„Man muss wissen, was man tut – und mit wem“
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CAREER NETWORK Redaktion 29.10.2026

„Man muss wissen, was man tut – und mit wem“

Der langjährige Botschafter ­Christian Fellner über Chancen heimischer ­Unternehmen in Afrika – und den ­Bildungshunger der Jungen.

•• Von Reinhard Krémer

Nur wenige kennen den Hoffnungsmarkt Afrika so genau wie der frühere Botschafter in Kenia, Christian Fellner. Im Interview spricht er über Chancen und Risiken österreichischer Firmen auf dem Milliardenmarkt.

medianet: Welche Länder Afrikas sind wirtschaftlich am Stärksten?
Christian Fellner: Das Problem ist immer, wie man die Dinge vergleicht. Seychellen sind wirtschaftlich stark, aber sehr klein, also im Gesamtvolumen sind die nicht so auffällig, Nigeria ist wirtschaftlich extrem chaotisch und recht einseitig auf Öl ausgerichtet und daher würde ich Nigeria nicht als wirtschaftlich erfolgreich bezeichnen, wohl aber als ‚stark‘. Kenia macht sich recht gut, weil der private Sektor recht gut funktioniert, ein recht freies Umfeld hat. Tansania hat ebenfalls erstaunlich gute Wachstumsraten, wiewohl der Privatsektor hier schwächer ist und der Staat immer noch ein überbordendes Regelwerk vorgibt. Ruanda ist sicherlich im Kommen. Das Land fällt durch ein sehr gutes Umfeld für die Privatsektor auf. Das Rechtssystem funktioniert vergleichsweise gut und die Korruption ist niedriger als in vielen EU-Staaten.

medianet: Welche Produkte aus Österreich könnten am afrikanischen Markt reüssieren?
Fellner: Österreich hat eine ausgesprochen spezialisierte Industrie. Die meisten Produkte sind keine Massenware, die günstig verkauft werden, sondern eher für Kenner, die die hohe Qualität und auch das After-Sales-Service schätzen. Das geht mitunter so weit, dass auf einzelne Produkte – wie die Turbinen der An­dritz Hydro – 100 Jahre Garantie angeboten werden. Leider sind österreichische Unternehmen immer noch zurückhaltend, was den afrikanischen Markt anlangt. Wir haben aber ein ausgesprochen gut vernetztes Außenwirtschafts-Center und die Leute dort können auf der einen Seite Zugang zu Märkten erleichtern, auf der anderen Seite aber auch vor allfälligen Risiken warnen.

medianet: Welche Gefahren können ausländischen Unternehmen drohen?
Fellner: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Unternehmer Rat nicht immer annehmen – und dann gibt es naturgemäß Risiken, die immer mit Geschäften verbunden sind. Besonders problematisch sind Glücksritter, die meinen, es habe ihnen ein ‚guter Freund‘ erzählt, dass da oder dort ein Vermögen zu machen sei, weil der gute Freund jemanden kennt, der Zugang zum Beispiel zu Minen im Kongo habe. Das kann im besseren Fall ein Desaster werden, im schlech­teren kann es sogar tödlich enden.

So versuchen wir Auslandsvertretungen Menschen, die meinen, sie können ohne viel Aufwand ein großes Vermögen machen, zu warnen.  Es gilt, wie wohl überall auf der Welt: man muss wissen, was man tut und mit wem man es tut. Und das hat damit zu tun, dass man erst einmal seine Hausübungen macht, den Markt erkundet und Hintergrundinformationen einholt.

medianet: Was erachten Sie sonst noch für wichtig?
Fellner: Besonders wichtig erscheint mir, dass man am Narrativ über Afrika arbeitet. Afrika hat generell einen sehr guten Weg hinter sich in den letzten dreißig Jahren. Von Ausnahmen abgesehen geht es in allen Regionen wesentlich besser als zuvor: die Lebenserwartung ist deutlich angestiegen, fast alle Kinder gehen in die Schule, es wurden Spitäler gebaut und Gesundheitszentren, es wurden Straßen gebaut, sodass die Menschen diese Einrichtungen auch erreichen können, in manchen Dingen sind afrikanische Staaten uns sogar voraus: das elek­tronische Bezahlsystem mit dem Mobiltelefon geht mir in Europa regelrecht ab. Und afrikanische Studierende

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