Jetzt geht’s aufwärts  mit der Konjunktur
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FINANCENET Redaktion 02.10.2026

Jetzt geht’s aufwärts mit der Konjunktur

Klein- und Mittelunternehmen senden bemerkenswertes Signal – zwei Drittel der Betriebe sind optimistisch.

• Reinhard Krémer

Die österreichischen Klein- und Mittelunternehmen senden ein bemerkenswertes Signal: Trotz Konjunkturflaute, geopolitischer Unsicherheiten und steigender Kosten blicken zwei Drittel der Betriebe optimistisch in die Zukunft. Gleichzeitig fällt ihr Urteil über den Wirtschaftsstandort Österreich kritisch aus. Mehr als die Hälfte der KMU sieht die Rahmenbedingungen hierzulande schlechter als in anderen EU-Ländern. Das zeigt die aktuelle KMU-Studie von IMAS International im Auftrag von Erste Bank und Sparkassen.

Mit rund 604.000 Unternehmen, 2,46 Mio. Beschäftigten und 56% der heimischen Wertschöpfung bilden die Klein- und Mittelbetriebe das Fundament der österreichischen Wirtschaft. Umso relevanter ist ihr aktueller Blick auf die Zukunft: 65% der befragten Unternehmen sehen den kommenden zwei bis drei Jahren optimistisch ent­gegen. Damit bleibt die Zuversicht gegen­über 2024 weitgehend stabil.

Große Herausforderungen
„Die vergangenen Jahre haben Unternehmen enorm gefordert. Umso bemerkenswerter ist es, dass zwei Drittel der heimischen KMU weiterhin optimistisch bleiben. Österreichs Unternehmerinnen und Unternehmer vertrauen auf ihre Innovationskraft, ihre Anpassungsfähigkeit und die Stärke ihrer Betriebe. Der Unternehmergeist ist stärker als die Krisenstimmung“, sagt Gerda Holzinger-Burgstaller, CEO der Erste Bank Oesterreich.

Entwarnung geben die Unternehmen dennoch nicht. Mehr als die Hälfte der Betriebe beurteilt ihr Marktumfeld heute als schwieriger als noch vor zwei bis drei Jahren. Besonders belastend sind aus Sicht der Unternehmen regulatorische Anforderungen und Bürokratie, steigende Energiepreise, höhere Personal- und Lohnkosten sowie wirtschaftliche und politische Unsicherheiten. Auch der Arbeitskräftemangel bleibt für viele Betriebe ein zentrales Thema.

Kritische Standortbewertung
Kritisch fällt auch die Bewertung des Standorts Österreich aus: 55% der KMU beurteilen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Vergleich zu anderen EU-Ländern als schlechter. Gleichzeitig empfinden 74% das Ausmaß staatlicher Regulierung als zu hoch. „Die Unternehmen glauben an ihre Betriebe, sehen aber deutlichen Verbesserungsbedarf bei den Rahmenbedingungen. Planungssicherheit, wettbewerbsfähige Kostenstrukturen und weniger Bürokratie sind entscheidende Voraussetzungen, damit Unternehmen investieren und wachsen können. Das liegt im Interesse des gesamten Wirtschaftsstandorts“, sagt Daniel Rath, Unternehmenskundenvorstand der Erste Bank Oesterreich.

Innovation statt Abwarten
Trotz der anspruchsvollen Rahmenbedingungen blicken die Unternehmen nach vorne. 63% sehen in Digitalisierung und Automatisierung große Chancen für die kommenden Jahre, 61% in Forschung und technologischer Innovation.  Auch Nachhaltigkeit, Energieeffizienz sowie die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte zählen für viele Unternehmen zu den wichtigsten Zukunftsthemen. Zunehmend an Bedeutung gewinnt dabei Künstliche Intelligenz.  Bereits 34% der österreichischen KMU halten KI heute für wichtig für ihren Betrieb. 2024 lag dieser Wert noch bei 19%.

Damit folgt Österreich einem europaweiten Trend. Laut Eurostat setzten 2025 bereits 20% der Unternehmen in der Europäischen Union mit zehn oder mehr Beschäftigten KI-Technologien im Geschäftsbetrieb ein. Gegenüber 2024 entspricht das einem Anstieg um 6,5 Prozentpunkte.
„Österreichs Mittelstand sucht die Antwort auf neue Herausforderungen nicht im Stillstand, sondern in Innovation und Weiterentwicklung“, so Rath.

Die Wachstumsmilliarde
Rund 57% der heimischen KMU planen, in den kommenden zwei bis drei Jahren in die Zukunft ihrer Unternehmen zu investieren. Um diesen Gestaltungswillen zu unterstützen, stellen Erste Bank und Sparkassen mit der Wachstumsmilliarde insgesamt eine Milliarde Euro an Finanzierungsmitteln bereit.
Damit sollen Unternehmen die Möglichkeit erhalten, Digitalisierung und Automatisierung voranzutreiben, Produktionsanlagen zu modernisieren, innovative Technologien einzusetzen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Die Initiative setzt gezielt dort an, wo der Investitionsbedarf besonders hoch ist, und schafft die finanziellen Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum und langfristige Wettbewerbsfähigkeit.
„Es mangelt den Unternehmen nicht an Ideen oder Investitionsbereitschaft. Genau hier setzen wir mit der Wachstumsmilliarde an“, sagt Gerda Holzinger-Burgstaller.

Und die hohe Politik?
„Kurzfristig brauchen KMU Entlastung durch weniger Bürokratie und schnellere Verfahren. Langfristig brauchen sie Planungssicherheit“, sagt Holzinger-Burgstaller. Und weiter: „Investitionen werden nicht nur für die nächsten sechs Monate getroffen. Eine neue Maschine wird von einem Unternehmen nicht für ein halbes Jahr angeschafft und eine neue Lagerhalle nicht nur mit Blick auf das kommende Jahr gebaut. Unternehmen müssen darauf vertrauen können, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verlässlich und berechenbar bleiben. Wenn Unternehmer heute nicht wissen, wie sich regulatorische Vorgaben, Steuern oder Förderungen in den kommenden Jahren entwickeln, werden Investitionen potentiell verschoben und somit Wachstum und Innovation gebremst“, so die Erste Bank-CEO.

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