••• Von Alexander Haide
WIEN. Österreich und Europa stehen unter wachsendem Wettbewerbsdruck. Der globale Wettlauf um Talente und Schlüsseltechnologien entscheidet über Wohlstand und technologische Souveränität. Die Industriellenvereinigung (IV) und die TU Austria legten vergangene Woche gemeinsame Vorschläge für ein leistungsfähiges, international wettbewerbsfähiges Hochschulsystem vor. Drei Ziele stehen im Mittelpunkt: Mehr MINT-Talente gewinnen und halten, Exzellenz und Profilbildung der Universitäten stärken und Forschung durch Kooperation schneller in Wertschöpfung übersetzen.
40.000 Techniker fehlen
„Im globalen Wettlauf um Schlüsseltechnologien müssen wir unsere Potenziale voll ausschöpfen“, betont IV-Präsident Georg Knill. „Unsere Unternehmen suchen weltweit nach exzellenten Forschungspartnern und finden sie an Österreichs Hochschulen. Diese Stärke müssen wir ausbauen, indem Universitäten und Industrie noch enger zusammenarbeiten.“ Nur so könne Österreich „in den Schlüsseltechnologien eine führende Rolle einnehmen und die Industrie weiterhin die Basis für unseren Wohlstand schaffen“.
Technische Universitäten bilden hochqualifizierte Fachkräfte aus, entwickeln Schlüsseltechnologien und schaffen damit die Grundlage für Innovation. Gleichzeitig verschärft der demografische Wandel den Fachkräftemangel: In der Industrie fehlten zuletzt rund 40.000 Techniker. Drei von vier Industrieunternehmen melden Engpässe bei Hochqualifizierten, besonders in Technik, Produktion und IT. Bis zum Jahr 2030 entstehen zudem zehntausende zusätzliche MINT-Jobs in Schlüsseltechnologien. Gleichzeitig werden nur 64% aller Studien prüfungsaktiv betrieben und die Studienabbruchsquote liegt bei technischen Studien bei rund 52%.
Viele ausländische Studenten
Angesichts dessen braucht es eine durchgängige MINT-Offensive vom Kindergarten bis in die Forschungslabore und Unternehmen mit dem Ziel, mehr Absolventen, mehr Praxisbezug und mehr Frauen in der Technik zu gewinnen. Ein zweiter Schlüsselfaktor sind internationale Talente. Rund ein Viertel der Studierenden in Österreich kommt aus dem Ausland, in technischen Master- und Doktoratsprogrammen ist der Anteil oft deutlich höher.
Technische Universitäten sind der Hebel für Österreichs Zukunftsstrategien. Die Industriestrategie Österreich 2035 der Bundesregierung setzt auf Exzellenz, Innovation, Digitalisierung und Fachkräftesicherung in Schlüsseltechnologien. Die Hochschulstrategie 2040 bietet die Chance, diese Ziele stärker zu verzahnen und die technischen Universitäten als Schlüsselinstitutionen eines leistungsfähigen Innovationsökosystems zu positionieren.
Exzellenz, Talente, Transfer
Die Innovationsleistung der Universitäten ist messbar. Beinahe drei Viertel aller akademischen Patentanmeldungen im Zeitraum 2000 bis 2025 gehen auf die Universitäten zurück. Um wissenschaftliche Exzellenz schneller in Wertschöpfung zu übersetzen, wollen IV und TU Austria die Scale-up-Lücke schließen und ihre Kooperationen mit Industrieleitbetrieben massiv forcieren. Zwischen Forschungserfolg, Ausgründung und internationalem Wachstum fehlt es an kapital- und strukturstarken Brücken.
„Die technischen Universitäten übernehmen mit klaren Zielen und messbaren Meilensteinen Verantwortung. Die Hochschulstrategie 2040 und ein ambitioniertes, eigenständiges europäisches Forschungsrahmenprogramm müssen uns dabei den Rahmen geben, damit wir Exzellenz, Talente und Transfer auf die nächste Stufe heben können“, so TU Austria-Präsident Horst Bischof.