Insolvenzniveau bleibt noch hoch
© Anna Rauchenberger
Karl-Heinz Götze, KSV1870: Die Zahl der Schuldenregulierungsverfahren wird sich in den nächsten Wochen auf dem Niveau des ersten Halbjahres oder sogar etwas darunter einpendeln.
FINANCENET Redaktion 25.09.2026

Insolvenzniveau bleibt noch hoch

KSV1870: Zahl der Firmenpleiten in Summe in den ersten drei Quartalen 2026 auf Vorjahresniveau.

WIEN. Die Insolvenzdynamik in Österreich bleibt auch 2026 hoch. Laut aktueller Hochrechnung des KSV1870 mussten in den ersten drei Quartalen 5.139 Unternehmen Insolvenz anmelden – nahezu gleich viele wie im Vorjahr (+0,4%). Gleichzeitig stieg die Zahl der Privatkonkurse deutlich um 10,7% auf 7.390 Fälle.

Was besonders Kummer macht
Besonders besorgniserregend ist bei den Unternehmensinsolvenzen der starke Anstieg jener Verfahren, die mangels kostendeckenden Vermögens gar nicht eröffnet werden können.  Bereits 2.204 Fälle beziehungsweise 43% aller Firmenpleiten wurden aus diesem Grund abgewiesen. Während die Zahl der eröffneten Verfahren um 7,2% zurückging, nahmen die nicht eröffneten Insolvenzen um 12,6% zu.
„Dass es zwischen eröffneten und abgewiesenen Fällen nur noch einen geringen Unterschied gibt, ist alarmierend“, sagt Karl-Heinz Götze, Leiter Insolvenz beim KSV1870.

Höhere Verluste für Gläubiger
Für Gläubiger bedeute dies höhere Verluste, da eine geordnete Abwicklung häufig nicht mehr möglich sei. Als Ursachen nennt der KSV1870 verspätete Insolvenzanmeldungen sowie Auswirkungen des Anfang 2026 beschlossenen Betrugsbekämpfungsgesetzes.

Zu den am stärksten betroffenen Branchen zählen weiterhin Handel (861 Fälle), Bau (719) sowie Gastronomie und Beherbergung (649). Während Handel und Bau leicht rückläufige Zahlen verzeichneten, stiegen die Insolvenzen in der Gastronomie um knapp zehn Prozent. Hohe Betriebskosten, Personalmangel und geringe finanzielle Reserven setzen vielen Betrieben weiterhin zu. Die vorläufigen Passiva der Unternehmensinsolvenzen gingen um sieben Prozent auf rund sechs Milliarden Euro zurück.
Größter Insolvenzfall des Jahres ist bislang die Laura Privatstiftung aus dem Signa-Umfeld mit Verbindlichkeiten von rund 1,7 Mrd. €. Insgesamt sind seit Jahresbeginn rund 15.700 Arbeitnehmer und 36.300 Gläubiger von Firmeninsolvenzen betroffen.

Privatkonkurse legen zu
Auch bei den Privatkonkursen zeigt sich ein deutlicher Anstieg. Mit 7.390 eröffneten Schuldenregulierungsverfahren wurde der höchste Wert seit 2018 erreicht. Ausschlaggebend dafür war vor allem das Auslaufen der Möglichkeit einer dreijährigen Entschuldung Mitte Juli, wodurch viele Schuldner ihre Anträge noch vor der Gesetzesänderung einbrachten.
Auffallend ist, dass es einzig in Tirol ein geringes Minus von 1,1% (bei gleichzeitigem Anstieg der Fallzahlen von 31%) gibt, in allen anderen acht Bundesländern teils deutliche Zuwächse der vorläufigen Passiva verzeichnet werden

„Insgesamt muss von einer deutlichen Zunahme gesprochen werden, die jedoch in Richtung Jahresende tendenziell wieder abflachen wird. Vor allem deshalb, weil der aktuell deutliche Anstieg in erster Linie der gesetzlichen Veränderung geschuldet ist und bereits in den vergangenen Wochen eine Beruhigung dieses kurzfristigen ‚Einmaleffekts‘ erkennbar war“, sagt Götze.

Wo es die Haushalte drückt
Neben den weiterhin hohen Wohn- und Lebenshaltungskosten belastet die angespannte Arbeitsmarktlage viele Haushalte. Die geschätzten Passiva der Privatkonkurse stiegen um 20% auf rund 1,1 Mrd. €. Für das Gesamtjahr erwartet der KSV1870 rund 6.800 Unternehmensinsolvenzen und etwa 9.300 Privatkonkurse. Damit würden beide Bereiche weiterhin auf historisch hohem Niveau bleiben. Eine nachhaltige wirtschaftliche Entspannung sei derzeit nicht erkennbar. (rk)

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