20% Rückgang in der Hauptsaison (Ende Oktober bis Jahreswechsel) sowie rund 30% über das Geschäftsjahr 2020.

Gleichzeitig ist es gelungen, die 150 Mitarbeiter sicher und ohne Covid-Fall durch die Pandemie zu begleiten sowie die Produktions- und Lieferfähigkeit bei gleichzeitiger Umstellung auf Homeoffice erfolgreich zu managen.
„Die Krise hat den Zusammenhalt im Unternehmen spürbar positiv beeinflusst, und die Schlumberger-Familie ist noch enger zusammengewachsen. Wir sind stolz, wie jede und jeder Einzelne im Unternehmen dazu beiträgt, diese herausfordernde Zeit zu meistern”, so Zacherl, der mit der gesamten Geschäftsleitung auf einen Teil seiner Jahresprämien verzichtet hat. Gemeinsam mit den Mitarbeitern habe man viel aus der ungewöhnlichen Situation gelernt, „wir gehen gestärkt in die Zukunft”.
Bei allen Schwierigkeiten, die die Krise verursachte (und weiter verursacht), brachte sie im Mai im Zuge des Gastro-Pakets auch das Ende der 2014 wiedereingeführten Sektsteuer – und damit auch einen Triumph für Benedikt Zacherl: „Unsere jahrelangen Interventionen waren letztendlich erfolgreich.”

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