Wer kann sich Urlaub in Salzburg noch leisten?
© TSG Tourismus Salzburg GmbH/G. Breitegger
DESTINATION Redaktion 08.10.2026

Wer kann sich Urlaub in Salzburg noch leisten?

Der scheidende Tourismuslandesrat Stefan Schnöll im Interview vor seinem Rückzug aus der Politik.

•• Von Alexander Haide

Sein Rückzug kam für viele überraschend: Stefan Schnöll, seit Juni 2023 in der Salzburger Landesregierung für Tourismus zuständig, dreht ab Anfang November der Politik den Rücken. Zuvor sprach er mit medianet noch über die aktuelle Lage, die Herausforderungen und die Zukunft des heimischen Tourismus.
Das Interview bildet zugleich den Auftakt zur neuen medianet destination-Serie „Tourismus & Politik“, in der die Tourismusverantwortlichen der Länder zu Wort kommen.

medianet: Es gibt zum Teil Kritik aus der Bevölkerung, dass der touristische Druck auf die Stadt Salzburg und etwa im Flachgau und Pongau zu groß ist. Wie viele Touristen verträgt Salzburg?
Stefan Schnöll: Ich würde diese Frage nicht mit einer nackten Zahl beantworten. Entscheidend ist nicht nur, wie viele Gäste kommen, sondern auch, wann und wohin sie kommen, wie lange sie bleiben und welchen Beitrag sie zur Wertschöpfung leisten.
Der Tourismus ist eine der wertschöpfungsstärksten Branchen unseres Landes und ein ganz wesentlicher Arbeitgeber in Salzburg. Ohne die Leistung der vielen Betriebe und Menschen, die im Tourismus arbeiten, wären wir als Bundesland wirtschaftlich nicht dort, wo wir heute stehen. Von dieser Wertschöpfung profitieren nicht nur die Tourismusbetriebe, sondern zahlreiche Bereiche unserer gesamten Wirtschaft.
Genauso klar ist aber: Tourismus muss im Einklang mit den Menschen stehen, die hier leben. Die Akzeptanz der Bevölkerung ist eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche touristische Entwicklung. Wenn Menschen das Gefühl haben, dass ihre Lebensqualität durch den Tourismus beeinträchtigt wird, müssen wir das ernst nehmen und Lösungen finden.
Deshalb geht es für mich nicht um ‚möglichst viele Gäste‘, sondern um Qualität statt reiner Mengensteigerung, um eine bessere Verteilung der Gästeströme und um eine möglichst hohe Wertschöpfung bei hoher Akzeptanz in der Bevölkerung.
Salzburg hat im vergangenen Tourismusjahr mit 30,5 Millionen Nächtigungen einen neuen Höchststand erreicht, gleichzeitig entwickelt sich das Land immer stärker zur Ganzjahresdestination. Das ist grundsätzlich eine sehr gute Entwicklung, weil sie die Nachfrage besser über das Jahr verteilt.

medianet: Salzburg gilt als sehr teure Stadt, vor allem durch Kurzzeitvermietungen und Ferienwohnungen sind die Preise gestiegen. Sind hier Gegenmaßnahmen geplant?
Schnöll: Wo Wohnungen zweckentfremdet werden und entgegen den gesetzlichen Vorgaben touristisch genutzt werden, braucht es konsequenten Vollzug. Salzburg ist mit seinen raumordnungsrechtlichen Regelungen hier durchaus vorbildhaft. Gleichzeitig wäre es aber falsch, die gesamte Preisentwicklung am Wohnungsmarkt allein dem Tourismus zuzuschreiben. Dafür gibt es mehrere Ursachen. Der Tourismus braucht die Menschen, die hier leben und arbeiten. Deshalb ist eine vernünftige Wohnraumpolitik auch eine wichtige Voraussetzung für einen funktionierenden Tourismus.

medianet: Es wird moniert, dass die Infrastruktur und die Nahversorgung sich eher an Touristen orientieren anstatt an Einheimischen.
Schnöll: Natürlich profitieren wir davon, wenn Salzburg für Gäste attraktiv ist. Aber wenn in einer Innenstadt irgendwann nur noch Souvenirläden, touristische Angebote und internationale Ketten zu finden sind, verliert eine Stadt einen Teil ihrer Identität. Das ist deshalb eine Frage der richtigen Balance. Wir brauchen attraktive touristische Angebote, aber genauso eine funktionierende Nahversorgung, regionale Betriebe, Handwerk, Gastronomie und Geschäfte für die Menschen, die hier leben.

