WIEN. Noch wird die Ukraine täglich vom russischen Angriffskrieg terrorisiert. Aber Strategen denken bereits an die Zeit danach. Mit Stand Ende 2025 wurden die für einen Aufbau benötigten Mittel auf mehr als 500 Mrd. € geschätzt. Bis Kriegsende dürfte diese Summe noch einmal deutlich steigen. Für die Ukraine ist ein solcher Betrag selbst nicht zu stemmen.
Herausforderung und Chance
In die Bresche wird daher in erster Linie die EU springen müssen. Für Europa ist der Wiederaufbau der Ukraine jedoch nicht nur eine finanzielle Belastung, sondern – bei richtiger Umsetzung – vor allem auch eine strategische Investition in die eigene wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, militärische Sicherheit und geostrategische Autonomie. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw). „Richtig gestaltet, kann der Wiederaufbau der Ukraine Europas Lieferketten stärken, neue industrielle Kapazitäten schaffen und die Abhängigkeit von kritischen Energie- und Rohstoffimporten reduzieren“, sagt Olga Pindyuk, Ukraine-Expertin am wiiw und Autorin der Studie.
Marshallplan für die Ukraine
Das wiiw warnt vor einer Finanzierung über neue Kredite,weil damit in der Ukraine eine Schuldenspirale in Gang gesetzt werden könnte. „Die Ukraine muss ihren Wiederaufbau primär über Zuschüsse,die nicht zurückgezahlt werden müssen, finanzieren können. Damit sollte auch möglichst viel privates Kapital angezogen werden“, sagt Pindyuk und verweist auf den Marshallplan für Westeuropa nachdem Zweiten Weltkrieg. Dieser bestand ebenfalls zu mehr als 90% aus Zuschüssen. Die Erfahrungen von Südkorea nach dem Koreakrieg haben gezeigt,dass eine erfolgreiche wirtschaftliche Erholung nicht allein von der Höhe der Finanzhilfe abhängt. Entscheidend waren eine klare staatliche Entwicklungsstrategie, eine starke Eigenverantwortung der Regierung bei der Umsetzung und die wirtschaftliche Integration mit dem Ausland.
Boost für Österreich
Gerade für Österreich eröffnet der Wiederaufbau der Ukraine erhebliche wirtschaftliche Chancen. Österreichische Unternehmen sind in zahlreichen Branchen vertreten, die vom Wiederaufbau stark profitieren dürften – etwa dem Maschinen- und Anlagenbau, der Bauwirtschaft, Energie, Verkehr, Umwelttechnik, Wasseraufbereitung,Banken und Versicherungen, Einzelhandel oder industrielle Dienstleistungen. (rk)
Katharina Schmidt verlässt Wiener Zeitung
Katharina Schmidt verlässt die Wiener Zeitung nach 22 Jahren auf eigenen Wunsch. Die langjährige Journalistin und zuletzt Chefredakteurin war laut Aussendung eine maßgebliche Kraft