Europas Banken sind stabil wie lange nicht
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FINANCENET Redaktion 25.09.2026

Europas Banken sind stabil wie lange nicht

Bearing Point Studie zeigt: Bei der Profitabilität sind heimische Banken schwächer als der Europa-Schnitt.

••• Reinhard Krémer

Europas Banken haben ihre Stabilität in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Für die nächste Phase wird jedoch entscheidend, wie gut Institute ihre solide Ausgangslage in dauerhaft höhere Produktivität und Profitabilität übersetzen können. Das zeigt die neue BearingPoint Bankenstudie 2026, die die Entwicklung europäischer Banken von 2013 bis 2025 untersucht und mögliche Entwicklungspfade bis 2030 analysiert. Einen entscheidenden Hebel sieht die Studie künftig im gezielten Einsatz von Künstlicher Intelligenz in den Kernprozessen der Banken.

Für Österreich zeigt sich dabei ein gemischtes Bild. Die österreichischen Institute kommen 2025 auf eine Cost-Income-Ratio (CIR) von 55,5% und eine Eigenkapitalrendite (Return on Equity, RoE) von 7,3%. Damit liegen sie jedoch hinter den deutschen Banken, die im selben Jahr eine CIR von 54,8% und einen RoE von 8,6% erreichen. Auch gegenüber dem europäischen Gesamtbild bleibt bei der Profitabilität Abstand.

Unterm Europa-Schnitt
Die durchschnittliche Eigenkapitalrendite europäischer Banken liegt 2025 bei 10,4%, die durchschnittliche Cost-Income-Ratio bei 52,7%.  Seit 2014 hat sich die europäische CIR damit von rund 66,8% um etwa 14 Prozentpunkte verbessert. Ein erheblicher Teil dieses Rückgangs geht allerdings auf die höheren Erträge infolge der Zinswende zurück. Auf DACH-Ebene zeigt die Studie eine ähnliche Entwicklung. Deutschland, Österreich und die Schweiz verfügen über solide kapitalisierte Bankenmärkte, sind zugleich jedoch von starker Fragmentierung, intensivem Wettbewerb und einer vergleichsweise geringeren Digitalisierungs- und Skalierungswirkung geprägt. Über den gesamten Betrachtungszeitraum liegt die durchschnittliche Cost-Income-Ratio der DACH-Banken bei rund 63,5%, gegenüber 61,1% im europäischen Durchschnitt. Bis 2025 verringert sich der Abstand deutlich: Die DACH-CIR sinkt auf 56,5%, der RoE steigt auf 8,7%.

Nordische Banken klar besser
Der Vergleich mit anderen europäischen Märkten zeigt, dass eine solide Kapitalausstattung künftig immer weniger zur Differenzierung beiträgt. Besonders die nordischen Banken verbinden hohe Effizienz mit überdurchschnittlicher Profitabilität und niedriger Risikobelastung.  Ihre durchschnittliche CIR liegt über den Betrachtungszeitraum bei rund 47,7%, die Eigenkapitalrendite bei rund 11,7%. Die Studie führt diese Entwicklung unter anderem auf konsolidierte Marktstrukturen, eine schlankere Kostenarchitektur und den hohen Digitalisierungsgrad zurück.

Insgesamt hat sich die Widerstandsfähigkeit des europäischen Bankensektors seit 2013 deutlich erhöht.
Die harte Kernkapitalquote CET1 stieg im Durchschnitt von 15,7% im Jahr 2013 auf rund 20% 2025. Gleichzeitig liegt die Liquidity Coverage Ratio zuletzt bei rund 246% und damit deutlich über der regulatorischen Mindestanforderung von 100%. Die durchschnittliche Quote notleidender Kredite sank bis 2025 auf rund ein Prozent.

Der Zinszyklus prägt stark
Die höhere Profitabilität der vergangenen Jahre ist laut Studie weiterhin stark vom Zinszyklus geprägt. Der durchschnittliche RoE europäischer Banken fiel 2020 auf 4,1% und stieg mit der Zinswende wieder auf 10,4% im Jahr 2025. Parallel erhöhte sich der Anteil des Zinsergebnisses am Gesamtertrag von 40,7% im Jahr 2019 auf 55% 2025. Eine deutliche Diversifikation der Ertragsquellen ist damit bislang ausgeblieben.
Für die kommenden Jahre sieht BearingPoint einen Übergang von einer vor allem zinsgetriebenen Ergebnisverbesserung hin zu einer stärker strukturellen Wettbewerbsphase.

KI als Performancehebel
Im Basisszenario, dem die Studie eine Wahrscheinlichkeit von 55% gibt, normalisiert sich der europäische Bankenmarkt bei moderatem Wachstum und einem stabilisierten Zinsniveau. Erwartet wird ein RoE-Korridor von acht bis 10,5%.  Das positive Szenario mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 25% unterstellt eine beschleunigte technologische Transformation und eine breite Skalierung von KI und Prozessautomatisierung. „Österreichische Banken verfügen über eine solide Ausgangsbasis, liegen bei Profitabilität und Effizienz jedoch weiterhin hinter den europäischen Spitzenreitern. Die nächste Leistungssteigerung wird nicht durch weitere Kostensenkungsprogramme erreicht, sondern durch die erfolgreiche Skalierung von KI“, sagt Christian Knedelstorfer, Partner bei BearingPoint Österreich.
„Der entscheidende Erfolgsfaktor ist dabei nicht die Technologie allein, sondern die Fähigkeit, KI in der gesamten Organisation und bei den Mitarbeitern zu verankern. Wer Prozesse, Daten und KI gezielt zusammendenkt, kann Kosten reduzieren, Risiken besser steuern und gleichzeitig das Kundenerlebnis verbessern“, so Knedelstorfer.

Drei Szenarien bis 2030
Für den europäischen Bankenmarkt entwickelt BearingPoint drei Szenarien bis 2030: Mit 55% Wahrscheinlichkeit geht die Studie von einer stabilen Normalisierung aus, ein struktureller Performance-Schub erhält 25%, ein Rezessions- und Stress­szenario 20%.  Über alle drei Szenarien hinweg bleibt die zentrale Frage dieselbe: ob es den Banken gelingt, ihre heute deutlich höhere Stabilität in eine weniger zyklische und dauerhaft tragfähige Performance zu überführen.

Die Studie kommt damit zu einem klaren Schluss: Europas Banken haben Stabilität zurückgewonnen. Künftig entscheidet stärker, wie produktiv sie arbeiten, wie verlässlich ihre Datenbasis ist und wie konsequent sie KI in ihre Geschäfts- und Betriebsmodelle integrieren. Führende Institute werden sich zunehmend über ihre Fähigkeit differenzieren, KI sicher und skalierbar in messbare Geschäftsergebnisse zu übersetzen.

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