medianet: Kritiker bemängeln, dass Salzburgs Tourismusverbände oft wie abgeschottete Einheiten (‚Black Boxes‘) agieren und trotz öffentlicher Gelder kaum wirksame Kontrollrechte seitens der Politik oder des Rechnungshofs zulassen.
Schnöll: Diese pauschale Darstellung der Salzburger Tourismusverbände als ‚Black Boxes‘ weise ich ganz klar zurück. Tourismusverbände sind Ausdruck gelebter unternehmerischer Selbstverwaltung. Sie entstehen in Salzburg durch den Beschluss der Unternehmer im jeweiligen Verbandsgebiet und werden von ihren Mitgliedern getragen. Diese Mitglieder sind der Souverän des jeweiligen Verbandes und haben umfassende Mitwirkungs- und Kontrollrechte.
Auch die Finanzierung erfolgt nicht aus einem anonymen Topf. Sie basiert im Wesentlichen auf Verbandsbeiträgen der Mitglieder und der Nächtigungsabgabe. Für die Verwendung dieser Mittel gibt es klare gesetzliche Vorgaben und Kontrollmechanismen – unter anderem Finanzreferenten und Finanzkontrollausschüsse. Deshalb halte ich es für falsch, den Eindruck zu erwecken, dort würde völlig unkontrolliert mit öffentlichen Geldern gearbeitet. Aber zwischen berechtigter Kontrolle und pauschalen Unterstellungen besteht ein Unterschied.

medianet: Können sich heimische Urlauber die Hochpreis­destination Österreich noch leisten?
Schnöll: Salzburg ist eine internationale Qualitätsdestination. Das bedeutet natürlich auch, dass wir nicht über den Preis mit jedem beliebigen Urlaubsziel konkurrieren können. Aber die Salzburger und die Österreicher dürfen sich nicht als Gäste zweiter Klasse im eigenen Land fühlen. Deshalb brauchen wir ein breites Angebot für unterschiedliche Zielgruppen. Neben hochwertigen und internationalen Angeboten muss es auch attraktive Angebote für Familien und heimische Gäste geben.
Und wir müssen stärker auf Qualität und Wertschöpfung setzen. Wenn ein Gast länger bleibt, mehr regionale Leistungen in Anspruch nimmt und damit mehr Wertschöpfung im Land erzeugt, ist das für Salzburg sinnvoller, als möglichst viele Menschen möglichst kurz durch das Land zu schleusen.

medianet: Oliver Fritz vom Wifo prognostiziert, dass es à la longue einen Rückgang der Gäste aufgrund des Schneemangels geben wird. Gibt es hierzu Überlegungen in Salzburg?
Schnöll: Wir müssen hier zweigleisig denken. Erstens: Der Wintersport bleibt für Salzburg ein ganz wesentlicher Bestandteil. Wir haben international erfolgreiche Skigebiete und eine enorme Kompetenz im Wintersport. Deshalb wäre es falsch, den Wintertourismus vorschnell abzuschreiben.
Wir müssen gleichzeitig davon ausgehen, dass sich die klimatischen Rahmenbedingungen verändern. Deshalb kann unsere Antwort nicht darin bestehen, einfach immer mehr technische Infrastruktur in immer sensiblere Naturräume zu bauen. Wir müssen vielmehr bestehende Strukturen weiterentwickeln und gleichzeitig das Angebot verbreitern: Winterwandern, Langlaufen, Wellness, Gesundheit, Kulinarik, Kultur und andere Naturerlebnisse. Die Entwicklung zur Ganzjahresdestination ist deshalb keine PR-Floskel, sondern eine echte Zukunftsstrategie. Mittlerweile entfallen bereits rund 49 Prozent der Nächtigungen auf den Sommer.

medianet: Welche Chancen bietet der Klimawandel für den Tourismus im Sommer?
Schnöll: Der Klimawandel bringt für uns natürlich Veränderungen, die wir touristisch berücksichtigen müssen. Wenn die Sommer in vielen europäischen Regionen heißer werden, kann Salzburg mit seinen Bergen, Seen und seinem Klima attraktiv sein. Aber ich würde davor warnen, den Klimawandel als touristisches Geschäftsmodell zu betrachten.
Der Sommer entwickelt sich bereits sehr dynamisch. 2025 war mit 14,9 Millionen Nächtigungen der stärkste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen. Es geht darum, dieses Wachstum so zu gestalten, dass es nicht zu neuen Belastungsspitzen führt. Mehr Qualität, bessere Verteilung und längere Aufenthalte sind hier die entscheidenden Stichworte.

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