RETAIL
© Christian Dusek

Redaktion 24.01.2020

Ja! Natürlich setzt auf Graspapier statt Plastik

Bio-Pionierin Martina Hörmer verleiht der Nachhaltigkeit in Sachen Verpackung mehr Nachdruck.

••• Von Christian Novacek

Verpackung verschwindet nicht einfach, nur weil man sie wegwirft – „wir drohen alle in einem Meer aus Plastik zu versinken”, folgert demnach Ja! Natürlich-Chefin Martina Hörmer mit aller zur Stunde gebotenen Dramatik. Unter dem Verweis darauf, dass „jeder einen Beitrag leisten muss”, damit doch noch die Rettung aus der Plastikflut passieren kann, hat es die Marke Ja! Natürlich bereits frühzeitig angepackt: Seit 2011 stellt die Bio-Marke Verpackungen bei Obst und Gemüse schrittweise auf losen Verkauf und Green Packaging um: mit Zellulose-Folie oder -Netzen aus FSC-zertifiziertem Holz, mit Laser Branding sowie dem Einsatz von Graspapier und biologisch abbaubaren Beuteln als Verpackungs-Alternativen.

Klimarelevant sauber agiert

Die Bilanz, wie in der aktuell laufenden Kampagne verkündet: Seit 2011 wurden rund 1.000 t Plastik eingespart; die erreichte Einsparung klimarelevanter Gase und Emissionen entspricht dem CO2-Wert von 440 Weltumdrehungen mit einem Durchschnitts-Pkw oder der Pflanzung von nahezu 700.000 Bäumen. Hörmer dazu: „Ich bin froh, dass wir als Ja! Natürlich-Team beim Thema Green Packaging Vorreiter sein durften und bereits wichtige Schritte gegen die Verpackungsflut setzten, als das Thema noch nicht in aller Munde war.”

Das Motto lautet auf so viel Verpackung wie nötig – und so wenig wie möglich. „Wo immer es geht, bieten wir Obst und Fruchtgemüse lose und ohne Verpackung an”, führt Hörmer aus. Und wenn das aus Gründen der Hygiene oder der Haltbarkeit mal nicht möglich sein sollte, wird der Einsatz fossiler Rohstoffe minimiert – vor allem wird auf Plastik verzichtet, denn: „Das wird von Ja! Natürlich erwartet und das sind wir unserer Community schuldig.”

150.000 Tonnen Plastik im LEH

Die Rolle, die Ja! Natürlich mit 1.000 eingesparten Tonnen in Sachen Trockenlegung des Plastik-Meeres spielt, relativiert Manfred Tacker, Verpackungsexperte von der Fachhochschule Campus Wien: „In Österreich fallen jährlich mehr als 300.000 Tonnen Kunststoffverpackungen an; etwa die Hälfte davon wird für Lebensmittel verwendet.” Damit ist zwar zum einen klar ausformuliert, welche wichtige Rolle der LEH als Gatekeeper hier wahrnehmen kann – es bleibt aber dennoch offen, inwieweit sich der Handel tatsächlich verpflichtet fühlen soll bzw. muss, diese Rolle auch wahrzunehmen.

Denn letztlich lebt der Handel davon, Lebensmittel zu verkaufen und nicht davon, sie zu entsorgen. Entsprechend nüchtern konstatiert auch Bio-Pionierin Hörmer: „Der Lebensmittelhandel kann nicht alles machen – aber wo es geht, nämlich bei den Eigenmarken, gehen wir mit gutem Beispiel voran.”

Mehrweg als Ausweg?

Abseits des guten Willens hakt es oft im Detail. Etwa: 30% der Verpackungen sind industriell gar nicht recyclingfähig; der positive Fluchtpunkt am Horizont lautet auf Erhöhung der Mehrwegquote, v. a. bei Getränken. Da ist bereits viel passiert, und die Akzeptanz macht Mut. Beispielsweise wird die Ja! Natürlich-Milch bereits zu einem Drittel in der Mehrwegflasche verkauft – Tendenz steigend.

Entsprechend liegt für Ja! Natürlich eine Hauptaufgabe für 2020 darin, bei jedem neuen Produkt die Verpackung mitzudenken. Dabei auch nicht unwesentlich: die Verpackungsgröße. Denn die größte CO2-Belastung verursacht nicht die Verpackung der Ware, sondern die Ware selbst, wenn sie weggeschmissen wird.
Dennoch: Die Ozeane und deren Bewohner würden eine rasche Reduktion an Verpackungsmaterial sicher gutheißen. „Über Flüsse gelangen rund acht Millionen Tonnen Plastik pro Jahr in die Ozeane. Auch in Österreich, wo es ein verhältnismäßig gutes Recyclingsystem gibt, wird vieles weggeworfen”, fasst etwa Gerhard Herndl, Meeresbiologe der Universität Wien, den Status quo zusammen.

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